Die Frage, wie man Sammlern und Freunden von Kunst und Antiquitäten eine Freude machen kann, beantwortet das Auktionshaus Hampel am 21. März, wenn es Meisterwerke von Malern, Ebenisten und Kunsthandwerkern in rund 1.200 Losen versteigert.
Zum Auftakt erwartet uns ab 10 Uhr die wundervolle Offerte „Möbel & Einrichtung, Uhren“, die mit hochwertigen Antiquitäten besticht. Zu den Highlights zählen vergoldete Pendulen, zwei höfische Golddosen mit Achat- bzw. Amethystbesatz sowie herausragende Arbeiten kundiger Ebenisten, darunter eine Louis XV-Schwarzlackkommode mit Goldmalerei.

Angeführt wird die Offerte jedoch von einer bedeutenden Coiffeuse, die belegt, dass der Begriff „multifunktional“ vielleicht ein moderner ist, doch mit Sicherheit keine moderne Erfindung. Das Möbelstück entstand 1770/75 in der Roentgen-Werkstatt in Neuwied und kann nicht nur mit seiner feinen Ausführung punkten, sondern auch mit seinen vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten, die sich durch das Herausziehen von Schüben und Aufklappen von Fächern offenbaren und so zum Frisieren, Lesen und Schreiben einladen.
Nach der Versteigerung von „Skulpturen & Kunsthandwerk“, wo auf Arbeiten von der Antike bis 1900 mitgeboten werden darf, stehen ab 11 Uhr die Alten Meister auf dem Programm, deren Gemälde in zwei aufeinander folgenden Sitzungen angeboten werden. Hier sind eine Reihe venezianischer Maler vertreten, darunter Giovanni Domenico Tiepolo, Francesco Tironi und Giovanni Antonio Guardi, allen voran jedoch Giovanni Antonio Canal, genannt Canaletto.

Von Canaletto kommt mit einem Gemäldepaar das Top-Los der Auktion zum Aufruf. Berühmt für seine Veduten, fand der Maler auch in diesem Fall die Motive in seiner Heimatstadt Venedig. Die beiden breitformatigen Werke lassen den Blick des Betrachters über den Canal Grande wandern und sind gewissermaßen Gegenstücke: Eines der Gemälde zeigt die barocke Kuppelkirche Santa Maria della Salute in der vorderen rechten Bildecke, während der Dogenpalast mit seiner gotischen Fassade am linken Bildrand zu sehen ist. Das zweite Gemälde zeigt den entgegengesetzten Blick.
Canaletto war ein vielgeschäftiger Maler, der seine Werke oftmals an englische Touristen verkaufte. Die hohe Auftragslage erforderte die Zusammenarbeit mit den Künstlern seiner Werkstatt, die frühere Motive des Meisters wiederholten oder aufgriffen. Canaletto selbst hatte bei seinem Vater, Bernardo Canal, gelernt, der in der Auktion ebenfalls mit einer Vedute vertreten ist.
Doch auch die Künstler nördlich der Alpen sind würdig vertreten, wie etwa durch den oberrheinischen Meister von Guebwiller, Joachim Antonisz Wtewael, Jacob Jordaens und einen Meister der Schule von Fontainebleau.

Vom flämischen Maler Peeter Gysels (oder Gijsels) liegen zwei auf Kupferplatten ausgeführte Gemälde vor, die als Jahreszeitenbilder gedeutet werden können und daher möglicherweise aus einer umfangreicheren Reihe stammen. Auf einem der Gemälde bildet eine von Grachten durchzogene, verschneite Stadt die Kulisse, in der sich ein höfisches Paar in einem verspielten Prunkschlitten, Sternensinger und eine Dreikönigsgruppe tummeln. Das zweite Bild zeigt eine höfische Gesellschaft in einem Schlosspark beim Tanz um einen Maibaum.

Eine festliche Gesellschaft in höfischer Kulisse erblicken wir auch in diesem Gemeinschaftswerk von Jan Brueghel d. J. und Jan van Kessel – eine mythologische Szene, die den Auftakt zum Trojanischen Krieg darstellt. Thema ist die Hochzeit der schönen Nereide Thetis mit dem sterblichen Heros Peleus. Alle Götter des Olymps waren zur Hochzeit geladen, bis auf Eris, die Göttin der Zwietracht, die aus Rache einen goldenen Apfel sandte, der „der Schönsten“ gehören sollte. Sowohl Aphrodite, als auch Hera und Athene beanspruchten diesen Titel für sich. Zeus wies den trojanischen Prinzen Paris an, die Entscheidung zu treffen. Der Rest ist (eine) Geschichte.
In der nun folgenden Offerte „Impressionisten & Moderne Meister finden wir Hafenansichten von Henri Martin, Albert Marquet und Louis Valtat sowie das Bildnis einer modisch gekleideten Dame an Bord eines Bootes von Paul César Helleu.

Eher als „Kabinettstück“ kann hingegen ein Aquarell von George Grosz bezeichnet werden, in der der Meister der gesellschaftskritischen Karikatur einmal mehr seine Beobachtungsgabe unter Beweis stellt. Wohl um die „Szene einer Ehe“ handelt es sich bei dem vorliegenden Werk, in dem eine Dame mit strengem Blick einem Mann anweist, einen Rahmen aufzuhängen. Hammer und Nägel hat der bereits in der Hand. Grosz’ Aquarelle, die der Obrigkeit wiederholt ein Dorn im Auge waren, waren bereits zu seinen Lebzeiten beliebt und werden auch heute noch gerne gesammelt.
Den Abschluss der Gemäldeofferte bilden schließlich Werke des 19. und 20. Jahrhunderts, bevor um 13 Uhr die abwechslungsreiche Living-Offerte das Szepter übernimmt. Hier gibt es allerhand Spannendes zu entdecken, von „Saurier & Fossilien“ über „Moderne Kunst für den jungen Sammler“ bis hin zu „Parkdekorationen“.

Das Los mit dem höchsten Schätzpreis dieser Offerte ist in der Kategorie „Schmuck, Accessoires & Armbanduhren“ zu finden. Dabei handelt es sich um ein überaus prachtvolles Vintage-Armband, das um 1950 angefertigt wurde. Gefasst in Weißgold und Platin, ziert es mittig ein außergewöhnlich großer kolumbianischer Smaragd von 53,51 ct, den Diamanten von 35 ct begleiten.
Die Versteigerungen finden am 21. März im Auktionshaus Hampel, Schellingstraße 44, in München statt. Die Ausstellung zur Auktion ist dort vom 16.-19. März geöffnet.

