Georgia O'Keeffe und Juan Hamilton lernten sich im Jahr 1973 kennen, als Hamilton gemeinsam mit einem Freund für einen unangemeldeten Besuch auf O'Keeffes Anwesen in New Mexico auftauchten. O'Keeffe, die sehr zurückgezogen lebte, liebte solche Überraschungen gar nicht und schickte die beiden wieder fort. Einige Monate später wagte Hamilton, der sich im Bereich Keramik künstlerisch betätigte, einen neuen Versuch und stieß bei der angesehenen Künstlerin, die er bewunderte, nun auf größeres Wohlwollen. Georgia O'Keeffe war damals 85, Juan Hamilton 27 Jahre alt.

Georgia O'Keeffe, die seit einiger Zeit mit einem Augenleiden zu kämpfen hatte, übertrug Hamilton zunächst kleinere Gelegenheitsarbeiten auf ihrer Ranch. Mit der Zeit verbrachte Hamilton jeden Tag dort und wurde zum Assistenten und Vertrauten der Künstlerin. Und er half ihr, sich im hohen Alter noch einmal an eine neue Kunstform heranzuwagen: Töpferei.
Die Beschäftigung mit Ton bedeutete für die visuell stark eingeschränkte Künstlerin eine neue Ausdrucksform ihrer Kreativität, bei der das Erfühlen und die Ausformung des Materials mit den Händen im Vordergrund standen.

Hamilton blieb 13 Jahre lang an Georgia O'Keeffes Seite und unterstützte sie, wo er nur konnte. Und das tat sie auch für ihn, nutze sie doch ihre Kontakte in New York, um ihm dort Ausstellungen zu verschaffen. Nach dem Tod O'Keeffes im Alter von 98 Jahren, erbte Hamilton einen großen Teil ihrer Kunstsammlung und ihres persönlichen Besitzes, wovon er eine Auswahl dem Georgia O'Keeffe Museum in Santa Fe stiftete. "Es war ein wahres Privileg, über viele Jahre mit diesen Stücken leben und sie bewahren zu dürfen. Doch nun ist es an der Zeit anderen die Möglichkeit zu geben, sich an diesen Schätzen zu erfreuen und von ihnen zu lernen. Ich hoffe, sie werden einen neue Generation der Bewunderer und Sammler von O'Keeffe, Stieglitz und deren unnachahmlichen Kreis inspirieren, so wie sie mich lange Zeit inspiriert haben", äußerte sich Hamilton.

Die Auktion Alfred Stieglitz, Georgia O’Keeffe, Juan Hamilton: Passage, die Sotheby's am 5. März, dem Vortag des 34. Todestages der Künstlerin, in New York abhalten wird, umfasst 107 Lose mit Arbeiten von Georgia O'Keefe, darunter noch nie angebotene und unbekannte keramische Werke, von Alfred Stieglitz, Juan Hamilton und weiteren Künstlern aus dem Umkreis.

Als ein Schlüsselobjekt könnte man wohl eine Fotografie bezeichnen, die Alfred Stieglitz 1933 machte: Georgia O'Keeffe - Hand and Wheel. Zum einen widerspiegelt es Alfred Stieglitz' Obsession von den Händen seiner Ehefrau, die er in den zahlreichen Fotografien, die er von ihr schoss, immer wieder in den Fokus stellte. Zum anderen wird die von O'Keeffe gesuchte Unabhängigkeit deutlich, die sie in jenem Jahr, nachdem sie sich von einem Nervenzusammenbruch erholte, durch immer längere Aufenthalte in New Mexico erreichte.

Trotz der räumlichen Trennung blieben die Eheleute O'Keeffe-Stieglitz einander eng verbunden, zur Scheidung kam es nie und der Tod Stieglitz' im Jahr 1946 traf die Künstlerin schwer.

Neben Kunstwerken werden auch persönliche Objekte wie Manuskripte, Bücher und Kleidungsstücke aufgerufen. Ein sehr persönliches Stück O'Keefes ist hier bei eine Nachbildung der ikonischen Initialen-Brosche OK, die sie in den 1930er Jahren von Alexander Calder erhalten hatte und von diesem aus Messing angefertigt worden war.

Als sich die Haare der Künstlerin mit zunehmendem Alter grau zu färben begannen, hielt sie den Farbton des Messings für nicht mehr passend. Da die Brosche jedoch ihr liebstes Schmuckstück war, ließ sie sich auf einer Indienreise im Jahr 1959 eine Kopie aus Silber anfertigen, die sie fortan trug und die nun Teil dieser großartigen Offerte ist.
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