In seiner kommenden Auktion am 25. April versteigert das Münchener Auktionshaus Rütten 422 Lose in insgesamt 16 Kategorie, die von Kunst über Möbel und Kunsthandwerk bis zu Uhren und Schmuck reichen. Über viele dieser Kategorien verteilen sich die 170 Objekte des Katalogs, die aus dem Inventar eines niederbayrischen Schlosses stammen. Ihr einstiger Besitzer scheint eine gewisse Affinität zu Napoleon Bonaparte und dessen Zeit gehabt zu haben, denn viele Stücke entsprechen dem Stil des französischen Empire oder beziehen sich direkt auf den bedeutenden Mann, der vom Soldaten zum Kaiser wurde.

Den ruhmreichen Feldherrn und Kaiser Napoleon im Stil des antiken Roms stellt eine Büste aus Carraramarmor dar, die aus dem frühen 19. Jahrhundert stammt, also wohl zu Lebzeiten Napoleons (1769-1821) entstand. Die Pfeiler-Säule aus Mahagoni ist hingegen 100 Jahre jünger, greift jedoch den klassizistischen Stil der napoleonischen Ära auf.

Eines der Ereignisse des noch jungen Napoleon war dessen Überquerung der Alpen mitsamt Armee, um gegen die Österreicher in Italien zu kämpfen. Künstlerische umgesetzt wurde es von Jacques-Louis David, der von der Alpenüberquerung fünf Versionen schuf. In der Auktion kommt eine große (Höhe ca. 63 cm) Reiterplastik aus gefasstem Porzellan zum Aufruf, die aus dem 20. Jahrhundert stammt.

Der Kunststil, der während Napoleons Herrschaft en vogue war, war der Klassizismus bzw. mit dem Empire die Weiterentwicklung desselben. Hierbei setzte man auf eine antikisierende Formgebung mit giebelförmigen Abschlüssen oder Voluten, was beides bei diesem Paar Armlehnsessel aus massivem Mahagoni zum Einsatz kam.

Ebenfalls aus massivem Mahagoni gefertigt wurden eine Konsole aus dem 20. Jahrhundert und ein Salontisch aus der Zeit um 1800. Beide zeigen weitere beliebte Verzierungselemente des Empire: Sphinxen und Greife.

Links im Bild zu sehen: Napoleons zweite Gemahlin Marie-Louise von Österreich und deren 1811 geborener Sohn, der von seinem Vater den Titel "König von Rom" erhalten hatte. Beide haben es sich auf einem rotgepolsterten Sofa mit goldenen Stickereien gemütlich gemacht. Ganz ähnlich gestaltet wurde eine fünfteilige Sitzgarnitur, die ebenfalls Teil der Offerte ist und tatsächlich aus dem ehemaligen Besitz eines Mitglieds der Familie Napoleons stammt: Napoleons Stiefsohn aus erster Ehe. Eugène de Beauharnais. Dieser war mit Prinzessin Auguste von Bayern verheiratet worden und erhielt nach Napoleons Sturz von seinem Schwiegervater den Titel eines Herzogs von Leuchtenberg. Bei seinem Umzug nach München nahm er die Möbel mit.

Passend zu der Garnitur kommen auch ein Paar Armlehnstühle und ein Paar Hocker aus dem 19. Jahrhundert in der Auktion zum Aufruf.

Auch seine Lieblingsschwester Pauline verheiratete Napoleon prestigeträchtig, nämlich mit dem römischen Fürsten Camillo Borghese. Pauline galt als schönste der drei Bonaparte-Schwestern und erregte vor allem mit ihren Affären und der berühmten Statue von Antonio Canova für Aufsehen. Von Eitelkeit nicht frei dürfte Pauline viele Stunden im Ankleidezimmer vor ihrer "Psyche" zugebracht haben, einem Möbelstück mit schwenkbarem Spiegel, das zu Beginn des 19. Jahrhunderts erfunden worden war. Aus dieser Zeit stammt auch das vorliegende Exemplar.

Napoleons Offiziere boten immer einen glänzenden Anblick, wie auch das vorliegende Portrait eines napoleonischen Generals, 1822 gemalt vom französischen Künstler Bernard Biget. Immer noch eins drauf setzen musste allerdings Joachim Murat, der mit Napoleons jüngster Schwester Caroline verheiratet war und es bis zum Marschall von Frankreich und schließlich König von Neapel brachte. Ihm konnte es nicht pracht- und fantasievoll genug sein.

Zum Abschluss sei noch auf zwei Tisch- bzw. Kaminuhren aus der Zeit Napoleons hingewiesen. Eine Säulenuhr mit Figurenautomat "Schmied und Schleifer" wurde um 1810 in Österreich ausgeführt. Fünf bis zehn Jahre jünger ist eine feuervergoldete Pendule mit Venus und Amor, die aus französischer Herstellung stammt.
Die Auktion beginnt am 25. April um 13 Uhr. Live mitbieten können Sie kostenlos am Auktionstag via Internet. Vorbesichtigungen im Auktionshaus Rütten, Nymphenburger Straße 133 in München, sind vom 20.-23. April sowie am 25. April unter Beachtung aller öffentlichen Beschränkungen und Auflagen möglich.
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