Es ist bereits die 365. Auktion, die das 1978 gegründete, familiengeführte Auktionshaus Stahl in Hamburg präsentiert. Ein weiteres Mal stehen Uhren und Schmuck sowie Moderne und Zeitgenössische Kunst im Fokus, wobei den norddeutschen Künstlern wie gewohnt ein besonderer Platz eingeräumt wird.
Den Auftakt der Auktionen bildet am 27. September die Versteigerung von Schmuck und Juwelen, die viele außergewöhnliche Stücke umfasst, darunter ein Design-Collier von Klaus Wurzbacher mit naturalistisch gestalteten Blütenblättern aus Gelbgold, ein hochkarätiges Diamant-Collier aus der Epoche des Art déco oder auch ein bezaubernder Gelbgoldanhänger mit Blüte und Biene, besetzt mit Diamanten und Smaragden.

Keinesfalls verpassen darf man mehrere von Raubkatzen inspirierte Stücke, Schmuck von Versace, die vielen atemberaubenden Armbänder der Offerte oder auch die schöne Auswahl an funkelnden Ringen. Neben zwei Ringen mit Fancy-Diamanten in Gelb bzw. Rosa ist hier vor allem ein Weißgoldring hervorzuheben, der mit einem farbintensiven Vivid-Blue Ceylon-Saphir im Cushion-Treppenschliff von 5,61 ct besetzt ist. Umgeben ist der beeindruckende Stein von 6 Diamanttropfen und 10 Brillanten.

Mit einem attraktiven Blau kann auch die Uhrenofferte aufwarten, zu finden an Lünette und Zifferblatt der Vintage Herren-Armbanduhr Submariner Dial von Rolex. Neben weiteren Zeitanzeigern der begehrten Schweizer Marke, darunter ein Two-tone Cosmograph Daytona, ist ein sehr seltener Triple Calendrier von Vacheron-Constantin von 1943 hervorzuheben.
Der zweite Auktionstag am 28. September ist ganz der Kunst gewidmet und umfasst die Klassische Moderne, Zeitgenössisches, Fotografie und Skulpturen.

Die ersten drei Lose stammen vom Brücke-Maler Erich Heckel, der uns mit einer Gouache und einem Aquarell an die Nordsee und mit einem beidseitig mit Farbkreide bemalten Blatt nach Italien mitnimmt. Die italienischen Arbeiten entstanden 1909, als Heckel gemeinsam mit Karl Schmidt-Rottluff seine erste große Auslandsreise in das Land jenseits der Alpen antrat. Während auf der einen Blattseite die Ansicht einer italienischen Stadt zu sehen ist (siehe Titelbild), zeigt die andere eine Tänzerin, die mit freier Strichführung und kontrastreichem Kolorit verewigt wurde.
Im Mai 2018 wurde Henri Matisse’ Gemälde Odalisque couchée aux magnolias für die Rekordsumme von 80,75 Millionen US-Dollar versteigert. Das sinnliche Gemälde entstand 1923 in Nizza und im selben Jahr fertigte Matisse 10 nummerierte Lithographien mit einem beinahe identischen Motiv an, von denen eine, die die Bleistiftsignatur des bedeutenden Künstlers trägt, bei Stahl zum Aufruf kommt.

Im Zusammenhang mit Heckel und Matisse muss auch der Hamburger Maler Franz Nölken erwähnt werden, der kurzzeitig Mitglied der Brücke war und an der Académie Matisse studierte. In der Auktion ist er mit Sitzender Akt von 1914 vertreten. Weitere Werke stammen von Künstlerinnen und Künstlern wie Käte Lassen, Eduard Bargheer, Carl Arp, Ivo Hauptmann, Joan Miró, Karl Kluth, Paula Modersohn-Becker und dem bereits erwähnten Karl Schmidt-Rottluff.
Auch die Offerte mit Zeitgenössischer Kunst beginnt mit drei Werken desselben Künstlers, in diesem Fall Uwe Herbst, der mit Ansichten von Venedig, Marseille und dem Canal du Midi vertreten ist. Weitere bekannte Namen sind unter anderem Günther Uecker, Günther Förg, Per Kirkeby, Mel Ramos und Udo Lindenberg, von dem nicht nur einige gemalte und gezeichnete Werke zum Aufruf kommen, sondern auch die Collage Sein Leben in Bildern, die aus vielen Originalfotos besteht.

Erst 26 Jahre alt, jedoch bereits international bekannt, ist der in Kaiserslautern geborene Leon Löwentraut, der seine ersten Werke bereits während seiner Schulzeit verkaufte – viele weitere sollten folgen. Bei Stahl kommt neben Sustainable Vision von 2019 auch First Lady von 2018 zum Aufruf. Das Werk aus einer limitierte Edition wurde vom Künstler von Hand übermalt und erhält dadurch einen unikalen Charakter.
Nach Fotografie steht die Norddeutsche Kunst mit Impressionismus, den Künstlerkolonien und Marinemalern im Mittelpunkt. Angeführt wird diese Offerte von einem eher ungewohnten Motiv des 1875 auf Norderney geborenen Poppe Folkerts, den man meist als Porträtisten nördlicher Gewässer kennt. Bei Stahl ist er mit einer stimmungsvollen Ansicht Konstantinopels vertreten, das er 1901 an Bord eines kaiserlichen Schulschiffs besuchte.

Ein Jugendfreund Poppe Folkerts war der Bildhauer Wilhelm Krieger, dessen bronzener Kormoran ein Highlight der letzten Kategorie der Auktion (Kunstgewerbe mit Skulpturen, Bronzen und Installationen) darstellt. Krieger wurde mit seinen Vogelplastiken bekannt, die schon zu seinen Lebzeiten als „stilisiert und doch höchst lebendig“ gelobt wurden.
Die Versteigerungen beginnen am 27. und 28. September jeweils um 11 Uhr und finden im Auktionshaus Stahl, Graumannsweg 54, in Hamburg statt. Vorbesichtigungen sind dort vom 23.-26. September möglich.

