Eine Renaissance-Rarität bei Koller

Sind auch Sie vernarrt in Kunst und Kunsthandwerk vergangener Epochen? Dann sind die kommenden Auktionen im Hause Koller genau das Richtige für Sie! Dort versammeln sich diesen Monat herausragende Gemälde und Antiquitäten sowie hochinteressante Seidenbücher.

Meister von 1537/Frans Verbeeck (vor 1530 Mechelen um 1570), Bildnis eines Narren, Öl/Holz, um 1550 | Foto: Koller (Detail)
Meister von 1537/Frans Verbeeck (vor 1530 Mechelen um 1570), Bildnis eines Narren, Öl/Holz, um 1550 | Foto: Koller (Detail)

Vom 24. bis 27. September öffnet das Zürcher Auktionshaus Koller seine Tore und bittet zu einer grandiosen Auktionsreihe mit mehr als 1400 erlesenen Losen, die in zehn Sitzungen zum Aufruf kommen werden.

Das Herzstück der Auktionsreihe bilden Werke Alter Meister. In jeweils einer gesonderten Auktion werden deren Gemälde, Zeichnungen und Grafiken am 27. September versteigert. Angeführt wird die Offerte altmeisterlicher Gemälde von einer wahren Renaissance-Rarität: das um 1550 entstandene Bildnis eines Narren. Gemalt wurde es von einem früher als "Meister von 1537" bezeichneten flämischen Künstler, der mittlerweile als der in Mechelen tätige Frans Verbeeck identifiziert wurde. In Verbeeck Œuvre sind mehrfach moralisierende Bilder zu finden.

Meister von 1537/Frans Verbeeck (vor 1530 Mechelen um 1570), Bildnis eines Narren, Öl/Holz, um 1550 | Foto: Koller
Meister von 1537/Frans Verbeeck (vor 1530 Mechelen um 1570), Bildnis eines Narren, Öl/Holz, um 1550 | Foto: Koller

Auch das vorliegende Werk kann dazu gezählt werden, scheint der Dargestellte seine Betrachter durch seine Geste und das entschuldigende Lächeln um Nachsicht zu bitten, die er selbst nur zu gern bereit ist, zu gewähren. Die Intensität dieser Bitte wird durch den schwarzen Hintergrund unterstrichen - eine Bildkomposition, die eine Seltenheit in der Kunst des 16. Jahrhunderts darstellt.

Pier Francesco di Jacopo Foschi (1502 Florenz 1567), Madonna mit Kind und dem Johannesknaben, Öl/Holz | Foto: Koller
Pier Francesco di Jacopo Foschi (1502 Florenz 1567), Madonna mit Kind und dem Johannesknaben, Öl/Holz | Foto: Koller

Etwa zur gleichen Zeit wie das Narrenportrait malte Pier Francesco di Jacopo Foschi in Florenz ein diametral gegensätzliches Werk: Madonna mit Kind und dem Johannesknaben. Die in zarten Farben ausgeführten Figuren sind von der irdischen Welt entrückt und zeugen von der ausschließlich göttlichen Gnade, die den Menschen zuteil werden kann.

Johann Rudolf Bys (1660 Chur - 1738 Würzburg), Paar Stillleben (Gegenstücke), Öl/Lwd., signiert und datiert, 1694 | Fotos: Koller
Johann Rudolf Bys (1660 Chur - 1738 Würzburg), Paar Stillleben (Gegenstücke), Öl/Lwd., signiert und datiert, 1694 | Fotos: Koller

Ein weiteres reizvolles Los besteht aus einem Paar Gegenstücke, deren Signaturen verraten, dass Johann Rudolf Bys sie 1694 gemalt hat. Der aus der Schweiz stammende Bys, lebte und arbeitete ab 1689 in Prag und führte dort dekorative Kleinmalerei ein. Auch die bei den vorliegenden Stillleben Grosse exotische Seeschnecke mit Blumen und Fink und Grosse Jakobsmuschel mit Blumen und Stieglitz sind in diesem Zusammenhang zu betrachten.

Anton Hickel (1745 Böhmisch Leipa - 1798 Hamburg), Bildnis der Caroline Pichler und ihres Bruders, Öl/Lwd., signiert und schwer leserlich datiert, 177... | Foto: Koller
Anton Hickel (1745 Böhmisch Leipa - 1798 Hamburg), Bildnis der Caroline Pichler und ihres Bruders, Öl/Lwd., signiert und schwer leserlich datiert, 177... | Foto: Koller

Ein interessantes Stück Wiener Zeitgeschichte ist das Bildnis der Caroline Pichler und ihres Bruders, das in 1770er Jahren von Anton Hickel gemalt wurde, der sich später einen Namen als Porträtist und Hofmaler Josephs II. machen konnte. Das dargestellte Geschwisterpaar genoss in seinem künstlerischen und ebenfalls mit dem Kaiserhaus verbundenen Elternhaus eine umfassende Ausbildung, wodurch Caroline zu einer bekannten Wiener Persönlichkeit wurde, die sich als Autorin und Salonière einen Namen machen konnte.

Am Anfang der September-Auktionen bei Koller steht am 24. um 13:30 Uhr die Kategorie "Bücher". Hochinteressant und äußerst selten sind hier zwei Seidenbücher des Lyoner Seidenfabrikant Joseph-Alphonse Henry. In nur drei Exemplaren ließ Henry Seidenbücher mit Alphonse de Lamartines Gedicht Les Laboureurs 1878 für die Weltausstellung in Paris ganz aus Seide weben. Bei Koller kommt das einzige Ur-Exemplar aus privater Hand zum Aufruf.

Links: Seidenbuch mit Alphonse de Lamartines "Les Laboureurs, Lyon 1878 || Rechts: Rechts: Seidenbuch mit Livre de Prières. Tissé sur soie d’après les enluminures des manuscrits du XIVe au XVIe siècle, Lyon 1886/87 | Fotos: Koller
Links: Seidenbuch mit Alphonse de Lamartines "Les Laboureurs, Lyon 1878 || Rechts: Rechts: Seidenbuch mit Livre de Prières. Tissé sur soie d’après les enluminures des manuscrits du XIVe au XVIe siècle, Lyon 1886/87 | Fotos: Koller

Das zweite Seidenbuch der Auktion, Livre de Prières. Tissé d’après les Enluminures des Manuscrits du XIVeau XVIeSiècle, stammt ebenfalls von Henry und zeigt die Verbesserungen, die die Technik 1886/87 bereits erfahren hatte.

Außer Büchern werden am 24. September auch Buchmalerei und Autographen versteigert. Am Folgetag kommen Schmuck und Juwelen in zwei Sitzungen zum Aufruf, bevor es am 26. September weitergeht mit Teppichen sowie Möbeln, Porzellan und Silber.

Links: Präzisions-Skelettpendule, vergoldete Bronze, Marmor, Paris Ende 18. Jh. || Rechts: Sigmund Riefler, Präzisionsregulator "Riefler", Messing, Glas, München, 1904 | Fotos: Koller
Links: Präzisions-Skelettpendule, vergoldete Bronze, Marmor, Paris Ende 18. Jh. || Rechts: Sigmund Riefler, Präzisionsregulator "Riefler", Messing, Glas, München, 1904 | Fotos: Koller

Hier erwartet uns eine gleichermaßen schöne als auch abwechslungsreiche Offerte, zu deren Highlights eine seltene Präzisions-Skelettpendule zählt, die im späten 18. Jahrhundert in Paris hergestellt wurde. Auf Präzision setzte auch der Münchener Physiker und Uhrmacher Sigmund Riefler, als er gute 100 Jahre später den vorliegenden Präzisionsregulator aus Messing und Glas anfertigte.

Meissen, 4 große Figurengruppen mit Allegorien der vier Erdteile, Entwurf 1745-47, Ausformung 1745-63 | Foto: Koller
Meissen, 4 große Figurengruppen mit Allegorien der vier Erdteile, Entwurf 1745-47, Ausformung 1745-63 | Foto: Koller

Unter den Porzellanobjekten der Auktion begeistert ein komplettes Ensemble der Vier Erdteile, die zwischen 1745 und 1747 von J. F. Eberlein, P. Reinicke und J. J. Kändler entworfen und kurz darauf ausgeführt wurden. Die Figurengruppen gehen auf eine Bestellung der russischen Zarin Elisabeth Petrowna zurück.

Einen Hauch von Exotik verbreiten zwei reich intrigierte Möbelstücke der Offerte. Ein seltener Faltstuhl aus Nussbaum mit stilisierten Blüten stammt aus dem Umfeld der Nasriden-Dynastie, die in der Spätzeit der maurischen Herrschaft über Andalusien (al-Andalus) das Emirat von Granada verwaltete.

Links: Intarsierter Tisch, Palisander, Elfenbein, Goa, 17./18. Jh. || Rechts: Intarsierter Faltstuhl, Nussbaum, Bein, Metall, Andalusien, letztes Viertel 15./Anfang 16. Jh. | Fotos: Koller
Links: Intarsierter Tisch, Palisander, Elfenbein, Goa, 17./18. Jh. || Rechts: Intarsierter Faltstuhl, Nussbaum, Bein, Metall, Andalusien, letztes Viertel 15./Anfang 16. Jh. | Fotos: Koller

Ein mit Elfenbein intarsierter und mit geschnitzten Grotesken verzierter Tisch aus Palisanderholz wurde im 17. oder 18. Jahrhundert im südwestindischen Goa angefertigt, das das Zentrum der Kolonie Portugiesisch-Indien war.

Jean-Baptiste Camille Corot (1796 Paris 1875), Naples – le Mont Saint-Elme et partie de la ville, Öl/Papier/Holz, signiert, 1828 | Foto: Koller
Jean-Baptiste Camille Corot (1796 Paris 1875), Naples – le Mont Saint-Elme et partie de la ville, Öl/Papier/Holz, signiert, 1828 | Foto: Koller

Nach den altmeisterlichen Auktionen bilden Gemälde des 19. Jahrhunderts am 27. September um 16 Uhr schließlich den Abschluss der Auktionsreihe. Hier ist eine frühe Arbeit Jean-Baptiste Camille Corots hervorzuheben, die während seines Aufenthaltes in Italien zwischen 1825 und 1828 entstanden war. Die Ansicht von Neapel entstand en plain air und weist bereits auf den Weg hin, den Corot als Künstler später auch weiterhin beschreiten sollte.

Alle Auktionen finden im Auktionshaus Koller in der Hardturmstrasse 102 & 121 in Zürich statt. Dort werden alle Objekte vom 19. bis 23. September ausgestellt.

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