Zehn Jahre ist es her, dass im Auktionshaus Grisebach das sensationelle Ergebnis von 646.600 Euro (inkl. Aufgeld) für ein Gemälde des Berliner Expressionisten Georg Tappert erzielt wurden. Die Loge II von ca. 1910 zeigt drei Damen mit den damals typischen wagenradgroßen Hüten bei einem Theaterbesuch.

Der damals dreißig Jahre alte Tappert war fasziniert vom Nachtleben seiner Heimatstadt. Wie so viele andere Künstler zog es ihn in die Revuen und Varietés, deren exotisch-buntes Geschehen er festhielt. Ein wunderbares Beispiel für diese Phase in Tapperts Schaffen kommt mit Geisha-Revue Anfang Dezember bei Grisebach zum Aufruf. Das in der für den Expressionismus in Deutschland so bedeutenden Zeit um 1912 entstandene Gemälde ist ein einziges Fest aus Farben, Rhythmus und atmosphärischer Dichte und ein wahres Meisterwerk jener Epoche.
Die Lose des Katalogs "Von Beuys bis Liebermann – Ausgewählte Werke", der Teil der diesjährigen Dezember-Auktionen in der Villa Grisebach ist (2.-4. Dezember), kommen am 3. Dezember ab 18 Uhr zum Aufruf.

Teil dieser hervorragenden Offerte sind auch drei hochinteressante Arbeiten aus den 1920er Jahren, die von der Bandbreite der damaligen Kunstszene zeugen. Da wäre zunächst Otto Dix' Zirkusscene von 1923 zu nennen, mit der der sozialkritische Künstler metaphorisch den Zustand der jungen Weimarer Republik beschreibt.

Otto Dix' bekannteste Arbeiten sind der Neuen Sachlichkeit zuzuschreiben. Darin hatte er großen Einfluss auf den Dresdner Maler Hans Grundig. Von diesem kommt Mädchen mit rosa Hut von 1925 zum Aufruf. Ob dieses Werk mit dem Schüler mit roter Mütze mithalten kann, der im Frühjahr bei Grisebach einen neuen Auktionsrekord für Grundig erzielte?

Während der deutsche Expressionismus kurz vor dem Ersten Weltkrieg voll erblühte, wandte sich einer seiner bedeutendsten Vertreter langsam wieder von ihm ab, begann zu experimentieren und sich schließlich der Abstraktion zu nähern. Besonders deutlich wird dies in seinen "Kopf-Bildern", denen er sich zwischen 1921 und 1933 sehr stark widmete.

An dieser Stelle sei auch auf eine Porträtfotografie von Wassily Kandinsky hingewiesen, die den Künstler im Profil zeigt. Das 1925 aufgenommene Foto von Hugo Erfurth ging kurz nach seinem Entstehen in den Besitz von Kandinskys Bauhaus-Kollegen László Moholy-Nagy über. 1938 wurde das Porträt auf der legendären ersten Bauhaus-Ausstellung im New Yorker Museum of Modern Art gezeigt.

Mit Lyonel Feininger ist ein weites Bauhaus-Mitglied in der Auktion vertreten. Von ihm kommt das kubistische Cammin von 1934 zum Aufruf, das im heute polnischen Ostsee-Kurort Kamień Pomorski entstand.

Von René Magritte kommt die mysteriöse Gouache Le domaine enchanté aus dem Jahr 1953 zum Aufruf, die als Studie für ein Wandgemälde im Casino der belgischen Küstenstadt Knokke-Heist diente.

Eine Leinwand von 150 x 160 cm verwendete Karin Kneffel, um eine Schüssel voll mit soßenlosen Makkaroni in Szene zu setzen und erzeugte damit zugleich Nähe und Distanz.

Ebefalls Teil der Offerte sind drei Lose mit Meissner Porzellan. Hier muss vor allem auf einen Flötenkasten mit Blütendekor von 1761 hingewiesen werden. Dieser war höchstwahrscheinlich einst im Besitz Friedrich des Großen, der bekanntermaßen ein virtuoser Querflötenspieler war.

Neben der Offerte "Ausgewählte Werke" umfassen die Dezember-Auktionen von Grisebach auch Kunst des 19. Jahrhunderts, die am 2. Dezember um 15 Uhr versteigert und von dem 1826 entstandenen Landschaftsgemälde Schiffsmühle auf der Elbe bei Dresden von Carl Gustav Carus wird.

Um 18 Uhr am selben Tag findet die Auktion "Photographie" statt, in der Helmut Newtons Parlour Games Munich von 1991 eines von vielen Highlights ist.

Nach der Versteigerung von Moderner Kunst (11 Uhr) und der Sammlung Calábria (15 Uhr) endet die Auktionsreihe am 4. Dezember um 18 Uhr mit Zeitgenössischer Kunst, wo neben einer außergewöhnlichen Arbeit von Martin Kippenberger auch dieses titellose Landschaftsgemälde von Per Kirkeby nicht unerwähnt bleiben darf.
Die Auktionen finden vom 2. bis 4. Dezember in der Villa Grisebach, Fasanenstraße 25, in Berlin statt. Vorbesichtigungen sind ab dem 20. November möglich.

