Die enge Beziehung, die René und Georgette Magritte zu Jackie und all ihren anderen Hunden pflegten, war allgemein bekannt. Im Dezember 1965 unternahm der Künstler anlässlich seiner Retrospektive im MoMA seine erste und einzige Reise in die Vereinigten Staaten. Sein obersten Anliegen war dabei, ob ihn sein damaliger Hund im Flugzeug und ins Hotel würde begleiten dürfen. Dieser Hund hieß Loulou.
Im Laufe seiner 64 Jahre andauernden Ehe besaß das Ehepaar Magritte, das keine Kinder hatte, nacheinander vier Spitze: Loulou, dann zwei, die Jackie hießen, und schließlich wieder ein Loulou.

Le Civilisateur, ein Ölgemälde von 1944, ist ein Portrait von Jackie, dem dritten Spitz des Ehepaares Magritte. Am 12. Dezember wird das Werk bei Wannenes mit einem Schätzpreis von 800.000 - 1,2 Millionen Euro zum Aufruf kommen. Xavier Canonne, Mitglied des Fachausschusses der Fondation Magritte in Brüssel, beschreibt die Arbeit wie folgt:
Das Brustbild von Jackie inmitten einer Landschaft mit dorischem Tempel, der den Betrachter aus seinen kleinen schwarzen Augen anstarrt, in deren Blick ein strenges Urteil über den mörderischen Wahnsinn der Menschen in den letzten Kriegsjahren liegt. Der Hund in dem Gemälde verfügt eher über die Aura eines Kaisers denn der eines Wächters, eine historische Figur, die vor einem unveränderlichen Dekor platziert ist, die das vergängliche Leben des Hundes der Beständigkeit des Gebäudes gegenüberstellt sowie dem rosa Licht der Morgendämmerung und der Makellosigkeit des weißen Fells.
Wie es auch auf andere Elemente zutrifft, war auch der Hund ein wiederkehrendes Motiv im plastischen Vokabular des Malers und taute in dessen Werken immer wieder auf. Le Civilisateur ist weit mehr als ein Gemälde, das die damaligen Umstände reflektierte. Es hat diese besondere impressionistische Note aller Werke seiner "Sonnenperiode" oder, wie er sie selbst bezeichnet, "Renoir-Periode". 1943, als der Zweite Weltkrieg in vollem Gange war und das besetzte Belgien seine dunkelsten Stunden erlebte, beschloss René Magritte, sich dem Impressionismus anzunähern. Nachdem er ein Buch darüber gelesen hatte, verliebte er sich in Renoirs warme Töne und interpretierte einige von dessen Gemälden wie Les grandes baigneuses neu. Magritte entfloh auf diese Weise der Dunkelheit des Alltags, wandte sich ernsteren Themen zu und setzte seine bildlichen Untersuchungen fort.

Das Thema des in jeder Hinsicht humanisierten Tieres prägte Magritte Vorstellungskraft ab dem Jahr 1944: Die Pferdebüste Le Météore, das Schwein, das sich in La Bonne fortune (1945) dem Betrachter zuwendet oder die Pfeife rauchende Eule in La Somnambule (1946). In einem Brief vom Juni 1944, dem eine Skizze beilag, vertraute sich Magritte seinem Freund, dem belgischen Schriftsteller und surrealistischen Fotografen, Marcel Mariën, an: "Ich denke, es ist merkwürdig, die menschliche [...] Figur durch ein Tier ersetzt zu sehen, das ein besseres Leben vorzuschlagen scheint (reales Leben, anders als das, das Staatsmänner errichten)."
Nur zwei Monate nach der Vollendung des vorliegenden Gemäldes malte Magritte eine zweite Version von Le Civilisateur, wieder ein Ölgemälde, das seinen Hund dieses Mal jedoch im Profil vor einer leuchtenden Landschaft zeigt. Diese zweite Interpretation war der Auftakt zur Aufgabe des rechteckigen Formats zugunsten der Vignette-Form, die Magritte verwendete, um sein Konzept und die künstlerische Wirkung dieser Bilder zu verstärken.

Nur zwei Monate später, im August 1944, produzierte Magritte eine zweite Version von Le Civilisateur, ein Öl, in dem sein Hund vor einer hellen Landschaft im Profil gezeigt wurde.
Die erste Version von Le Civilisateur, die 1944 in einer wichtigen Periode in Magrittes Leben und Karriere entstand, wird am 12. Dezember bei Wannenes versteigert. Das in einer italienischen Privatsammlung wiederentdeckte Gemälde ist ein bislang unveröffentlichtes Werk, dessen Spuren sich in den 1970er Jahren verloren hatten. Dem Gemälde liegt der Briefwechsel zwischen Magritte und dem Besitzer von 1965 bei, in dem auch die Echtheit bestätigt wird. Guido Wannenes, CEO des Auktionshauses, sagt:
Wir sind stolz darauf, ein so außergewöhnliches Werk wie Le Civilisateur von Magritte auf dem Markt anbieten zu dürfen, denn dadurch wird bestätigt, dass Italien ein Ort sein kann und muss, an dem die besten Meisterwerke der Kunst gehandelt werden.
Neben dem Gemälde Magrittes beinhaltet der Katalog der Auktion mit Moderner & Zeitgenössischer Kunst von Wannenes auch andere große Namen, wie Fernand Léger, der mit seiner Composition à la pipe, die 1928 während seiner Zusammenarbeit mit Le Corbusier und Piet Mondrian entstanden war, vertreten ist. Ebenfalls mit dabei sind Giorgio De Chirico mit Bagnanti von 1946, was der "barocken" Phase des Künstlers entspricht, sowie Carol Rama mit Studio n. 9, einer Mischtechnik aus Kleber und taxidermischem Auge auf Pappe.
Weitere Künstler der Auktion sind Alberto Burri, Vincenzo Agnetti, Carla Accardi und Robert Rauschenberg. Die Auktion findet am 12. Dezember um 19.00 Uhr in der Via Cornaggia 8 in Mailand statt. Die Ausstellung zur Auktion kann vom 9.-11. Dezember im Palazzo Recalcati in der Via Amedei 8 besucht werden.
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