Mit zwei Mitarbeiterinnen eröffnete Philippe Schuler im Herbst 1984 sein Auktionshaus in Zürich. Heute ist das Team deutlich größer und eine etablierte Instanz auf dem internationalen und lokalen Kunstmarkt. Anlässlich seines 40-jährigen Bestehens präsentiert Schuler Auktionen diesen Monat seine Jubiläumsauktion, in der mehr als 3.000 ausgewählte Lose in unterschiedlichen Kategorien zum Aufruf kommen.
Nachdem am ersten Auktionstag, dem 13. September, auf Teppiche und Textilien mitgeboten werden darf (zu beachten ist hier vor allem ein seltener antiker Täbris), geht es am 16. September weiter mit der Kategorie „Tischkultur“, aus der wir Ihnen nun das erste von insgesamt sechs Losen der spannenden Offerte vorstellen möchten.

Anfang 1918 feierte das bayerische Königspaar Ludwig III. und Marie Therese ebenfalls ein Jubiläum, nämlich das goldene seiner Ehe, aus der eine große Kinderschar entsprungen war. Diese machte ihren Eltern mit einem besonderen Tafelservice ein ganz wunderbares Geschenk zum Jubeltag. Das Service entstammte natürlich der Königlichen Porzellanmanufaktur Nymphenburg und basierte auf der Form Perl mit ihren zwölfeckigen Tellern, mit denen Dominik Auliczek 1792-95 das Tafelgeschirr revolutioniert hatte. Etwas derartig Exklusives war natürlich zunächst ausschließlich der Verwendung bei Hofe vorbehalten. Erst seit der Weltausstellung von 1900 kann Perl von jedermann erworben werden. Für das Service zur Goldenen Hochzeit wurde Perl mit einem besonderen Dekor kombiniert, das bayerische Burgen und Schlösser, Städte und Landschaften in Camaieu-Malerei zeigt – die Geburtsstunde des Bayerischen Königsservices. Bei Schuler wird ein Set aus 40 Teilen angeboten, das eine große, runde Schale, einen Korb mit Durchbruchdekor, sieben Tassen mit Untertassen sowie 24 flache, vertiefte Teller umfasst.

Nach Highlights aus Jugendstil und Art déco (darunter die ikonische Tischleuchte La Danse, la Loïe Fuller) können die Miniaturen und Objets de vertu mit jeder Menge kostbarer Kleinode aufwarten. Ganz besonders hervorzuheben ist hier eine Golddose mit Emaillemalerei, die um 1830 bei Charles Colins & Söhne in Hanau angefertigt wurde. Den Deckel ziert eine pastorale Szene, gemalt von Johann Daniel Berneaud, der in Hanau für verschiedene Goldschmiede arbeitete. Umrandet ist das Emaillebild von einem diamantbesetzten Rahmen.
Im weiteren Verlauf hat der zweite Auktionstag Silber, Kunsthandwerk, Ikonen und historische Waffen im Angebot und präsentiert unter anderem kostbare Judaica, eine spätgotische Hl. Anna Selbdritt-Gruppe aus Holz sowie eine kulturgeschichtlich bedeutende Berner Jagd-Armbrust aus dem 16. Jahrhundert.

Am Dienstag, den 17. September, geht es weiter mit Asiatica. Genauso wie ein chinesischer Doucai-Teller und ein Inro von einem Mitglied der Kajikawa-Familie (beides aus der Privatsammlung der Bankierin Suzanne Henriette Marguerite Braley, die bis in die 1960er Jahre in Shanghai lebte), wartet auch der überlebensgroße Stucco-Kopf eines Buddhas aus dem 2./3. Jahrhundert auf Gebote. Der Kopf des Erwachten stammt aus Gandhara, jenem Gebiet im heutigen Pakistan, in dem sich einst die vom Heer Alexanders des Großen eingeführte griechische Kunst mit der frühbuddhistischen Kunst vermischte, was der Kopf widerspiegelt.

In der Schmuckofferte zählt das seltene Vintage-Armband Chaîne d’Ancre Tressée aus Gelbgold zu den Highlights. Angefertigt wurde es in den 1960er Jahren für Hermès vom renommierten Schmuckdesigner Georges L’Enfant, der auch für andere große Namen wie Cartier, Van Cleef & Arpels, Bulgari und René Boivin arbeitete.

Vintage von Hermès ist mit einer Kelly Bag aus Leder und Canvas auch in der Kategorie „Accessoires de mode“ zu finden, die den Tag abschließt. Zuvor darf aber auch noch auf Taschen- und Armbanduhren mitgeboten werden, unter denen eine Portofino Mondphase von IWC mit der ersten Referenz des Modells besonders hervorzuheben ist.

Der 18. September, der letzte Auktionstag, ist zunächst der Kunst gewidmet. Bevor es international wird, werden speziell die Werke von Schweizer Kunstschaffenden aufgerufen. Zu den Highlights zählen hier ein außergewöhnlicher, beidseitig bemalter Paravent von Heinrich Herzig aus dem Jahr 1927, den der Vater der heutigen Besitzerin direkt beim Künstler erworben hat, sowie das Gemälde Bouquet d'arbres au soleil couchant des Landschaftsmalers Alexandre Calame. Das Werk von 1842 befand sich laut Etikett einst im Besitz der Emilie von Waldenburg, einer unehelichen Tochter des Prinzen August von Preußen.
Nach der internationalen Kunstofferte mit Werken von Guido Reni und Emil Cimiotti, darf abschließend auf Vintage Design, Wein, Whisky und Spirituosen sowie Möbel Spiegel und Leuchter mitgeboten werden. Interessant sind hier eine kleine Sammlung von Grappa Levi sowie eine Kommode des in Paris ansässigen Ebenisten Martin Ohneberg von ca. 1775.
Beachten Sie auch die ebenfalls vielfältig bestückte Onlineauktion, die bereits am 12. September stattfindet.
Die Saalauktionen finden am 13. sowie vom 16. bis 18. September im Auktionshaus Schuler, Seestrasse 341, in Zürich statt. Vorbesichtigungen sind dort vom 6. bis 10. September möglich.

