Die diesjährige Sommerauktion des Kunstauktionshauses Schlosser, bei der es sich zugleich um die 80. Auktion des Versteigerungsunternehmens handelt, verteilen sich mehr als 1400 Lose auf zwei Auktionstage. Während am 26. Juli ab 15 Uhr Europäische Malerei, Plastik und Kunsthandwerk auf dem Programm stehen, kommen am 27. Juli ab 11 Uhr Kunst und Antiquitäten aus fünf Jahrhunderten zum Aufruf.
Beginnen wir nun mit einem außergewöhnlichen Objekt, das am zweiten Auktionstag versteigert wird: Eine Historismus-Apotheke aus dem Wien der Gründerzeit. Das seltene Stück aus massiver Eiche wurde im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts im Neo-Renaissancestil ausgeführt und aufwändig mit vollplastischen und Reliefschnitzereien verziert.

Im Mittelpunkt des Dekors steht jedoch das Gemälde im großen Mittelbogens der Apothekerzeile. Dargestellt ist eine junge Frau, deren Kleidung der Epoche des aufgegriffenen Stils entspricht. Sie blickt aus einem schattigen Bogengang auf das Treiben auf den Straßen einer - möglicherweise italienischen - Stadt hinunter. Ihr zur Seite stehen unterschiedliche Alchemisten-Utensilien, auf dem Schoß hält sie ein Buch.

Bei dem Gemälde handelt es sich um eine Arbeit des österreichischen Künstlers Eduard Veith, einem Ausstattungsmaler der Wiener Gründerzeit, in dessen meist mythologische und historische Szenen sich unterschiedliche Stile von den Präraffaeliten bis zum Symbolismus mischten.
Ebenfalls im Stile der Renaissance gehalten ist diese Türmchen-Uhr von etwa 1700. Das in Form eines Quaders gestaltete Gehäuse wird von einem Tempietto, also einem kleinen Tempel, bekrönt, in dem sich wiederum ein Blumenstrauß befindet.

Etwas jünger ist eine horizontale Tischuhr, die ihr passendes Etui dabei hat. Eine Bezeichnung auf der sechseckigen Uhr mit römischen Stundenzahlen und arabischer Minuterie weist auf Jacob Ludwig Dreyer aus Memel im heutigen Litauen als Hersteller hin.

Von musealer Qualität ist ein sehr feiner Kabinettschrank, der um 1600 in Süddeutschland oder Tirol ausgeführt wurde. Die aufwändigen Intarsien des aus Nuss-, Laub- und Fichtenholz gefertigten Stücks zeigen Stadtansichten und Jagdszenen. Ein Highlight ist das heuausziehbare Spielbrett für Mühle, Schach und Tricktrack.

Ein außergewöhnliches Stück der Schmuckofferte entführt uns ins präkolumbische Mittel- und Südamerika: Ein aus siebzehn Elementen zusammengefügtes Collier aus 18-karätigem Gelbgold greift mit den Darstellungen von Gottheiten den Stil der dortigen indigenen Völker auf.

Hochinteressant ist auch ein japansicher Album mit 102 Blättern aus dem späten 19. Jahrhundert, dessen kolorierte Holzdrucke den Japanisch-Chinesischen Krieg von 1894/95 zum Thema haben.
Am 26. Juli sind im Kunstauktionshaus Schlosser Alte Meister und moderne Künstler gleichermaßen gut vertreten. Als eines der Highlights kommt hier eine Aquatintaradierung von Ernst Ludwig Kirchner zum Aufruf, die aus einer bedeutenden fränkischen Privatsammlung stammt. Die Darstellung eines restgedeckten Bauernhauses wurde von Kirchner mit 1908 datiert und entstand somit vermutlich während dessen ersten Aufenthalt auf der Insel Fehmarn.

Aus dem gleichen Jahr und derselben Sammlung hat stammt die Radierung Akt mit wippenden Beinen von Emil Nolde. Eine weitere Radierung dieser Serie befindet sich in der Sammlung des MoMA.

Für das Sujet des weiblichen Aktes hat sich auch Sándor Ziffer für ein Gemälde entschieden, das mit dem höchsten Schätzpreis der Autkion zum Aufruf kommt. Das von Matisse und Gauguin beeinflusste Œuvre Ziffers machten diesen zu einem Vorreiter der ungarischen Avantgarde zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Einen Hauptvertreter der nordisch-venezianischen Landschaftsmalerei haben wir mit Lodewijken Toeput, gen. Il Pozzoserrato vor uns, dem die hier vorliegende Höfische Festgesellschaft im Park zugeschrieben wird. Derartige Fest- und Bankettszenen sind typisch für das Œuvre des flämischen Malers, der sich lange in Italien aufhielt.

Sozusagen als Gegenstück zum höfischen Fest kommt Getreideernte mit Ruhe bei der Arbeit zum Aufruf. Gemalt wurde das Leinwandgemälde von Toeputs Landsmann Adriaen van Stalbemt, der sein Werk ausschließlich in der Tradition seiner flämischen Heimat ausführte.

Ein weiteres schönes Werk ist ein kleines Stillleben aus dem Umkreis des elsässischen Malers Sebastian Stoskopff. Neben erlesenen Speisen und teurem Tischgerät (Ananaspokal) ist ein grüne Papagei abgebildet, den der Künstler als hübsches Detail auf dem Griff einer Gabel platziert hat.

Die Auktion findet am 26. und 27. Juli in der Karolinenstraße 11 in Bamberg statt. Dort kann auch vom 20.-25. Juli die Ausstellung zur Auktion besucht werden.
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