Ein schlichtes oktogonales Gehäuse, dessen Vergoldung teilweise abgeplatzt ist, und ein teilweise oxidiertes Zifferblatt: Es ist eine typische Herrenarmbanduhr der 1930er Jahre, an der der Zahn der Zeit genagt hat. Und doch zählt der mit einem braunen Lederarmband ausgestattete Zeitanzeiger zu den Highlights der Winterauktion von Neumeister, die am 7. und 8. Dezember in München stattfindet.
Wie es auch bei vielen anderen Stücken, denen man ihren wahren Wert auf den ersten Blick nicht ansieht, der Fall ist, liegt das Geheimnis dieser Uhr in ihrer Provenienz: Einst informierte sich nämlich der 1932 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnete Schriftsteller Thomas Mann anhand ihrer über die aktuelle Uhrzeit.

1950 überließ Thomas Mann, der 1938 in die USA ausgewandert war, die Uhr bei einem Besuch in Europa, seinem Lieblingsenkel Frido Mann, der sie jedoch erst nach dem Tod seines Großvaters im Jahr 1955 von seiner Mutter oder Großmutter ausgehändigt bekam und seitdem in Ehren hält.
Nun hat Frido Mann den nicht leichtfertig getroffenen Entschluss gefasst, das besondere Erinnerungsstück versteigern zu lassen – allerdings für den guten Zweck, denn der Erlös kommt vollständig dem Trägerverein des Interfaith Network "Weltkloster e.V.“ zugute.
Die Uhr ist Teil der Schmuckofferte, die am ersten Tag der Winterauktion ab 15:30 Uhr unter den Hammer kommt. Bereits um 14 Uhr darf auf die vielfältigen Lose der Bereiche Kunsthandwerk und Antiquitäten mitgeboten werden, die Möbel und Skulpturen genauso umfasst wie Silber und Porzellan.

Bei Letzterem muss auf dieses Paar Kratervasen hingewiesen werden, die um 1830 in der Porzellanmanufaktur Nymphenburg nach einem Modell von Friedrich Gärtner ausgeführt wurden. Inmitten von Frauenkopfhenkeln, Matt- und Glanzvergoldung sowie einem pompeijanisch-rotem Fond sind schauseitig prächtige Blumenarrangements zu sehen, die entweder Nymphenburgs versiertestem Blumenmaler Franz X. Nachtmann oder dem nicht weniger talentierten Johann Baptist Ries zugeschrieben werden.
Auch am zweiten Auktionstag beginnen die Versteigerungen um 14 Uhr und widmen sich zunächst Graphik und Gemälden des 15.-20. Jahrhunderts.

Angeführt wird diese Offerte von einem Porträt Philipp Melanchthons, der neben Martin Luther der bedeutendste Reformator in Wittenberg war. Dort betrieb Lucas Cranach d. Ä., der 1505 vom Kurfürsten Friedrich dem Weise von Sachsen als Hofmaler in seine Residenzstadt geholt worden war, eine äußerst produktive Werkstatt. In ihr entstand ein unverwechselbarer Stil, der jedem Mitarbeiter geläufig war, was die Wiederholung von besonders beliebten Gemälden erleichtere.
Das vorliegende Porträt des Reformators ist auf das Jahr 1543 datiert und soll einst ein Geschenk des bayerischen Kronprinzen Maximilian (später König Maximilian II. Joseph) an seinen Lehrer Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling gewesen sein. Seitdem befindet es sich im Besitz von dessen Nachfahren.

Ebenfalls um ein fürstliches Geschenk handelt es sich bei diesem Porträt von Charlotte, Prinzessin von Sachsen-Meiningen, die als Ehefrau von Ernst II. Herzogin von Sachsen-Gotha-Altenburg wurde. Das vorliegende Bildnis, das die Prinzessin kurz vor ihrer Heirat im Jahr 1769 im aufkommenden bürgerlichen Stil zeigt, erhielt der Minister und langjährige Berater der herzoglichen Familie, Bernhard von Lindenau, als Geschenk.
Ab 16:30 Uhr stehen am 8. Dezember schließlich moderne und zeitgenössische Kunst auf dem Programm.

Hier kann auch das Gemälde Tauschnee von Conrad Felixmüller aus dem Jahr 1934 mit einer interessanten Provenienz punkten, befand es sich doch lange im Besitz von Titus, dem Sohn des Malers. Das Werk zeigt den Blick von Felixmüllers Atelier in der Bachstraße 13 in Dresden an einem Spätwintertag, an dem der Schnee zu tauen beginnt, was durch die Schattierungen perfekt wiedergegeben wird. Auf den ersten Blick wirkt das Grau in Grau, gepaart mit den kahlen Bäumen, trübselig oder sogar etwas unheimlich, doch wird dieser Eindruck durch den Einsatz warmer Rottöne am Himmel abgemildert.

Fröhlicher geht es in diesem Gemälde von Alexander Koester zu, der sich darin ein weiteres Mal seinem Lieblingsmotiv, weiße Enten an einem Teich, widmet. Zwar befinden sich die munteren Wasservögel Im Schatten, doch lassen die Lichtflecken auf Untergrund und Blättern auf einen warmen und sonnigen Sommertag schließen. Das Gemälde stammt aus dem Nachlass des Münchener Bauunternehmers Johannes B. Ortner und wird gemeinsam mit weiteren Kunstwerken seiner Sammlung zugunsten der gemeinnützigen Johannes B. Ortner-Stiftung an der Technischen Universität München versteigert.
Die Versteigerungen finden am 7. und 8. Dezember im Auktionshaus Neumeister, Barer Straße 37, in München statt. Die Ausstellung ist dort vom 1. bis 5. Dezember geöffnet.
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