Als am 17. September 2024 der Verleger, Sammler und Mäzen Christoph Müller seine Augen für immer schloss, verlor die deutsche Kunstwelt einen ihrer engagiertesten Förderer.
Christoph Müller war 1938 in Stuttgart zur Welt gekommen, als Sohn des Miteigentümers und Chefredakteurs des Schwäbischen Tagblatts, Ernst Müller, in dessen Fußstapfen er 1969 trat und die Geschicke der Zeitung die nächsten 35 Jahre leitete.
Neben seiner publizistischen Tätigkeit war Müller ein leidenschaftlicher Kunstsammler und -förderer, der über Jahrzehnte hinweg eine bedeutende Sammlung von Gemälden und Grafik aufbaute, die Alte Meister genauso umfasst wie zeitgenössische Werke. Neben seinem Kennerblick war Großzügigkeit dabei eine seiner hervorstechendsten Eigenschaften, denn zu mehreren Gelegenheiten trennte er sich zugunsten verschiedener Museen von Teilen seiner Sammlung: 2007 schenkte Müller dem Kupferstichkabinett Berlin über 300 altmeisterliche Zeichnungen und grafische Arbeiten, 2013 durfte sich das Staatliche Museum Schwerin über 155 Gemälde niederländischer und flämischer Meister des 16.-18. Jahrhunderts freuen und 2016 über 375 Werke dänischer Künstler des 19. und 20. Jahrhunderts, die als Dauerleihgaben dem Pommerschen Landesmuseum in Greifswald überlassen wurden. Hinzu kommen Ankäufe, die Müller im Auftrag von Museen, denen die nötigen Mittel fehlten, tätigte.
Mit dem Tod Christoph Müllers ist dessen Engagement aber noch nicht beendet. Genau zwei Jahre später, am 17. September 2026, wurde auf der Website christophmueller.museum eine ganz besonderes Projekt freigeschaltet: 1500 Kunstwerke aus seiner Sammlung werden verschenkt. Wer sich dafür interessiert, kann sein Interesse auf dem zur Verfügung gestellten Kontaktformular bekunden. Einzige Voraussetzung: man muss ein öffentliches Museum vertreten. Wer also nun gehofft hatte, sein heimisches Wohnzimmer mit Gratis-Kunst verschönern zu können, wird leider enttäuscht.
Von Achenbach bis Zille umfasst die Sammlung viele namhafte Künstler, darunter Carl Blechen, Hans Baldung, Charles-François Daubigny, Adolf von Menzel, Theodore Rousseau, Daniel Chodowiecki, Carl Frederik Aagaard und Edmund Kesting.
Die Bewerbung für die Kunstwerke läuft noch bis Jahresende, 2027 erfolgt die Verteilung. Weitere Projekte scheinen geplant zu sein, wie auf der Website angekündigt wird.
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