"Erschrecken Sie nicht", warnte 1917 Max Schwimmer seinen Zeichenlehrer Otto Junghans, als er ihm mitteilte, sich künstlerisch dem Expressionismus zugewandt zu haben. Aus jenem Jahr stammt auch das mit Ölfarben auf Karton gemalte Werk Zurückgezogen. Auf den ersten Blick zeigt das Gemälde zwei Personen nebst einem Rind in der Einsamkeit einer Berglandschaft. Hintergründig brachte Schwimmer darin die Ohnmacht der Menschen angesichts des damals tobenden Ersten Weltkriegs und deren Sehnsucht nach Frieden zum Ausdruck.

Das bedeutende Frühwerk Max Schwimmers wird am 27. Juli in einer vom Auktionshaus Satow in Kühlungsborn präsentierten versteigert und ist natürlich nicht das einzige großartige Werk, auf das sich Kunstfreunde in dieser Sommerauktion freuen dürfen. Hochinteressant ist auch Selbstbildnis mit Modell, das der Berliner Maler Wilhelm Kohlhoff 1930 ausführte. Für ein anderes Selbstportrait hatte Kohlhoff elf Jahre zuvor den Große Preußischen Staatspreis erhalten.

Zwei weitere schöne Arbeiten stammen von gleich zwei Elisabeths, die an der Ostsee tätig waren: Elisabeth von Eicken und Elisabeth Büchsel.

Elisabeth von Eicken gehörte ab 1894 der Künstlerkolonie Ahrenshoop an, wo sie Landschaften im Stil der Schule von Barbizon malte. Elisabeth Büchsel entdeckte 1904 die Ostseeinsel Hiddensee für sich, wo sie sich zwanzig Jahre später dem Künstlerinnenbund anschloss.

Auch Max Liebermann ließ sich von der Schönheit einer Küstenregion inspirieren. Bei ihm war es jedoch die Nordseeküste der Niederlande. Dort hielt er auch die arbeitende Bevölkerung fest.

In der Kühlungsborner Auktion ist er mit der Radierung Netzflickerinnen vertreten, mit der er an Sujets wie Die Gänserupferinnen, Kartoffelernte in Barbizon und Flachsscheuer in Laren anknüpfte.

Eine weitere interessante Radierung der Auktion ist Nächtliche Überfahrt von Karl Hofer. Die Arbeit Endstand 1899 und damit dem frühesten Frühwerk des bedeutenden Expressionisten zuzuordnen.

Die "Schattenseiten" eines Aufenthaltes an der Küste zeigt der Genueser Bildhauer Demetrio Paernio in seiner Bronze Knabe, der von einer Krabbe gezwickt wurde. Die Arbeit entstand 1892 als Paernio noch dem Neoklassizismus verbunden war, bevor er sich wenige Jahre später dem Symbolismus zuwandte.

Ein schönes Stück aus der Schmuckofferte der Auktion ist dieser Gelbgoldring von ca. 1930, der mit zwei Brillanten von jeweils 0,55 ct sowie 12 kleineren Brillanten von zusammen 1,35 ct besetzt ist.
In der Porzellanofferte wird die Frage beantwortet, wie Parfumflakons aussahen, bevor ihnen René Lalique im frühen 20. Jahrhundert einen neuen Look verpasste. Das vorliegende Beispiel mit Silbermontur wurde mit Miniaturen im Stil des Neorokoko verziert.

Unter den Silberobjekten begeistert ein seltener Augsburger Deckelhumpen von 1689. Solanier war einer der bedeutendsten Augsburger Silberschmiede im 17. Jahrhundert. Auch in der Sammlung des Metropolitan Museum of Art ist eine Arbeit Solaniers vertreten.
Sehen Sie zum Schluss noch zwei schöne Beispiele für die herausragende Kunst der Ebenisten des 18. Jahrhunderts. Zum einen ein aufwändig intarsierter Aufsatzschrank aus Nussbaum und Edelhölzern, der um 1740 in Mainfranken entstanden ist.

Zum anderen ein ebenfalls aus Nussbaum gefertigter Sekretär aus dem Braunschweiger Raum. Als Zierde einen hier gerahmte Furnierender mit Darstellungen berittener Edelleute sowie Rocaille-Applikationen im Stil der Zeit.
Die Auktion mit insgesamt 790 Losen findet am 27. Juli um 11 Uhr in der Galerie am Park, Dünenstraße 6 in Kühlungsborn statt.



