Erst in der vergangenen Woche konnten wir Ihnen von einem wegweisendem Meisterwerk Piet Mondrians berichten, das im Oktober als ein Highlight des „20th/21st Century: London Evening Sale“ von Christie’s zum Aufruf kommen wird. Nun hat das Auktionshaus ein weiteres Top-Los des Events bekanntgegeben, dessen Geschichte im Jahr 1906 in Paris begann.
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1906 zog es Wassily Kandinsky und seine Lebensgefährtin Gabriele Münter nach Paris, wo sie in die Kunstszene eintauchten und sich von den Strömungen der Avantgarde, von Pointillismus bis Fauvismus, inspirieren ließen. All diese Eindrücke führten im Jahr darauf dazu, dass Kandinsky die bislang größte Leinwand seines Schaffens auf die Staffelei stellte und mit der Arbeit an dem 160 x 163 cm messenden Gemälde Das bunte Leben begann, in dem er die moderne Malerei mit der Folklore seiner russischen Heimat in einem komplexen und harmonischen Mosaik der Farben und Figuren vereinte. Dazu Keith Gill, Vice Chairman 20/21 bei Christie’s: „Das bunte Leben markiert nicht nur einen Wendepunkt in Kandinskys Schaffen, sondern auch einen der bedeutendsten Wendepunkte in der Geschichte der modernen Malerei. Kandinsky stellt nicht länger einfach nur die Welt um sich herum dar, sondern beginnt sich vorzustellen, wie die Malerei etwas jenseits des Sichtbaren vermitteln kann. Die Farbe gewinnt eine beispiellose Ausdruckskraft, während Figuren und Landschaft Teil einer umfassenderen Vision menschlicher Erfahrung werden.“ Noch im Jahr der Fertigstellung wurde das Gemälde im Salon d’Automne präsentiert, wo die Kritiker voll des Lobes waren.

Kandinsky verkaufte sein Werk erst um 1919/20 an den niederländischen Kunsthändler Paul Citroen, der es wiederum 1927 an das Fabrikantenehepaar Emanuel und Hedwig Lewenstein in Amsterdam verkaufte. Emanuel Lewenstein starb 1930, seine Witwe Hedwig 1937, das Gemälde, das dem Stedelijk Museum als Leihgabe überlassen worden war, ging in den Besitz von deren Kindern Robert und Wilhelmine über. Diese verließen die Niederlande während der deutschen Besatzung, sodass 1940, als Das bunte Leben versteigert wurde, nur noch Roberts Frau Irma in Amsterdam lebte. Kernpunkt der Restitutionsforderung, die 2015 ihren Anfang nahm, war die Frage, ob die Einlieferung in die Auktion freiwillig oder unter Zwang erfolgt war. Der Fall wurde 2023 zum Abschluss gebracht, mit dem Ergebnis, dass das Gemälde, das sich mittlerweile im Besitz der BayernLB befand und im Lenbachhaus ausgestellt wurde, an die Erben der Lewensteins zurückgegeben wurde.
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Nun wird die Geschichte von Das bunte Leben fortgesetzt, wenn es am 14. Oktober in London versteigert wird. Ein Schätzpreis wurde bislang nicht offiziell genannt, dürfte jedoch im zweistelligen Millionenbereich liegen. Auch ein neuer Rekord für Kandinsky wäre möglich. Der aktuelle wurde 2023 mit dem ebenfalls restituierten Gemälde Murnau mit Kirche II (1910) aufgestellt, das bei Sotheby’s London für 37.196.800 GBP einen neuen Besitzer gefunden hatte.
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Marc Porter, Chairman, Christie's Americas: „Kandinskys Das bunte Leben ist weit mehr als ein frühes Meisterwerk: Es fängt einen Moment ein, in dem verschiedene Einflüsse im Schaffen des Künstlers zusammenflossen, und weist auf den radikalen Schritt hin zur Abstraktion, der folgen sollte. Es ist uns eine Ehre, dieses wegweisende Gemälde von Museumsqualität in unserer kommenden 20/21 Marquee Week in London zu präsentieren. Die Restitution von Das bunte Leben an die Erben von Hedwig Lewenstein-Weyermann nach über fünfzig Jahren als Dauerleihgabe im Lenbachhaus in München stellt einen wichtigen Meilenstein in der Geschichte des Gemäldes dar. Seine Rückkehr auf den Markt markiert den Beginn eines neuen Kapitels für ein Werk, das einen so bedeutenden Platz in der modernen Kunst einnimmt.“
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