Am 22. und 23. November findet die nächste Versteigerung im Kunstauktionshaus Schlosser in Bamberg statt. Während der erste Auktionstag (ab 15 Uhr) Europäischer Malerei, Plastik und Kunsthandwerk gewidmet ist, darf man sich am zweiten Tag (ab 11 Uhr) auf Kunst und Antiquitäten aus fünf Jahrhunderten freuen.
Auch Grafik ist Teil der Offerte am ersten Auktionstag. Zu den Highlights der rund 100 Lose zählt eine Arbeit eines der populärsten Plakatkünstler der Belle Époque und des Jugendstils: Alfons Mucha. Der in Mähren geborene Mucha lebte ab 1889 in Paris, wo er sich mehr schlecht als recht als Illustrator durchschlug. Der Zufall verhalf ihm jedoch zur Gestaltung eines Plakats für eine Theateraufführung mit der großen Sarah Bernhardt. Das Plakat wurde so populär, dass es von öffentlichen Orten gestohlen wurde. In der Folge erhielt Mucha viele Aufträge für Werbeplakate, die er in seinem unvergleichlichen Stil gestaltete, darunter für die Zigarettenpapierfirma JOB. Ein um 1900 entstandenes Plakat dieser Zusammenarbeit wird bei Schlosser angeboten.

Ein weiteres Highlight unter den Grafiken ist Emil Noldes aquarellierte Lithografie Junge Mädchen von 1907, die Ada, die Frau des Künstlers, gemeinsam mit deren Schwester Lis Vilstrup zeigt. Die signierte Arbeit ist eine der wenigen Lithografien, die Nolde von Hand koloriert hat.

Die 277 Lose umfassende Gemälde-Offerte enthält Werke von der Renaissance bis zum 20. Jahrhundert. Zu den ältesten Werken gehört hierbei Madonna mit Kind und Johannesknaben in einem Tabernakelrahmen, das in einem Gutachten von 1946 dem Frühwerk des Florentiner Spätrenaissance-Malers Santi di Tito zugeschrieben wurde.

Aus dem Umkreis des flämischen Malers Frans Francken d. J. stammt ein weiteres Werk von religiöser Thematik: Anbetung des Jesuskindes durch die Heiligen Drei Könige. Ein schönes Detail des Gemäldes sind die Gefäße, in denen die "Könige aus dem Morgenland" ihre Gaben präsentieren, kennt man diese - allen voran den Nautilusbecher - von vielen Stillleben der Barockzeit.

Eine Episode aus dem Alten Testament diente als Motiv für das vorliegende Werk des niederländischen Malers Jakob Savery d. J., der vor allem als Tiermaler in Erscheinung trat. So auch hier: Der Bildvordergrund ist bevölkert von allerhand, meist paarweise auftretenden Tieren. Was man bereits ahnt, wird im Hintergrund durch ein schemenhaft dargestelltes Schiff bestätigt: Bei dem Gemälde handelt es sich um eine Paradieslandschaft mit Einzug der Tiere in die Arche Noah.

Die Kategorie Plastik und Kunsthandwerk begeistert gleichermaßen auf zwei- als auch auf dreidimensionaler Ebene. Aus der Werkstatt des Kärntner Meisters Leonhard Pampstell stammt ein Hochrelief aus Lindenholz mir zentraler Anna-Selbsdritt-Darstellung. Flankiert wird die thronende heilige Anna mit Maria und den Jesusknaben von den vier großen Propheten Daniel, Jeremia, Jesaia und Ezechiel, die jeweils ein Spruchband halten.

Um einen seltenen Schatz handelt es sich bei einem komplett erhaltenen Schachfigurensatz, der im 18. Jahrhundert im französischen Dieppe angefertigt wurde. Die 32 vollplastisch geschnitzten Figuren bestehen aus teilweise farbig gefassten Hirschhorn.
Der 23. November führt uns auch weit über die Grenzen Europas hinaus bis nach Südostasien. Aus der Frühzeit des ehemaligen Thai-Königreichs Ayutthaya, das von 1351 bis 1767 existierte, stammt eine feine Bronze des stehenden Buddha Shakyamuni, dessen rechte Hand im Gestus der Ermutigung und Furchtlosigkeit (Abhaya Mudra) erhoben ist.

Über ein breitgefächertes Angebot darf man sich auch bei den Möbelstücken der Auktion freuen. Um ein klassisches Stück handelt es bei dem schönen Louis-XV-Eckschrank des französischen Kunsttischlers Pierre Bernard aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Besonders hervorzuheben sind die inatarsierten Türfüllungen sowie die detailreichen vergoldeten Bronzebeschläge.

Sowohl was das Design als auch die Platzierung im Raum betrifft, ist der Raumteiler Carlton von Ettore Sottsass das genaue Gegenteil des Eckschränkchens. Sottsass entwarf Carlton 1981 für die von ihm initiierte Design-Gruppe Memphis in Mailand, deren Arbeit richtungsweisend für die Dekade wurde.

Ebenfalls aus Italien, genauer gesagt von der Glasmacherinsel Murano, stammen zwei interessante Vasen in Grün und Creme der Auktion. Ihr Schöpfer war 1932 Napoleone Martinuzzi, der aus einer Familie von Glasmachern stammt und seine künstlerische Laufbahn ebenfalls auf diesem Gebiet begann, bevor er sich ab 1936 nur noch als Bildhauer bestätigte.
Die Auktion mit rund 1500 Losen findet am 22. und 23. November im Kunstauktionshaus Schlosser in der Karolinenstraße 11 in Bamberg statt. Die Ausstellung zur Auktion ist dort vom 16. bis 21. November geöffnet.
