Fernand Léger wurde 1881 im normannischen Argentan in Frankreich geboren. Nach einer Ausbildung zum Architekten zog es den Sohn eines Viehzüchters im Alter von 19 Jahren nach Paris, wo er ein künstlerisches Leben aufnahm. Sein Atelier teilte er sich mit dem Maler André Mare und schon bald lernte er viele weitere Künstler und Intellektuelle kennen, darunter Marc Chagall, Amedeo Modigliani, Guillaume Apollinaire und Blaise Cendrars. Léger war vom Leben in der französischen Hauptstadt begeistert, wo er auch seine erste Frau Jeanne-Augustine Lohy kennenlernte, die er 1919 heiratete.

Léger ließ sich vom Leben und der Kultur, die ihn umgab, inspirieren und besuchte häufig Revuen, Zirkusaufführungen und Kunstausstellungen. Besonders faszinierte ihn 1907 die große Cézanne-Retrospektive des Salon d'Automne, nach deren Besuch er sich die charakteristische Ebenheit und Farbfülle des einflussreichen Künstlers aneignete und damit seine künstlerischen Anfänge im Bereich des Impressionismus ablöste. Auch auf Pablo Picasso und Georges Braque sollte die Retrospektive großen Einfluss haben, war sie doch ein bedeutender Schritt auf deren Weg zum Kubismus, der wiederum von Léger übernommen wurde. Léger führte dabei noch die Konzepte der Grundfarben und Kontraste ein - Farbtheorien, die für seine späteren großen Werke charakteristisch werden sollten.
Légers Werke waren geprägt von Rot-, Blau- und Gelbtönen, die sich zu Formen und Gesichtern zusammenfügten oder auflösten und so das große Chaos der Welt repräsentierten. Wie viele andere Künstler wurde auch Fernand Léger zum Militärdienst im Ersten Weltkrieg eingezogen. Nach einer Verwundung an der Front wurde er als Krankenträger eingesetzt. Die Schrecken des Krieges und der damit verbundene unaufhaltsame Fortschritt der Technik hatten großen Einfluss auf sein Werk, das häufig von röhrenförmigen Strukturen geprägt war, z.B. bei La Partie de Cartes (1917), sodass man hier eher vom "Tubismus" als vom Kubismus" sprechen sollte.

Nach dem Krieg beauftragte das Schwedische Ballett Léger mit der Kreation der Kostüme und Bühnenbilder für Skating Rink (1922) und La Création du Monde (1923). 1924 inszenierte er gemeinsam mit dem Regisseur Dudley Murphy, dem Komponisten George Antheil und dem Künstler Man Ray den futuristischen Film Le Ballet Méchanique.
Diese Inszenierung bedeutete einen Wendepunkt in seiner Karriere: Er wandte sich vom Kubismus ab und begann, die futuristische Idee zu erforschen und dynamische Formen in Bewegung darzustellen. Léger revolutionierte die Welt der Werbeplakate durch große, geometrische Oberflächen, innovative typografische Beschriftungen und die isolierte Präsentation der Objekte. 1928 lernte er die weißrussische Künstlerin Nadia Khodasevich kennen, die seine Geliebte und Assistentin wurde und fortan eine bedeutende Rolle in seiner Arbeit und seinem Leben spielte.

Die 1930er Jahre waren Jahre der internationalen Anerkennung. Fernand Légers Arbeiten wurden in bedeutenden Museen auf der ganzen Welt, darunter die Kunsthalle Zürich und das MoMA in New York, ausgestellt und er bereiste den gesamten Globus. Als 1936 die Volksfront in Frankreich entstand, wurde Léger mit seinem kommunistisch geprägten Hintergrund, ausgewählt, sechs übergroße Tafeln zu malen, die der Öffentlichkeit präsentiert werden sollten. Léger war begeistert, wollte er doch Kunst für alle Menschen schaffen. Nur eine dieser Tafeln, Le Transport des forces, ist erhalten geblieben und wird heute im Musée National Fernand Léger in Biot, Frankreich, ausgestellt.

Als die Nazis Frankreich besetzten, erklärten sie Léger zum entarteten Künstler, der daraufhin nach New York floh. Nadia Khodasevich blieb in Frankreich und stellte das Atelier in den Dienst der Kommunistischen Partei. Auf der anderen Seite des Atlantiks entwickelte Léger unterdessen seinen Stil weiter, indem er damit begann, Farbflächen über schwarze Konturen hinaus zu projizieren, wie es beispielsweise bei La grande parade (Le Cirque) von 1949 der Fall ist.

Fernand Léger kehrte 1945 nach Frankreich zurück und konzentrierte sich weiterhin darauf, Kunst für das Volk zu schaffen. Seine Arbeiten waren zu dieser Zeit weniger abstrakt und feierten thematisch die Arbeiterklasse. 1950 starb seine erste Frau Jeanne-Augustine Lohy, zwei Jahre später heiratete er Nadia Khodasevich. Die beiden zogen nach Gif-sur-Yvette südwestlich von Paris, wo sie u.a. Glasfenster für die Kirche Sacré-Cœur entwarfen. Léger experimentierte auch mit der monumentalen Skulptur, insbesondere mit seiner Serie La grande fleur qui marche. Eine dieser Blumen schmückt heute das Grab des 1955 verstorbenen Künstlers.

Fernand Léger hatte sich nicht nur stets selbst weiterentwickelt, sondern vermittelte sein Wissen auch an die nächste Künstlergeneration. Zu seinen Schülern gehörten Nicholas de Staël, Serge Gainsbourg, Louise Bourgeois und Sam Francis. In Frankreich gibt es drei Museen, die seiner Kunst gewidmet sind: in Biot, Lisores und Légers Geburtsstadt Argentan. Auf dem Auktionsmarkt werden Légers Werke hoch gehandelt, mit Contraste de formes von 1913 als aktuellen Spitzenreiter: Im November 2017 war es bei Christie's in New York für 70 Millionen US-Dollar verkauft worden.


