Vom 2. bis 5. Juni darf im Kölner Auktionshaus Lempertz auf Alte Kunst und Kunstgewerbe sowie schönen Schmuck (2. Juni, 14 Uhr) mitgeboten werden. Ein weiteres Highlight ist die Versteigerung des dritten Teils der ganz auf historische Mörser spezialisierten Sammlung Schwarzach (4. Juni, 10 Uhr).
Am 5. Juni stehen ab 11 Uhr Gemälde und Zeichnungen des 15.-19. Jahrhunderts auf dem Programm. Zum Aufruf kommen 184 Werke europäischer Meister diesseits und jenseits der Alpen.

Angeführt wird diese Offerte von dem 112 x 165 cm messenden Gemälde Liegende Venus in einer Landschaft des Palma Vecchio genannten Malers Jacopo Negretti aus dem frühen 16. Jahrhundert. Das Werk, das im Nachlass der Künstlers aufgeführt ist, ist ein hervorragendes Beispiel für die sinnliche Aktmalerei, die die Vertreter der Schule von Venedig damals schufen. Der kunstvolle Rahmen ist ein Original jener Zeit und wurde von dem mit Palma Vecchio befreundeten Meister Jacopo da Bergamo angefertigt.

Unter den Blumenstillleben der Auktion muss vor allem dieses Gemeinschaftswerk von Jan Brueghel dem Älteren und Jan Brueghel dem Jüngeren (Vater und Sohn) hervorgehoben werden, das um 1620 entstanden ist. Jan Brueghel d. J. arbeitete damals in der Werkstatt seines zum Hofmaler ernannten Vaters, die er nach dessen Tod übernahm.

Unter den Highlights befinden sich auch viele bedeutende Werke mit christlicher Thematik, wie diese auf einer nur 22,6 x 26,2 cm messenden Holztafel ausgeführten Verkündigung an Maria, die seit den 1930er Jahren Lucas Cranach dem Älteren und dessen Werkstatt zugeschrieben wird. Untermauert wurde dies im April dieses Jahres durch eine kunsttechnologische Untersuchung, die ergab, dass die Vorzeichnung vom Meister selbst stammt, während die Malerei von einem Mitarbeiter ausgeführt wurde.

Von einem Kölner Meister wurde um 1450, ebenfalls auf Holz, diese Anbetung der Könige geschaffen. Die Tafel war einst Teil eines Triptychons, dessen weitere Tafeln sich heute in Museen wie der Pinakothek in München und dem Wallraf-Richartz-Museum in Köln befinden. Ein schönes Beispiel für die spätmittelalterliche Malerei, deren Meister zwar noch Blattgold verwendeten, Metallgegenstände aber bereits nur durch den Einsatz von Farbe zu glänzen bringen konnten.

Zur Erneuerung der venezianischen Malerei in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts trug der Maler Giovanni da Bologna bei, dessen einziges Werk, das sich in Privatbesitz befindet, nun bei Lempertz zum Aufruf kommt. Bei der gleichermaßen seltenen wie auch herausragenden Kreuzigungsszene des norditalienischen Meisters handelte es sich um einen bedeutenden Auftrag, was durch die Verwendung von Gold und Lapislazuli unterstrichen wird.

Vom Meister der Stockholm Pietà stammt diese Darstellung der mystischen Vermählung der Heiligen Katharina mit Christus. Die in der christlichen Malerei beliebte Szene stellt entweder die Heilige Katharina von Alexandrien oder die Heilige Katharina von Siena dar. In diesem Fall ist es die Erstgenannte, erkennbar an ihren prachtvollen Gewändern und dem Palmzweig. Die Heilige Katharina von Siena wird hingegen im Habit einer dominikanischen Nonne dargestellt.

Von Giovanni Grubacs, einem der bedeutendsten Vedutenmaler Venedigs im 19. Jahrhundert, kommen drei Nachtansichten (zwei davon unter einer Losnummer) der Lagunenstadt zum Aufruf, die das jährlich am 3. Juli stattfindende Redentore-Fest zum Thema haben. Das Fest, wie auch die im späten 16. Jahrhundert errichtete Kirche Il Redentore (Erlöserkirche) erinnern an die Befreiung von der Pest, der 50.000 Einwohner Venedigs zum Opfer gefallen waren.
Die Kunstgewerbe-Auktion am 4. Juni (12 Uhr) kann gleichermaßen mit hoher Qualität und Vielfalt aufwarten.

So kommt mit einem sechsstelligen Schätzpreis dieses einzigartige und museale Schatuellenpaar zum Aufruf, das um 1755-60 vom Neuwieder Ebenisten Abraham Roentgen ausgeführt wurde. Die aus Palisander, Kirche, Olive und Eiche gefertigten Schatullen verfügen jeweils über einen per Druckknopf zu öffnenden flachen Geheimschub in ihrer Basis.

Unter den Porzellan-Losen sind Stücke aus der Manufaktur Meissen besonders gut vertreten, darunter dieses bedeutende Figurenpaar, dass um 1750 von Johann Joachim Kaendler und Peter Reinicke entworfen wurde. Das ungarische Paar verfügt über ein polychromes Emailledekor und ist teilweise versilbert und vergoldet.

Ebenfalls mit einem farbigen Emailledekor wurde diese Vase aus der Kaiserlichen Porzellanmanufaktur in Sankt Petersburg ausgestattet. Das Motiv mit den vier Kirgisen zu Pferde stammt vom französischen Künstler Jacques François Joseph Swebach Desfontaines, der bereits für die Manufaktur in Sevrès gearbeitet hatte, bevor er 1815 künstlerischer Leiter der russischen Manufaktur wurde.

Um eine hochinteressante Arbeit handelt es sich auch bei diesem Baseler Büttenmann aus Obstholz und teilweise vergoldetem Silber von ca. 1660. Schöpfer der silbernen Bütte und der Plinste war der Goldschmied Hans Heinrich Oberried. Welcher Bildschnitzer sich hinter dem Monogramm „HS“ verbirgt, konnte bislang noch nicht festgestellt werden.

Die vollplastisch geschnitzte Elfenbeinfigur Herkules im Kampf mit der Hydra, die vor 1644 in Süddeutschland oder Österreich ausgeführt wurde, geht auf eine von Papst Francesco I. 1576 in Auftrag gegebene Silberarbeit zurück, die heute nicht mehr erhalten ist, jedoch im Laufe der Zeit häufig kopiert worden war. Der Sockel aus ebonisiertem Hartholz der vorliegenden Figur stammt aus dem späten 17. oder dem 18. Jahrhundert und ist mit einem Elfenbeinrelief verziert, das Merkur sowie die Allegorien der Tugenden und Laster darstellt.
Mit diesen dreidimensionalen Arbeiten möchten wir abschließen auch auf die Skulpturen-Auktion hinweisen, die am 5. Juni um 14 Uhr den Abschluss der Auktionsreihe bildet.
Die Versteigerungen finden im Kunsthaus Lempertz, Neumarkt 3, in Köln statt. Vorbesichtigungen können dort nur nach Terminvereinbarung vorgenommen werden.
Alle Lose können Sie aber auch gleich hier bei Barnebys entdecken.
