Am 5. Mai 2021 starb Napoleon Bonaparte auf der kleinen Atlantikinsel Sankt Helena – verbannt von den Monarchen Europas, die den großen Feldherrn sechs Jahre zuvor bei Waterloo endgültig hatten besiegen können.
Anlässlich des sich in diesem Jahr zum 200. Mal jährenden Todestages Napoleons widmet ihm das Auktionshaus Neumeister in München am 1. Dezember eine hervorragend bestückte Sonderauktion, die interessante Kunstwerke und Antiquitäten umfasst, die aus allen Phasen seines Lebens stammen, ihn aus verschiedenen Perspektiven beleuchten und auch einen Blick aus heutiger Sicht auf den verehrten und umstrittenen Herrscher werfen.
Es war die Französische Revolution, die es Napoleon Bonaparte ermöglichte, seinen rasanten Aufstieg zu beginnen. Die neuen Herrscher der jungen Republik schafften alles ab, von der Monarchie bis zur alten Zeitrechnung. Ein neuer Kalender mit 12 Monaten à 30 Tagen wurde 1792 eingeführt, der bis 1806 Gültigkeit hatte – bis er von Napoleon abgeschafft wurde.

Mit diesem Republikanischen Kalender ist auch das absolute Highlight der Offerte ausgestattet: eine Bodenstanduhr mit Uhrwerk von Henry Lepaute, die darüber hinaus über eine Äquationsanzeige verfügt. Das seltene Stück ist nicht nur Zeitanzeiger, sondern auch ein bedeutendes Zeitdokument.

Den Herrscher Napoleon zeigt diese Büste aus Carrara-Marmor, die nach dem Vorbild einer Büste von Antoine-Denis Chaudet ausgeführt wurde. Die erste Version des Originals aus Stuck entstand 1799, als Napoleon zum Ersten Konsul ernannt wurde, die zweite aus Marmor folgte 1804, dem Jahr der Kaiserkrönung Napoleons.

Aus dynastischen Gründen ließ sich Napoleon I. 1809 von seiner ersten Ehefrau Joséphine de Beauharnais scheiden und heiratete die österreichische Kaisertochter Marie-Louise, die Mutter seines einzigen legitimen Sohnes wurde. Vom italienischen Bildhauer Lorenzo Bartolini kommt diese Büste von Marie-Louise zum Aufruf, die ein Jahr nach der Hochzeit mit dem Kaiser der Franzosen ausgeführt wurde.

Der im späten 18. Jahrhundert entwickelte klassizistische Stil entwickelte sich während Napoleons Herrschaft weiter zum Empire, das gleichermaßen von antiken Vorbildern geprägt war. In diesem Sinn entstand in der Porzellanmanufaktur in Sevrès dieses Paar Vasen, deren Form an die berühmte Medici-Vase aus den 1. Jahrhundert n. Chr. angelehnt ist.

So wie die Herrschaft Napoleons breitete sich auch der antikisierende Empire-Stil über ganz Europa aus. Der Wiener Silberschmied Jakob Kratauer schuf 1817 diesen silbernen Tafelaufsatz mit drei vollplastischen Mädchenfiguren, die eine durchbrochen gearbeitete Schale tragen.

Einweiteres spannendes Los ist Giovanni Battista Piranesi mit zahlreichen Bildtafeln ausgestattetes Werk über die Gestaltung von Kaminen aus Napoleons Geburtsjahr 1769. Piranesis Entwürfe sind ihrer Zeit, die die Antike gerade wiederzuentdecken begann, teilweise weit voraus und geradezu stilbildend für den aufkommenden Klassizismus.
Die Napoleon-Auktion ist jedoch nicht die einzige Versteigerung Anfang Dezember bei Neumeister, die es zu entdecken gilt. Am zweiten Tag des Monats stehen Kunsthandwerk und Antiquitäten, Gemälde und Graphiken des 15.-20. Jahrhunderts sowie Moderne, Post War und Zeitgenössische Kunst auf dem Programm.

Hier sei zunächst auf dieses herrliche Triptychon des niederländischen Malers Jan van Scorel hingewiesen. Während die zentrale Bildtafel Balthasar vor Maria mit dem Kind zeigt, sind Melchior und Caspar zusammen mit dem Stifterpaar auf den Flügeln dargestellt.

Einen Hauch von Exotik verbreitet die Haremsszene des österreichisch-französischen Malers Rodolphe Ernst, der sich nach Reisen, die ihn nach Konstantinopel und Marokko führten, ganz dem im 19. Jahrhundert populären Orientalismus zuwandte. Auch bemalte er Fayence-Kacheln mit orientalischen Motiven, die auch immer wieder Eingang in seine Gemälde fanden.

1920 malte Hermann Max Pechstein das Bild Keitelkähne während seines Sommeraufenthaltes im Fischerdorf Nidden auf der Kurischen Nehrung. Dreht man es um, erblickt man die Gesichter von Pechsteins Sohn Frank und dessen Kindermädchen Anna Gärtner. Das Doppelporträt schenkte Pechstein seinem Nachbarn und Hausarzt, dem das Werk jedoch nicht so gut gefiel, woraufhin das Gemälde mit den Booten entstand.

Ein weiteres Highlight des Offerte ist die 1946 von Ernst Wilhelm Nay auf Karton ausgeführte Goauche Frau mit Kind im Herbst. Gemäß Nays eigenhändigen Aufzeichnungen fertigte er insgesamt acht Fassungen dieses Motivs aus, von denen jedoch nur sechs bekannt sind.

68 verschiedene Fassungen mit insgesamt 112 Abzügen existieren von Emil Noldes bedeutender Farblithografie Junges Paar aus dem Jahr 1913. Das vorliegende Exemplar in Schwarz, Grauviolett und Graublau ist laut Bezeichnung das erste von drei Drucken dieser Fassung.

Abschließend sei noch auf ein Werk von Banksy hingewiesen, mit dem der britische Street Artist den New Yorker Post-Graffiti-Pionier Jean-Michel Basquiat ehrt. Die in Schwarz, Weiß und Grau gehaltene Serigrafie zeigt zwei Kinder und eine erwachsene Person vor einem Riesenrad, dessen Gondeln Banksy durch Basquiats Kronensymbole ersetzt hat. Das vorliegende Exemplar ist die Nr. 203 aus einer Auflage von 300 Stück.
Beachten Sie auch die Schmuck-Auktion von Neumeister, die am 1. Dezember vor der Napoleon-Auktion stattfindet. Alle Versteigerungen finden im Auktionshaus in der Barer Straße 37 in München statt. Vorbesichtigungen sind dort vom 26. bis 29. November möglich.
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