1903 reiste Alexej von Jawlensky nach Paris. Dort entdeckte er die Avantgarde und vor allem den Post-Impressionismus Vincent van Goghs. Jawlensky, der in seiner Heimat Russland zunächst mit der realistischen Malweise in Berührung gekommen war, hatte in der Münchener Malschule des slowenischen Künstlers Anton Ažbe seine Auffassung vom Einsatz von Farben und Licht erweitert. Nun begann er sich einem expressionistischen Stil zuzuwenden. Er übte sich darin vor allem durch Stillleben, die er in jener Phase seines Schaffens bevorzugt malte.

Eine Arbeit aus dieser Periode, das um 1904/05 entstandene Ölgemälde Gedeckter Tisch, ist eines der Highlights der Auktion mit Moderner Kunst, die die Contemporary Week im Wiener Dorotheum am 23. Mai um 18 Uhr eröffnet. Es ist ein wunderbares Beispiel für Alexej von Jawlenskys Hinwendung zum Expressionismus, als Farben zur Haupt- und Formen zur Nebensache wurden.

Etwa zu der Zeit, in der Alexej von Jawlensky in Paris weilte, erhielt Gustav Klimt in Wien den Auftrag, die Industriellengattin und Kunstmäzenin Adele Bloch-Bauer, mit der ihn möglicherweise mehr als nur Freundschaft verband, zu porträtieren. Klimt fertigte dafür über 100 Studien aus schwarzer Kreide an, darunter auch die vorliegende, die Adele stehend in Frontalansicht zeigt. In die Endfassung, die 1907 fertiggestellte „Goldene Adele“ (Adele Bloch-Bauer I), die Porträtierte in sitzender Position zeigt, schaffte es diese Studie nicht. Doch als Gustav Klimt erneut den Auftrag für ein Porträt seiner Förderin erhielt (Adele Bloch-Bauer II, 1912), griff er darauf zurück.

Einen eher düsteren Blick auf die Zukunft der Kunstszene warf Roberto Matta 1954 mit La Banale de Venise, was dem Titel nach eine Abrechnung mit der Biennale in der Lagunenstadt darstellte. Sorge bereitete Matta die zunehmende Konsumorientierung der Gesellschaft, in der der Künstler zum Roboter wird, der emotionslose Kunst am Fließband produziert und damit selbst zu einem Rad in diesem Gefüge wird.
Auch die Offerte mit Zeitgenössischer Kunst, die am 24. und 25. Mai in zwei Teilen versteigert wird, hat viele Highlights zu bieten. Zu den Top-Losen zählen zwei Werke von Lucio Fontana, darunter Concetto Speziale von 1956.

Rund zehn Jahre zuvor hatte sich Fontana für eine Dynamik in der Kunst ausgesprochen, in der die Grenzen zwischen den einzelnen Kunstgattungen aufgebrochen werden sollten. Fontana begann mit der Erschaffung von Werken, die er Concetto Spaziale („Raumkunst“) nannte. Nachdem er monochrome Leinwände zunächst perforiert hatte, begann er diese ab 1950 mit Glasstücken zu versehen, um eine neue Lichtwirkung zu erzielen. Auch die vorliegende Arbeit kann dieser Reihe zugeordnet werden, indem sie Malerei, Skulptur und Relief miteinander vereint.

Auch das nächste Highlight der Offerte führt uns ins Jahr 1956. Es wurde von Manolo Millares geschaffen und stammt aus dessen Zyklus Composicion con dimension perdida („Komposition mit fehlender Dimension“). Der Autodidakt Millares, einer der bedeutendsten spanischen Künstler der Nachkriegszeit, ließ sich zunächst vom Surrealismus inspirieren, bevor er sich einer eigenständigen abstrakt-informellen Bildsprache zuwandte. Auch Einflüsse aus seiner Heimat, der Kanareninsel Gran Canaria, sind in seinen Werken zu finden; vor allem durch die groben Jutestoffe, die er ab den 1950er Jahren in seinen Assemblagen verwendete und die tief in der kanarischen Kultur verwurzelt sind.

Zum Schluss möchten wir Sie noch auf dieses Werk von Keith Haring hinweisen – das gar kein Werk von Keith Haring ist, sondern von der amerikanischen Künstlerin Elaine Sturtevant stammt. Die konsequente „Aneingnerin“ Sturtevant wählte ab Mitte der 1960er Jahre Werke ihrer zeitgenössischen Kollegen aus, um diese aus dem Gedächtnis zu wiederholen. Gewissermaßen führte sie damit die Readymades von Marcel Duchamp (der ihr großes Vorbild war) auf die Spitze. In der Kunstszene New Yorks stieß sie mit ihrem Vorgehen jedoch auf so große Ablehnung, dass sie ihre Arbeit vorerst niederlegte. Mitte der 1980er Jahre sah das Ganze jedoch durch das mittlerweile aufgekommene Konzept der Appropriation Art jedoch anders aus, auch wenn sich Sturtevant selbst von dieser Bewegung abgrenzte. Haring Untitled January 1982 ist ein frühes Werk aus Elaine Sturtevants zweiter Schaffensphase.
Neben diesen und weiteren Meisterwerken moderner und zeitgenössischer Künstler umfasst die Contemporary Week auch Schmuck sowie Armband- und Taschenuhren, die am 25. bzw. 26. Mai zum Aufruf kommen.
Die Auktionen finden im Palais Dorotheum, Dorotheergasse 17, in Wien statt. Die Ausstellung zur Contemporary Week ist dort aktuell geöffnet.
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