Anfang Juli wendet sich Kiefer Buch- und Kunstauktionen in einer dreitägigen Auktion erneut Büchern und Antiquitäten sowie alter und moderner Kunst zu. Während die Offerte am ersten Auktionstag (2. Juli) Alte Drucke sowie Bücher zu Themengebieten wie Genealogie, Theater, Musik, Jagd, Kunst und Kultur sowie Kinderbücher umfasst, folgen am 3. Juli die Naturwissenschaften, Geografie sowie Autographen, Antiquitäten und Fotografie. Der 4. Juli konzentriert sich schließlich ganz auf alte und moderne Kunst, dekorative Grafik, Städteansichten und Landkarten.

Am letzten Auktionstag kommt auch eben jene Rötel-Skizze zum Aufruf, die dem italienischen Renaissancekünstler Michelangelo Buonarroti zugeschrieben wird. Die Skizze zeigt den Kopf eines bärtigen Mannes in Untersicht mit Blick nach oben. Auf der Rückseite des ca. 7 x 7,2 cm messenden Blattes befindet sich das Fragment einer weiteren Rötel-Skizze.

Die Zeichnung wurde auf ein Trägerpapier montiert, auf dem von fremder Hand vermerkt "Michelangelo b 1474" zu lesen ist, was zu der Zuschreibung an Michelangelo Buonarroti geführt hat (der allerdings erst 1475 zur Welt kam). Ist diese Zuschreibung zutreffend, wäre die Zeichnung mit ihrem Schätzpreis von 5.000 Euro ein richtiges Schnäppchen, sind Werke Michelangelos auf dem Auktionsmarkt doch rar gesät und daher sehr begehrt.

Mehrfach in der Auktion vertreten ist Michelangelos Zeitgenosse Albrecht Dürer. Neben mehreren Kupferstichen und Holzschnitten, darunter Christus wird ans Kreuz genagelt aus der Kleinen Holzschnitt-Passion von ca. 1509, auch ein Exemplar der 6. lateinischen Ausgabe von Dürers Proportionslehre De symmetria partium humanorum corporum libri quattuor, e Germanica lingua.

Michelangelo und Dürer lebten in aufregenden Zeiten, vornehmlich ausgelöst vom Reformator Martin Luther, der bei Kiefer im wahrsten Sinne des Wortes ebenfalls zu Wort kommt, und zwar in Form der ersten elf (von zwölf) Bände seiner Bücher. Es ist die erste deutsche Gesamtausgabe seiner Schriften, die noch von Luther selbst begonnen worden war.

Ein weiteres Objekt aus der Zeit um 1500 führt uns nach Südostasien, genauer gesagt ins Thailand der Ayutthaya-Periode, Dort entstand diese vergoldete Bronze des Buddha Shakyamuni von außerordentlich guter Qualität. Ein weiteres museales Stück kommt mit diesem Drachenboot aus China zum Aufruf, das, inklusive der Figuren, um 1880 aus Bein geschnitzt wurde.

Unter den Bronzeplastiken der Auktion dürfen Etude Pour Le Portrait De Mathilde Salle von Edgar Degas sowie Hockende Frau von Emil Nolde nicht unerwähnt bleiben.

Mit L'Ordre des oiseaux kommt ein wunderbares Beispiel für die Kunst der Buchillustration im 20. Jahrhundert zum Aufruf. Der von Nobelpreisträger Saint-John Perse (Alexis Leger) verfasste Text war eine Laudatio an Georges Braque zu dessen 80. Geburtstag 1962. Braque steuerte zwölf Farbradierungen zu dem auf 100 Exemplare limitierten Werk bei.

Ebenfalls von Bewunderung zeugt Les Caprices de Goya de Dali. In diesem bedeutenden Werk setzte sich Salvador Dalí mit der grafischen Serie Los Caprichos seines Landsmannes Francisco de Goya auseinander. Insgesamt führte er 80 Kaltnadelradierungen nach Goyas Motiven aus, von denen 76 bei Kiefer angeboten werden.

Von Emil Schumacher, einer der ersten deutschen Künstler, die sich in der Nachkriegszeit international etablieren konnten, kommt eine auf einer Basalt-Lava-Platte ausgeführte abstrahierte figurative Komposition zum Aufruf. Die Arbeit stammt aus dem Spätwerk Schumachers, der ein wichtiger Vertreter des Informel war.

Im Bereich Fotografie sei auf eine Sammlung von sechs Arbeiten der Royal Photographic Society hingewiesen. Teil davon ist die berühmte Bewegungsstudie des österreichischen Fotografen Rudolf Koppitz von 1925, die Tänzerinnen der Tanzgruppe von Claudia Issatschenko zeigt.
Die Auktion findet vom 2.-4. Juli, jeweils ab 10 Uhr im Auktionshaus Kiefer, Steubenstraße 36, in Pforzheim statt, aufgrund der aktuellen Situation vermutlich ohne Saalpublikum. Gebote via Internet, Telefon oder schriftlichem Formular sind daher mehr als willkommen.
