1963 erhielt der damals 75-jährige Designer Gerrit Rietveld vom Juwelier und Hoflieferanten Steltman den Auftrag, sein Geschäft in Den Haag neu zu gestalten. Teil der neuen Einrichtung war ein Paar geometrisch geformter Stühle aus Eichenholz mit weißen Kunstlederbezügen, die links und rechts vor dem Präsentationstresen ihren Platz fanden. Dieses Arrangement richtete sich vor allem an Brautpaare, die sich dort ihre Eheringe aussuchten, war jeder Stuhl doch das seitenverkehrte Pendant des jeweils anderen. Nach Rietvelds Tod im Jahr 1964 wurde der Steltman Chair nach seinen Entwürfen nachgebaut, entweder mit einem Bezug aus Leder oder Filz oder „naturbelassen“ aus Eichenholz mit mattweißer oder -schwarzer Lackierung.

Wie bereits erwähnt, waren die originalen Steltman Chairs einander spiegelnde Pendants mit der einzigen Armlehne entweder auf der rechten oder linken Seite. Im Münchener Auktionshaus Quittenbaum kommt am 5. Dezember eines der selteneren Exemplare mit der Armlehne auf der linken Seite zum Aufruf. Der weiß lackierte Stuhl ist eines der Highlights der Auktion „Schools of Design“, mit denen Quittenbaum um 15 Uhr seine Dezember-Auktionen eröffnet. Weitere Top-Lose stammen von Gunnar Aagaard Andersen, Henry van de Velde, Ingo Maurer, Gustav Gurschner und vielen anderen großen Namen der Designgeschichte.

Auch in der Auktion mit finnischen Design-Ikonen aus einer Privatsammlung, die am selben Tag um 18 Uhr stattfindet, muss zunächst auf ein Sitzmöbel hingewiesen werden. Dabei handelt es sich um den Armlehnsessel 41 aus gebogenem Birkenschichtholz, den Alvar Aalto 1932 für das Sanatorium in Paimio entwarf. Der ikonische Sessel liegt in der Auktion in einer frühen Ausführung der 1930er Jahre vor. Weitere Stühle von Aalto, die zum Aufruf kommen, sind u.a. der Armlehnsessel 42 sowie ein seltener Schaukelstuhl, den der Designer gemeinsam mit seiner Ehefrau Aino entwarf.
Des Weiteren kommen ikonische Sitzmöbel von Ilmari Tapiovaara (Pirkka) und Märta Blomstedt (Aulanko) zum Aufruf. Doch auch die Leuchten unter den rund 160 Losen des Katalogs haben viele Highlights zu bieten.

Hier ist vor allem Paavo Tynell zu nennen, der mit rund 30 Losen in der Auktion vertreten ist, wobei besonders auf eine unikale Deckenleuchte aus dem ehemaligen Besitz der Familie des Designers sowie eine weitere Deckenleuchte, die Tynell Anfang der 1950er Jahren für das UN-Gebäude in New York entwarf, hingewiesen werden muss. Dabei handelt es sich um eine typische Nachkriegsarbeit Tynells aus Messing, die mit ihren Perforationen ein Spiel aus Licht und Schatten erzeugt.
Weitere interessante Leuchten stammen von der Lichtdesignerin Lisa Johansson-Pape sowie von Tapio Wirkkala, der außerdem mit einer sternförmigen Schwebeskulptur vertreten ist, von der nur sieben Exemplare hergestellt wurden.

Der 6. Dezember ist ab 15 Uhr der Auktion „Moderne Kunst“ gewidmet, die in 137 Losen Gemälde, Grafik und Fotografie vom 19. bis 21. Jahrhundert vereint. Einige der älteren Werke, darunter ein Stillleben von Rudolf Levy, stammen aus der ehemaligen Sammlung Theodor Stoperans, der ab 1910 Geschäftsführer des Kunstsalons Paul Cassirer war. Im Bereich der Nachkriegskunst muss zunächst auf zwei spannende Werke der Objektkunst hingewiesen werden: 13 Stühle aus dem Happening Stuhlverweißung (1978) von Herbert Zangs sowie Galgenkasten/Therminus Vertikal (1971) von Karl Fred Dahmen.
Auch die Pop Art ist gut vertreten. Zum einen repräsentiert durch die Amerikaner Andy Warhol, James Rosenquist, Keith Haring, Roy Lichtenstein und Alex Katz, zum anderem durch den Briten Allen Jones, dessen 1981 ausgeführtes Gemälde Parable of Our Time II eines der Top-Lose der Offerte darstellt.
Der letzte Auktionstag, der 7. Dezember. ist voll und ganz dem Thema „Schmuck“ gewidmet. Zunächst um 15 Uhr mit „Autorenschmuck & und Künstlerschmuck“, bevor der Katalog „Schmuck, Juwelen & Accessoires“ um 17 Uhr die Auktionsreihe abschließt.

In der ersten Auktion sind vor allem Arbeiten von Hermann Jünger, Ebbe Weiss-Weingart, Jan Wehrens, Vivianna Torun Bülow-Hübe und Manfred Bischoff hervorzuheben. Von letzterem stammt das hochinteressante Ohrsteckerpaar Amore am Ohre von 1990, das Gold und Silber mit Porzellan und Knochen kombiniert. Ikonischer Künstlerschmuck stammt etwa von Georges Braque und Robert Indiana.

Die zweite Schmuckauktion umfasst fast 300 Lose mit traumhaften Stücken des 20. Jahrhunderts. Aus der Epoche des Jugendstils ist besonders auf drei bezaubernde Arbeiten des in Barcelona ansässigen Juweliers Lluís Masriera hinzuweisen. Des Weiteren umfasst die Auktion hochkarätige Edelsteine, die etwa einen traumhaften Saphirring, eine Kette mit tropfenförmigem Smaragdcabochon sowie einen Ring von Boucheron mit Brillant-Solitär von 4,18 ct zieren.
Günstiger zu haben, aber nicht weniger schön, sind die rund 30 Arbeiten des Modeschmuckdesigners Kenneth Jay Lane, der im Laufe seiner Karriere namhafte Damen wie Jackie Kennedy Onassis, Elizabeth Taylor oder Audrey Hepburn zu seinen Kundinnen zählte. Weiterer Modeschmuck stammt aus dem Nachlass der Kölner Sammlerin Lore Linnerz und wird für einen wohltätigen Zweck versteigert.
Die Auktionen finden im Auktionshaus Quittenbaum, Theresienstraße 60, in München statt. Vorbesichtigungen sind dort vom 30. November bis 4. Dezember möglich.
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