Am 22. November versteigert das finnische Auktionshaus Annmaris eine Reihe von Objekten, wie man sie noch nie zuvor gesehen hat. Die Ikonen der finnischen Designszene sind dann mit ihren größten Schätzen aus Beleuchtung, Design und Kunsthandwerk vertreten.
1945 wurde das vom Architekten Gösta Cajannus entworfene modernistische Virkkala Clubhouse eingeweiht. Auftraggeber war der Gründer der Gründer der Kalkfabrik Lohjan Kalkkitehdas OY im finnischen Lohja, Peter Forsström, gewesen.

So modern wie das Äußere sollte auch das Innere des Gebäudes sein, weshalb Forsström es mit einer hochmodernen Beleuchtung ausstatten ließ. Gemeinsam mit dem Leuchtenhersteller Taito Oy übernahmen Paavo Tynell und Gunnel Nyman gemeinsam die Aufgabe, entsprechende Lampen zu entwerfen. Eines der Ergebnisse war ein Modell von zwei Metern Höhe und einem Durchmesser von einem Meter.

Zu jenem Zeitpunkt war Gunnel Nyman bereits eine renommierte Designerin und besonders für ihre Glaskunst bekannt. 1937 wurde sie auf der Weltausstellung in Paris, wo sie Möbel, Beleuchtung und Glaskunst ausstellte, mit einer Silbermedaille ausgezeichnet.

Die riesigen Deckenleuchten, die Tynell und Nyman für das Virkkala Clubhouse entworfen haben, wurden äußerst hochwertig von Taito Oy ausgeführt, denn für die massive Messingstruktur und die schweren Glasschirme war handwerkliches Können gefragt. Die Leuchten sind zudem ein gutes Beispiel für Tynells Fähigkeit, hochwertige Handwerkskunst mit mechanischer Fertigung zu verbinden. Der Beitrag von Gunnel Nyman zeichnet sich durch die stilvollen Formen und zeitlose Designsprache aus, was vor allem beim safranfarbenen filigranen Glas zum Ausdruck kommt, das ein optimales warmes Licht erzeugt.

Peter Forsström war bei weitem nicht der einzige, der die Arbeit von Tynell und Nyman zu schätzen wusste. Seine Frau Margit bestellte mit der Deckenlampe Fountain eine weitere Leuchte für das Gebäude. Einige Jahre später wurde ein ganz ähnliches Modell für das Finland House in New York entworfen.
Die Jahre von 1945 bis 1947 war eine der wichtigsten Perioden in Paavo Tynells Karriere, während der er den größten Teil des Interieurs des berühmten Finland House entwarf. Nachdem das Haus 1947 eröffnet worden war, war Tynells Bekanntheit nicht mehr nur auf seine Heimat Finnland beschränkt, sondern dehnte sich international aus.
Währenddessen war Gunnel Nyman 1946 Leiterin der finnischen Leuchtenfirma IDMAN geworden. Doch nur zwei Jahre später starb sie und einige ihrer Entwürfe wurden nie ausgeführt. Trotzdem blieben ihre Werke beliebt und 1951 wurde sie posthum aus der Mailänder Triennale mit mehreren Preisen ausgezeichnet.

Die für das Virkkala Clubhaus entworfenen Lampen waren für die finnische Leuchtenindustrie, die in den Jahren 1937 bis 1947 ihren Höhepunkt erreichte, von großer Bedeutung.
Am 22. November versteigert Annmaris sämtliche Leuchten, die Teil der Innenausstattung des Virkkala Clubhouse waren.

Neben Paavo Tynell und Gunnel Nyman sind in der Auktion weitere Designikonen wie Tapio Wirkkala, Alvar Aalto und Ludwig Mies van der Rohe vertreten. Die sorgfältig zusammengestellte Offerte umfasst Arbeiten, die noch nie auf dem Auktionsmarkt angeboten wurden, was die Auktion besonders spannend macht.

Im Katalog gibt es auch Möbel und Leuchten des finnischen Architekten und Designers Eliel Saarinen zu entdecken, der das weltweite Stilideal im 20. Jahrhundert maßgeblich verändert hat (Mehr über Saarinen erfahren Sie in Kürze hier im Magazin und in unserem Newsletter).

Ilmari Tapiovaara war ein finnischer Innenarchitekt und Designer, der sich der Moderne und dem Funktionalismus verschrieben hatte, wobei er gerne auf Bugholz und geformtes Furnier zurückgriff. Nachdem Tapiovaara in Paris im Atelier von Le Corbusier gearbeitet hatte, wurde er künstlerischer Leiter bei Asko Oy, dem damals größten finnischen Möbelhersteller, für den er auch das bei Annmaris angebotene Regelsystem entwarf.

Dekorative Teller mit Obstmotiven und Inspiration der byzantinischen Kirchenkunst gehören zu den beliebtesten Objekten des finnischen Keramikers Birger Kaipiainen, der bereits im Alter von 22 Jahren für Arabia zu arbeiten begann, wo, neben zahlreichen Geschirrteilen, Skulpturen und Reliefs, auch dieser dekorative Teller entstand, der jetzt bei Annmaris angeboten wird.

Ebenfalls im Angebot am 22. November: Rund 30 Schmuckstücke von Marken und Designern wie Bulgari, Vhernier, Kalevala Koru und Björn Weckström. Letztere begann seine Karriere als Schmuckdesigner in den späten 1950er Jahren, als er seine eigenen Werkstatt eröffnete. Später kamen auch Entwürfe für die Firma Lapponia hinzu. Weckströms Schmuck zeichnet sich durch matte Oberflächen, ungeschnittene Halbedelsteine und asymmetrische Formen aus, für die er sich von der Natur Inspirieren ließ.
Die Auktion umfasst auch einige hochwertige Gemälde von Künstlern wie Reidar Särestöniemi, Akseli Gallen-Kallela, Gunnar Berndtsson und Juhani Linnovaara.

Dem Maler Reidar Särestöniemi diente die Natur Lapplands und die Mythen dieser Region als Ausgangspunkt für seine Kunst. Seine Arbeiten sind geprägt von Mooren und Bergen, von Auerhahn, Luchs und Rentier. Farben spielen in Särestöniemis Werk eine zentrale Rolle, die er mit seinen Eindrücken der europäischen Moderne, der russischen Kunst und der alten Höhlenmalerei kombinierte. Das bei Annmaris angebotene Ölgemälde eines Birkenhains im Winterkleid gehört zu den charakteristischsten Arbeiten des Künstlers.



