Neuentdeckungen und starke Frauen in der Auktionswoche des Dorotheums

Frauen dominieren die Auktionswoche, die Ende Oktober im Wiener Dorotheum stattfinden wird - sowohl auf als auch hinter der Leinwand. Denn es ist vor allem das neuentdeckte Werk einer bedeutenden Barockmalerin, dessen Versteigerung mit Spannung erwartet wird.

Neuentdeckungen und starke Frauen in der Auktionswoche des Dorotheums

Auf vier Auktionen der Spitzenklasse dürfen sich Kunstfreunde und -sammler in der kommenden Auktionswoche freuen, die das Wiener Dorotheum vom 23.-25. Oktober abhält. Gemälde Alter Meister und des 19. Jahrhunderts, Juwelen und Antiquitäten von wie gewohnt höchster Qualität warten darauf, ersteigert zu werden.

Die Versteigerung von Werken Alter Meister, mit der die Auktionswoche am 23. Oktober startet, darf sich rühmen, gleich zwei außergewöhnliche Neuentdeckungen zu präsentieren. Das erste stammt von der bedeutenden Barockmalerin Artemisia Gentileschi, die an und für sich bereits eine Wiederentdeckung der letzten Jahre ist und sich über eine zunehmende Popularität freuen darf. In der Auktion des Dorotheums kommt mit Lucretia ein Werk Gentileschis zum Aufruf, das bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal in der Öffentlichkeit zu sehen sein wird, da es sich seit seiner Entstehung um 1640/45 in neapolitanischem Privatbesitz befunden hat.

ARTEMISIA GENTILESCHI (1593 Rom - 1654 Neapel) - Lucretia, Öl/Lwd.
ARTEMISIA GENTILESCHI (1593 Rom - 1654 Neapel) - Lucretia, Öl/Lwd.

Die kampanische Metropole war auch der Entstehungsort des Gemäldes. Artemisia Gentileschi lebte ab den späten 1630er Jahren erneut in Neapel, konnte dort an frühere Erfolge in Rom und Florenz anknüpfen und war ein angesehenes Mitglied der dortigen Künstlerszene um Massimo Stanzione.

Das vorliegende Werk kann als typisches Beispiel für das Œuvre Gentileschis angesehen werden, in dem tapfere und dynamische Frauen, wie Judith, Susanna und eben auch Lucretia den Ton angeben.

Das Motiv der nach einer Vergewaltigung den Freitod wählenden Lucretia, deren Schicksal Teil des römischen Gründungsmythos ist, ist ein weiteres Mal in der Auktion vertreten. Wieder ist es eine Künstlerin aus Neapel, die den Moment des selbst gewählten Todes mit Farbe und Pinsel festgehalten hat: Diana de Rosa, auch bekannt als Allenna di Massimo, die ebenfalls dem Umkreis Stanziones angehörte und mit Artemisia Gentileschi bekannt gewesen sein dürfte.

DIANA DE ROSA gen. ANNELLA DI MASSIMO (1601 Neapel 1634) - Lucretia, Öl/Lwd., Öl/Lwd.
DIANA DE ROSA gen. ANNELLA DI MASSIMO (1601 Neapel 1634) - Lucretia, Öl/Lwd., Öl/Lwd.

Während das Motiv der sich selbst richtenden Lucretia für Artemisia Genitleschi, wie viele ihrer Werke, als eine Art Vergangenheitsbewältigung nach der am eigenen Leibe erfahrenen Vergewaltigung in jungen Jahren anzusehen ist, ist es bei Allena di Massimo beinahe ein (unbewusster) Blick in die Zukunft. Die zu dem Zeitpunkt erst 33-jährige Malerin wurde von ihrem eigenen Mann erstochen, der glaubte, sie habe ein Verhältnis mit seinem Lehrmeister und Kollegen Massimo Stanzione.

Bei der zweiten Entdeckung, die in der Auktionswoche des Dorotheums zum Aufruf kommt, handelt es sich um eine frühe Arbeit des Antwerpener Malers Anthonis van Dyck, der ab 1620 Hofmaler in London war und dort 1641 verstarb. Das vorliegende Bildnis einer Adeligen mit einem Papagei entstand noch in der flämischen Heimat des Malers und ist seinem Frühwerk zuzurechnen, in dem die außergewöhnliche Begabung van Dycks bereits mehr als deutlich wird.

ANTHONIS VAN DYCK (1599 Antwerpen - 1641 London) - Bildnis einer Adeligen mit einem Papagei, Öl/Holz
ANTHONIS VAN DYCK (1599 Antwerpen - 1641 London) - Bildnis einer Adeligen mit einem Papagei, Öl/Holz

Das Portrait entstand um 1619/20, in jener Periode in van Dycks Biografie bevor er nach England aufbrach und nachdem er in der Antwerpener Lukas-Gilde beitrat, was im Februar 1618 geschah. Als Beleg für diesen terminus post quem kann der Brandstempel der Lukas-Gilde angesehen werden, der auf der Rückseite des Bildträgers zu finden ist.

Das Portrait wird ebenfalls im Zuge der Auktion zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert werden, nachdem es sich zuvor ausschließlich in Privatbesitz befunden hat. Die ersten Besitzer gehörten der hochadeligen Familie Arenberg an, so wie sehr wahrscheinlich auch die dargestellte Dame.

Der Vergessenheit entrissen werden konnte auch ein bedeutendes Gemälde aus dem Spätwerk des in Rom und Bologna wirkenden Meisters Guido Reni. Es handelt sich um eine vollständig von seiner Hand gefertigte Darstellung der römischen Glücksgötting Fortuna, die hier, nur spärlich von einem rosafarbenen Tuch umhüllt, am Himmel über dem Erdenrund schwebt und dabei Geld und Edelsteine aus einem mitgeführten Geldbeutel fallen lässt.

GUIDO RENI (1575 Bologna 1642) - Fortuna mit dem Geldbeutel, Öl/Lwd.
GUIDO RENI (1575 Bologna 1642) - Fortuna mit dem Geldbeutel, Öl/Lwd.

Auch in der Auktion mit Gemälden des 19. Jahrhundert am 24. Oktober dominieren die Darstellungen von weiblichen Protagonistinnen.

Eine modebewusste römische Frau hat der bedeutende Historienmaler John William Godward 1904 auf die Leinwand gezaubert. Die anscheinend in Süße Träume versunkene junge Dame trägt eine - vermutlich aus chinesischer Baumwolle gefertigte - Stola mit darüber drapierter Palla. Gefärbt sind die Stoffe in zartem rosa und dunklem Violett. Farben, die bei den Frauen des antiken Roms sehr beliebt waren, meist aber nur von Mitgliedern der Oberklasse getragen werden konnten.

JOHN WILLIAM GODWARD (1862 Wimbledon - 1922 London) - Süße Träume, Öl/Lwd., signiert und datiert, 1904
JOHN WILLIAM GODWARD (1862 Wimbledon - 1922 London) - Süße Träume, Öl/Lwd., signiert und datiert, 1904

Als Gegenstück des Gemäldes Nous verrons! ("Wir werden sehen!") kommt Dis-mois tout! ("Sag mir alles!") des italienischen Malers Vittorio Matteo Corcos in der Auktion zum Aufruf. Corcos war ein Genre- und Portraitmaler des späten 19. Jahrhunderts, dessen Werke besonders bei den durch Italien reisenden amerikanischen Touristen sehr beliebt waren. Hochformatige Darstellungen eleganter Damen vor einer Meereskulisse sind wiederholt in Corcos' Œuvre zu finden.

VITTORIO MATTEO CORCOS (1859 Livorno - 1933 Florenz) - Dis-mois tout!, Öl/Lwd., signiert und datiert, 1883
VITTORIO MATTEO CORCOS (1859 Livorno - 1933 Florenz) - Dis-mois tout!, Öl/Lwd., signiert und datiert, 1883

Auch einer der bekanntesten österreichern Maler des 19. Jahrhunderts darf in der Auktion nicht fehlen: Ferdinand Georg Waldmüller. Der Genremaler ist mit zwei Werken vertreten, die Frauen in unterschiedlichen Lebenslagen zeigen.

Zum einen sehen wir eine junge Frau, deren Kleidung und das Interieur ihres Salons verraten, dass sie der Oberklasse angehört, die einen Brief liest. Gemäß ihres entzückten Gesichtsausdrucks, dürfte es sich um einen hochwillkommenen Liebesbrief handeln.

FERDINAND GEORG WALDMÜLLER (1793 Wien - 1865 Hinterbrühl) - Die Briefleserin, Öl/Holz, signiert und datiert, 1860
FERDINAND GEORG WALDMÜLLER (1793 Wien - 1865 Hinterbrühl) - Die Briefleserin, Öl/Holz, signiert und datiert, 1860

Das zweite Werk Waldmüllers, Kinderzärtlichkeit, stellt eine Frau in der Rolle dar, die das 19. Jahrhundert hauptsächlich für sie vorgesehen hatte: als Mutter. Diese Szene ist in einem bäuerlichen Umfeld angesiedelt, wo Waldmüller sehr häufig seine Motive fand.

FERDINAND GEORG WALDMÜLLER (1793 Wien - 1865 Hinterbrühl) - Kinderzärtlichkeit, Öl/Holz, signiert und datiert, 1863
FERDINAND GEORG WALDMÜLLER (1793 Wien - 1865 Hinterbrühl) - Kinderzärtlichkeit, Öl/Holz, signiert und datiert, 1863

Beenden wollen wir diesen kurzen Überblick mit dem Highlight aus der Juwelen-Auktion, die am Nachmittag des 24. Oktobers stattfindet. Dabei handelt es sich um ein Diadem, das von Erzherzogin Marie Valerie, der jüngsten Tochter des Kaiserpaares Franz Joseph I. und Elisabeth, anlässlich der Hochzeit ihrer Tochter Hedwig im Jahr 1918 beim k.u.k. Hoflieferanten A. E. Köchert in Wien in Auftrag gab. Das elegante Diadem, das in sieben Broschen aufgeteilt werden kann, zieren Diamanten von insgesamt ca. 40 ct.

A. E. KÖCHERT - Habsburgisches Hochzeitsdiadem, Wien 1918
A. E. KÖCHERT - Habsburgisches Hochzeitsdiadem, Wien 1918

Den Abschluss der Auktionswoche bildet die Versteigerung von Antiquitäten am 25. Oktober, bei der Möbel, Porzellan, Glas und Skulpturen zum Aufruf kommen. Sehen Sie hier alle Termine der Auktionswoche im Überblick.

23. Oktober, 17 Uhr - Alte Meister 

24. Oktober, 14 Uhr - Juwelen

24. Oktober, 17 Uhr - Gemälde des 19. Jahrhunderts

25. Oktober, 14 Uhr - Antiquitäten

Die Versteigerungen finden im Auktionshaus in der Dorotheergasse 17 in Wien statt. Dort kann auch die Ausstellung zu den Auktionen ab dem 13. Oktober besucht werden (die Lose der Juwelen-Auktion sind bereits seit dem 6. Oktober ausgestellt).

Entdecken Sie hier nun alle Lose der Auktionswoche und weiterer aktueller Auktionen des Dorotheums.

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