In der kommenden Classic Week des Dorotheums in Wien stehen Kunstschätze vergangener Zeiten im Mittelpunkt. Vom 8. bis 10. November werden Werke Alter Meister sowie Gemälde des 19. Jahrhunderts in zwei Saalauktionen und einer Onlineauktion präsentiert.

Mit dem höchsten Schätzpreis der Gesamtofferte kommt in der Auktion "Alte Meister I", die am 9. November um 17 Uhr stattfindet, das in Tempera und Gold auf Holz ausgeführte Werk Der Triumph des Konsuls Lucius Aemilius Paulus des Florentiner Renaissancemalers Apollonio di Giovanni zum Aufruf. Das 39,5 x 155,7 cm Werk ursprünglich Teil eines Cassone, einer hölzernen Truhe, die sich als Aussteuertruhe vom 14. bis 17. Jahrhundert vor allem in Florenz großer Beliebtheit erfreute. Apollonio di Giovanni war ein Spezialist für die Bemalung dieser Truhen, die meist mythologische, religiöse oder literarische Szenen zierten. Die Darstellungen von Triumphzügen, wie im vorliegenden Fall, waren besonders beliebt, vermutlich weil die Cassoni ebenfalls in einem feierlichen Zug zum Haus der Frischvermählten getragen wurden.

Ein weiteres Highlight der Offerte stammt von dem in der Lombardei geborenen Maler Ambrosius Benson, der den Großteil seines Lebens jedoch in Brügge verbrachte, wo er Mitglied der Malerzunft war und eine eigene Werkstatt leitete. Im Dorotheum liegt eine Darstellung Maria Magdalenas vor, die Benson auf dem Höhepunkt seines Schaffens um 1530 zeigt.
Die Darstellung der Heiligen Magdalena ist wiederholt in Bensons Œuvre anzutreffen, aufgeteilt in zwei Gruppen: die lesende Magdalena und die ein goldenes Parfümgefäß öffnende Magdalena. Das hier vorliegende Gemälde gehört der zweiten Gruppe an und zeigt die Heilige als Verführerin, gekleidet in den kostbaren Gewändern der damaligen niederländischen Elite.
Unter den altmeisterlichen Gemälden ebenfalls hervorzuheben ist die folgende Darstellung des römischen Meeresgottes Neptun, ausgeführt vom italienischen Barockmaler Giovanni Francesco Barbieri.

Barbieri, genannt Il Guercino („der Schieler“, was seinem Können jedoch keinen Abbruch tat) zeigt den Herrscher über die Meere als alten Mann, der jedoch nicht an Kraft eingebüßt hat, und dabei ist, einen seiner „Untertanen“ mit seinem Dreizack in die Schranken zu weisen. Das Gemälde entstammt vermutlich dem Spätwerk Guercinos um 1650 und wurde von ihm wohl in Zusammenarbeit mit seinem Neffen und Assistenten Benedetto Gennari ausgeführt.
Die Saalauktion mit Werken Alter Meister wird am 10. November durch die Onlineauktion "Alte Meister II" ergänzt. Bereits am 8. November um 17 Uhr kommen die knapp 200 Lose des Katalogs "Gemälde des 19. Jahrhunderts" im Dorotheum unter den Hammer. Zu den Highlights gehören hier drei Werke, für die ihre Schöpfer an die Küsten Italiens gereist sind.

Hier sei zunächst auf ein Porträt hingewiesen, das der in Triest populäre Maler Giuseppe Tominz von dem dort ansässigen Speditionsunternehmer Paolo Preinitsch gemalt hat. Das Bildnis zeigt den vermutlich etwa 60-jährigen Preinitsch in einer Pose, die Jugendlichkeit aber auch Selbstbewusstsein ausdrückt – den Spitznamen Napoleone delle Strade („Napoleon der Straßen“) wird Preinitsch nicht ohne Grund erhalten haben. Während der Vordergrund des Gemäldes vom Dargestellten beherrscht wird, zeigt der Hintergrund den Hafen von Triest sowie sich bergan windende Straßen mit Pferdewagen, was als eine Anspielung auf Paolo Preinitschs Unternehmen gedeutet werden kann.

Weitaus romantischer geht es in Carl Gustav Carus’ Gemälde Italienische Fischer im Hafen von Neapel von 1828/29 zu. Carus, der eigentlich ein renommierter Arzt war, interessierte sich seit seiner Jugend für die Malerei. Er war sowohl mit Johann Wolfgang von Goethe und Caspar David Friedrich bekannt, wobei Letzterer großen Einfluss auf Carus’ künstlerisches Schaffen hatte.

Siebzig Jahre später malte der österreichische Landschaftsmaler Alfred Zoff, der wie Carl Gustav Carus Medizin studiert hatte, die von Wellen umtoste Küste bei Boccadasse, das heute ein Stadtteil von Genua ist. Der in Wien ausgebildete Zoff malte zunächst im Stil des Realismus, gab diesen nach einem Aufenthalt an der Großherzoglichen Kunstschule in Karlsruhe zugunsten einer vom Impressionismus beeinflussten, lockereren Malweise nach und nach auf. Ab den späten 1870er Jahren wurden Seestücke zudem zu seinem bevorzugten Sujet. Beide Entwicklungen werden durch das vorliegende Werk widergespiegelt.
Die Classic Week findet vom 8.-10. November im Palais Dorotheum, Dorotheergasse 17, in Wien statt. Die Ausstellung ist dort ab dem 22. Oktober geöffnet.
