Von Grégoire Guérard sind heute 42 Gemälde und Buntglasfenster bekannt. Der Maler war jahrhundertelang in Vergessenheit geraten, bis ihn Frédéric Elsig und sein Forscherteam 2005 wiederentdeckten.
Im Pariser Auktionshaus Rossini kommt am 26. November Guérards Bildnis der Heiligen Katharina von Alexandria zum Aufruf. Ein Tafelwerk, dessen Rückseite ebenfalls bemalt ist. Dies lässt darauf schließen, dass es ursprünglich das Seitengemälde eines Triptychons vor. Das Werk stellt eine wichtige Ergänzung zum Werkverzeichnis des Künstlers dar.

Die auf Walnussholz porträtierte Heilige Katharina ist mit ihren typischen Attributen dargestellt: Buch, Schwert, Krone und Rad. Im Hintergrund ist eine auf einem Berg gelegene Burg zu sehen. Ergänzt wird die Komposition mit einem Heiligenschein mit der Inschrift "Katherina Virginus" und dem Wappen der Familie Vienne-Dinteville.
Auf der Rückseite der Tafel befindet sich eine in monochromen Farbtönen ausgeführte Darstellung des Heiligen Christophorus mit dem Jesusknaben. Laut Frédéric Elsig bestätigt dies die These, dass es sich bei dem Werk um die "rechte Seite eines Triptychons [handelt], dessen weitere Teile bis heute unbekannt sind". Der Experte vermutet des Weiteren, dass es sich um jenes Triptychon mit der Gottesmutter und dem Heiligen Christophorus handeln muss, das von Girard de Vienne und dessen Gemahlin Bénigne de Dinteville für die Kirche Saint-Baudèle in Plombière-les-Dijon (Côte d’Or) in Auftrag gegeben worden war.

Grégoire Guérard, auch unter dem Notnamen "Meister des Triptychons von Autun" bekannt, war ein niederländischer Maler, über den nur wenig bekannt ist, vor allem, was seine Jugend betrifft. Als Maler ist er erstmals 1512 in Troyes dokumentiert, wo er für die Kirche Sainte-Madeleine ein Gemälde des reuigen Petrus sowie eine Darstellung der Wurzel Jesse schuf.
Anschließend trat er 1515 in Burgund in Erscheinung, insbesondere während eideslängeren Aufenthaltes in Autun, wo er sein Hauptwerk ausführte: Das Triptychon der Eucharistie, das Jean Petit-Jean für eine Kapelle in der Kathedrale Saint-Lazare in Auftrag gegeben hatte. Das Werk zeugt nicht nur von den niederländischen Wurzeln des Malers, sondern auch von den Einflüssen der italienischen Renaissance.

Die Biografie Grégoire Guérards, ein Künstler, der heute als einer der ersten "niederländischen Romanisten" betrachtet wird, konnte nach und nach zusammengefügt werden, hauptsächlich anhand des Vergleichs mit den Gemälden, die bis dahin dem "Meister des Triptychons von Autun" zugeschrieben wurden. Dank eines Auftragsdokuments für eine bislang dem unbekannten Meister zugeschriebene Arbeit, in dem der Name Guérards genannt wird, gelang der Forschergruppe um Frédéric Elsig 2005 die historische Wiederentdeckung des Malers.
Guérards Werk und sein Beitrag zur französischen Renaissancekunst wurden 2017/18 in der Louvre-Ausstellung "Franz I. und die Kunst der Niederlande" hervorgehoben. Wie Elsig damals bemerkte, "brachte die Louvre-Ausstellung Grégoire Guérard in das Pantheon der großen Maler" und trug zu dessen verspäteter Anerkennung als einer der führenden Maler während der Herrschaft Franz' I. bei.

Neben dem wiederentdeckten Werk Guérards umfasst die Auktion von Rossini weitere Gemälde Alter Meister, Möbel und Kunstgewerbe, darunter eine Vase von Gallé aus den 1920er Jahren.
Mit dem Modell Ours polaires ("Eisbären") entfernte sich Gallé von seinen sonst verwendeten naturalistischen Mustern und näherte sich stattdessen der neuen Ästhetik des Art déco, die sich damals weiter verbreitete. Das Dekor der Vase, die heute ein begehrtes Sammlerstück darstellt, wurde mit der Technik der Säurekamee-Gravur erzeugt.

Ebenfalls versteigert werden einige wertvolle historische Erinnerungsstücke der griechischen und der dänischen Königsfamilie und des russischen Kaiserhauses, die alle miteinander verwandt und verschwägert waren. Die Stücke stammen aus der Sammlung einer den royalen Familien nahesehenden Person. Besonders hervorzuheben ist ein Armband mit sechs Eisenbahnmarken aus 14 Karat Gold, Silber und polychromem Emaille.
Verliehen 1889 an Nikolai Ossipowitsch Michnewitsch, einem hochrangigen Beamten des Russischen Reichs und Direktor des Eisenbahnministeriums unter Alexander III., erinnern die Marken an die Fertigstellung von fünf Eisenbahnlinien und zwei Kanälen.

Die Marken gewährten ihrem Eigentümer das Recht auf freie Fahrt auf den betreffenden Transportlinien: 1. Klasse für Gold-Marken, 2. Klasse für Silber-Marken. Das Objekt, dessen Gesamtgewicht 93 Gramm beträgt, gewährt einen interessanten Einblick in die Geschichte des russischen Schienennetzes, das seit dem 19. Jahrhundert entscheidend am Fortschritt des Landes beteiligt war und eines der wichtigsten weltweit ist.
Die Auktion am 26. November wird als Onlineauktion abgehalten und live auf mehrere digitale Plattformen übertragen. Alle Informationen dazu finden Sie auf der Website von Rossini.


