Vom 24. bis 27. September öffnet das Zürcher Auktionshaus Koller seine Tore und bittet zu einer grandiosen Auktionsreihe mit mehr als 1400 erlesenen Losen, die in zehn Sitzungen zum Aufruf kommen werden.
Das Herzstück der Auktionsreihe bilden Werke Alter Meister. In jeweils einer gesonderten Auktion werden deren Gemälde, Zeichnungen und Grafiken am 27. September versteigert. Angeführt wird die Offerte altmeisterlicher Gemälde von einer wahren Renaissance-Rarität: das um 1550 entstandene Bildnis eines Narren. Gemalt wurde es von einem früher als "Meister von 1537" bezeichneten flämischen Künstler, der mittlerweile als der in Mechelen tätige Frans Verbeeck identifiziert wurde. In Verbeeck Œuvre sind mehrfach moralisierende Bilder zu finden.

Auch das vorliegende Werk kann dazu gezählt werden, scheint der Dargestellte seine Betrachter durch seine Geste und das entschuldigende Lächeln um Nachsicht zu bitten, die er selbst nur zu gern bereit ist, zu gewähren. Die Intensität dieser Bitte wird durch den schwarzen Hintergrund unterstrichen - eine Bildkomposition, die eine Seltenheit in der Kunst des 16. Jahrhunderts darstellt.

Etwa zur gleichen Zeit wie das Narrenportrait malte Pier Francesco di Jacopo Foschi in Florenz ein diametral gegensätzliches Werk: Madonna mit Kind und dem Johannesknaben. Die in zarten Farben ausgeführten Figuren sind von der irdischen Welt entrückt und zeugen von der ausschließlich göttlichen Gnade, die den Menschen zuteil werden kann.

Ein weiteres reizvolles Los besteht aus einem Paar Gegenstücke, deren Signaturen verraten, dass Johann Rudolf Bys sie 1694 gemalt hat. Der aus der Schweiz stammende Bys, lebte und arbeitete ab 1689 in Prag und führte dort dekorative Kleinmalerei ein. Auch die bei den vorliegenden Stillleben Grosse exotische Seeschnecke mit Blumen und Fink und Grosse Jakobsmuschel mit Blumen und Stieglitz sind in diesem Zusammenhang zu betrachten.

Ein interessantes Stück Wiener Zeitgeschichte ist das Bildnis der Caroline Pichler und ihres Bruders, das in 1770er Jahren von Anton Hickel gemalt wurde, der sich später einen Namen als Porträtist und Hofmaler Josephs II. machen konnte. Das dargestellte Geschwisterpaar genoss in seinem künstlerischen und ebenfalls mit dem Kaiserhaus verbundenen Elternhaus eine umfassende Ausbildung, wodurch Caroline zu einer bekannten Wiener Persönlichkeit wurde, die sich als Autorin und Salonière einen Namen machen konnte.
Am Anfang der September-Auktionen bei Koller steht am 24. um 13:30 Uhr die Kategorie "Bücher". Hochinteressant und äußerst selten sind hier zwei Seidenbücher des Lyoner Seidenfabrikant Joseph-Alphonse Henry. In nur drei Exemplaren ließ Henry Seidenbücher mit Alphonse de Lamartines Gedicht Les Laboureurs 1878 für die Weltausstellung in Paris ganz aus Seide weben. Bei Koller kommt das einzige Ur-Exemplar aus privater Hand zum Aufruf.

Das zweite Seidenbuch der Auktion, Livre de Prières. Tissé d’après les Enluminures des Manuscrits du XIVeau XVIeSiècle, stammt ebenfalls von Henry und zeigt die Verbesserungen, die die Technik 1886/87 bereits erfahren hatte.
Außer Büchern werden am 24. September auch Buchmalerei und Autographen versteigert. Am Folgetag kommen Schmuck und Juwelen in zwei Sitzungen zum Aufruf, bevor es am 26. September weitergeht mit Teppichen sowie Möbeln, Porzellan und Silber.

Hier erwartet uns eine gleichermaßen schöne als auch abwechslungsreiche Offerte, zu deren Highlights eine seltene Präzisions-Skelettpendule zählt, die im späten 18. Jahrhundert in Paris hergestellt wurde. Auf Präzision setzte auch der Münchener Physiker und Uhrmacher Sigmund Riefler, als er gute 100 Jahre später den vorliegenden Präzisionsregulator aus Messing und Glas anfertigte.

Unter den Porzellanobjekten der Auktion begeistert ein komplettes Ensemble der Vier Erdteile, die zwischen 1745 und 1747 von J. F. Eberlein, P. Reinicke und J. J. Kändler entworfen und kurz darauf ausgeführt wurden. Die Figurengruppen gehen auf eine Bestellung der russischen Zarin Elisabeth Petrowna zurück.
Einen Hauch von Exotik verbreiten zwei reich intrigierte Möbelstücke der Offerte. Ein seltener Faltstuhl aus Nussbaum mit stilisierten Blüten stammt aus dem Umfeld der Nasriden-Dynastie, die in der Spätzeit der maurischen Herrschaft über Andalusien (al-Andalus) das Emirat von Granada verwaltete.

Ein mit Elfenbein intarsierter und mit geschnitzten Grotesken verzierter Tisch aus Palisanderholz wurde im 17. oder 18. Jahrhundert im südwestindischen Goa angefertigt, das das Zentrum der Kolonie Portugiesisch-Indien war.

Nach den altmeisterlichen Auktionen bilden Gemälde des 19. Jahrhunderts am 27. September um 16 Uhr schließlich den Abschluss der Auktionsreihe. Hier ist eine frühe Arbeit Jean-Baptiste Camille Corots hervorzuheben, die während seines Aufenthaltes in Italien zwischen 1825 und 1828 entstanden war. Die Ansicht von Neapel entstand en plain air und weist bereits auf den Weg hin, den Corot als Künstler später auch weiterhin beschreiten sollte.
Alle Auktionen finden im Auktionshaus Koller in der Hardturmstrasse 102 & 121 in Zürich statt. Dort werden alle Objekte vom 19. bis 23. September ausgestellt.
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