Bei den Restaurierungsarbeiten an einem Fresko im Souvenier-Shop des Stephansdoms, der in einem Teil des Kirchenbaus untergebracht ist,, stießen die Experten auf etwas, das sie alle überraschte. Unter den Schmutzschichten der Jahrhunderte kam eine Zeichnung zum Vorschein, die vom bedeutenden deutschen Maler und Grafiker Albrecht Dürer zu stammen scheint.
Nachdem die Fachleute die Zeichnung genauer unter die Lupe genommen hatten, konnten sie bestätigen, dass es sich um eine um 1505 auf festem Putz ausgeführte Arbeit handelt. Genauer gesagt, um ein Triptychon, das in der Mitte Leopold III., Markgraf von Österreich (1073-1136) zeigt, flankiert von der Hl. Katharina und der Hl. Margarete, die alle drei als Schutzpatrone Österreichs gelten. Während das Bildnis Leopolds III. sowie der Rahmen um 1510 von einem anderen Künstler ausgeführt wurden, sollen die beiden weiblichen Figuren, laut Expertenmeinung, von der Hand Albrecht Dürers stammen.

Bisher war nicht bekannt, dass Dürer auch in Österreich tätig gewesen wäre, was die Entdeckung noch spannender macht, könnte sie doch gänzlich neues Wissen zum Lebensweg des deutschen Renaissancemeisters enthüllen. Ebenso steht die Frage im Raum, weshalb die beiden vorgezeichneten Damen unvollendet blieben. Erwin Pokorny, einer der hinzugezogenen Experten, glaubte zunächst, dass die Zeichnungen von einem Schüler oder einem anderen Maler aus dem Umkreis Dürers ausgeführt wurden, eben weil es keinerlei Anhaltspunkte gibt, dass Dürer tatsächlich selbst einmal in Wien war. Nachdem er jedoch die Pinselstriche des Freskos genauer untersucht hat, ist auch Pokorny der Meinung, dass nur Dürer selbst als Urheber infrage kommt.

Das einzige bis dato bekannte Fresko von Dürer, befand sich im Rathaus von Nürnberg und wurde 1521 vollendet. Leider wurde es während des Zweiten Weltkriegs zerstört. Demnach wäre die Wiener Arbeit das einzige erhaltene Fresko des Renaissancemalers. Gemäß Pokorny sollte man sich zukünftig nicht mehr fragen, ob sich Dürer jemals in Wien aufgehalten haben, sondern vielmehr wann. Eine Theorie besagt, dass er dort 1505 einen Zwischenstopp auf seiner Reise nach Norditalien eingelegt haben könnte. Vielleicht besuchte er auch einmal seinen Freund Conrad Celtis, ein in Wien ansässiger Humanist.
Es sind noch viele Fragen bezüglich des Freskos und Albrecht Dürers Beziehung zu Wien zu klären. Die Untersuchungen dauern aktuell noch an, die Ergebnisse sollen noch im Laufe dieses Jahres in einer österreichischen Fachzeitschrift veröffentlicht werden. Möglicherweise muss auch der Souvenier-Shop weichen, damit Besucher des Stephansdoms das Fresko zukünftig in seiner ganzen Pracht bewundern können.
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