Zu den zeitgenössischen Werken der belgischen Privatsammlung, die PIASA am 12. Mai versteigert, gehört Croix Noire von Nicolas Chardon. Für diese gewagte Arbeit griff der Künstler die Motive der Moderne neu auf, um sie zeitgemäß zu nutzen. Während vor unserem Inneren Auge das (schwarze) Kreuz von Kasimir Malewitsch erscheint, betrachten unsere physischen Augen ein auf Stoff gemaltes Kreuz, womit Chardon das uns bekannte Bild in eine vollwertige konzepttolle Arbeit verwandelte.

Die Auktion wird mit einem für den visionären Architekt Yona Friedman typischen Objekt fortgesetzt. Friedman machte Bewegung und Anpassungsfähigkeit zu den beiden Schlüsselkonzepten seiner Arbeit. Das utopische Konzept "La Ville Spatiale" ist eines seiner emblematischsten Projekte: Unter Berücksichtigung der Unvorhersehbarkeit des Menschen hatte Friedman die Idee, eine Architektur in ständiger Anpassung an das Leben zu bauen. Die vorliegende Arbeit verkörpert diese zentrale Idee perfekt, die in ihrer Entwicklung sowohl asymmetrisch als auch organisch ist.

Auch begegnet uns in der Auktion eine Arbeit von Josh Smith, der für seine rohen und offenen Bilder bekannt ist. Im vorliegenden Werk ersetzte Smith die Malerei durch eine Collage, um sowohl die Sprache der Bilder als auch ihre Allgegenwart in unserer Gesellschaft in Frage zu stellen. Die Arbeit des Künstlers führt in einen faszinierenden Strudel, in dem sich Bilder und Worte endlos zu wiederholen scheinen und hinterfragt so mit der dafür notwendigen Brutalität die Informationsüberflutung in der heutigen Gesellschaft zum Nachtteil der Bedeutung.

Ein bedeutender Teil der Auktion ist der Fotografie gewidmet. Hier sei auf einen Abzug aus der Theaterserie von Candida Höfer hingewiesen. Die bedeutende zeitgenössische Fotografin und Vertreterin der Düsseldorfer Schule, vereint in ihren Arbeiten die kalkulierte mit der methodischen Objektivität. Höfer ist berühmt für ihre Aufnahmen von monumentalen Innenräumen, in denen das Spiel mit den Maßen eine eindringliche Spannung zwischen Gesamtansicht und akribischen Details erzeugt. Dies wird auch in dem vorliegenden Werk Théâtre de la Monnaie / Koninklijke Muntschouwburg deutlich.

Im Mittelpunkt der Auktion steht eine von dem amerikanischen Fotokünstler Jason Matthew Lee signierte Arbeit: Ein öffentliches Telefon, wie man es heute noch in den Straßen von New York findet, arg mitgenommen und von Vorhängeschlössern umgeben. Mit seinem Interesse für die Digitalisierung zeigt Lee in Radical Transparency das Veralten dieses Symbols einer anderen Zeit, als ein öffentliches Telefon dennoch ein privater Ort war. Heute, im Informations- und digitalem Zeitalter, ist die Geheimhaltung unserer Gespräche und unseres Privatlebens eins überholtes Konzept, das zugunsten einer radikalen Transparenz aufgegeben wurde.

Werfen wir zum Schluss noch einen Blick auf diese Arbeit von Claire Fontaine, einem neokonzeptuellen Kollektiv italienisch-britischer Herkunft, das 2004 aus der Taufe gehoben wurde und sich selbst als „Künstler-Ready-Made“ bezeichnet und sich damit auf das erste Ready-Made der Kunstgeschichte, Marcel Duchamps Urinal Fontaine, bezieht. Für Multitude verwendete Claire Fontaine verschiedene Symbole der westlichen Popkultur, um unser Verhältnis zu Bildern und zur Konsumkultur in Frage zu stellen. Angesichts dieser Kakophonie der Eindrücke hat der Betrachter gar keine andere Wahl, als sich zu fragen: „Was sehe ich eigentlich?“.

Die Versteigerung dieser einzigartigen Sammlung führt uns die Bedeutung zeitgenössischer Kunst vor Augen und vereint Arbeiten von hoher Qualität durch einen roten Faden, der zu einem zusammenhängendem Ganzen führt, das mit Engagement und Reflexion aufgebaut und konzipiert wurde. Am 12. Mai darf mitgeboten werden!
Den gesamten Katalog zur Auktion können Sie gleich hier entdecken.

