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Magazin/Porzellan/Weißes Gold aus Meißen: Wie Porzellan europäisch wurde

Weißes Gold aus Meißen: Wie Porzellan europäisch wurde

Aufwändig verziertes Porzellan ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie Kunst unser Leben bereichert. Lange Zeit war man in Europa auf Importware aus dem Ursprungsland China angewiesen, bevor eine eigene Produktion beginnen konnte. Erfahren Sie mehr darüber, wie aus dem "weißen Gold" aus China ein Europäer wurde!

22. Februar 2018
Detail einer Meissener Pracht-Deckelvasen mit Vogelkäfig und Schneeballblüten aus dem 19. Jahrhundert nach einem Modell von Johann Joachim Kändler um 1760 | Foto: © Dorotheum

Detail einer Meissener Pracht-Deckelvasen mit Vogelkäfig und Schneeballblüten aus dem 19. Jahrhundert nach einem Modell von Johann Joachim Kändler um 1760 | Foto: © Dorotheum

"Der Zweck der Kunst ist es, den Staub unseres täglichen Lebens von unseren Seelen zu waschen" - Pablo Picasso

Mit diesem Zitat im Hinterkopf wollen wir einmal über die Kunst in unserem täglichen Leben nachdenken. Meist fallen einem dazu Gemälde an den hohen Wänden eines Museums ein, oder eine Skulptur auf einem Sockel, oder manch anderes, das wohl verwahrt hinter den Glasscheiben einer Vitrine auf Besucher wartet.

Heue gewinnt modernes Design mehr und mehr an Bedeutung. Dennoch denken wir nur selten darüber nach, welche Rolle Kunst in unserem Alltag eigentlich spielt. Viele Dinge wählen wir nicht nur wegen ihrer Funktionalität aus, sondern auch wegen ihres Aussehens. Mit Sicherheit zielte Picasso - der nicht nur Gemälde sondern auf Keramik schuf - mit seiner Aussage auf eine verbesserte Lebensqualität ab. Und warum sollten wir das nicht tatsächlich ganz bewusst tun und Kunst ein Teil unseres Alltags werden lassen? Fangen wir am besten gleich am Frühstückstisch damit an!

Und hier kommt das Meissener Porzellan ins Spiel.

August der Starke von Sachsen und Polen gab im Jahr 1710 den Befehl zur Gründung einer "Königlich-Polnischen und Kurfürstlich-Sächsischen Porzellan-Manufaktur" in Dresden | Foto: Wikimedia Commons

Die Erfindung des europäischen Porzellans

Seit über 300 Jahren werden in der Porzellanmanufaktur in Meißen feinste Objekte aus Porzellan hergestellt. Und nicht nur das! Tatsächlich ist der Betrieb in Sachsen der älteste in Europa, der dieses Kunsthandwerk ausführte, denn dort war man dem Geheimnis der chinesischen Porzellanherstellung zu Beginn des 18. Jahrhunderts auf die Schliche gekommen. 1710 konnte der sächsische Kurfürst und polnische König August der Starke schließlich die Erfindung des europäischen Porzellans durch den Alchemisten Johann Friedrich Böttger verkünden und die Manufaktur in Meißen gründen.

Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum europäischen Porzellan: 1706 entwickelte Johann Friedrich Böttger das rotbraune Feinsteinzeug, das nach ihm benannt wurde | Foto: © Koller

Sachsen war damit von den teuren Porzellanimporten aus China, die Europa seit dem 13. Jahrhundert erreichten, unabhängig geworden. Auch in Sachsen wurde das Geheimnis der Porzellanherstellung von den sogenannten Arkanisten streng gehütet. Dennoch kam es wie es kommen musste: Die Rezeptur gelangte nach Wien, wo bereits 1718 eine eigene Manufaktur entstand. Weitere folgten in Europa, darunter 1726 Röstrand in Stockholm, 1739/56 Sèvres, 1744 Sankt Petersburg, 1763 KPM Berlin, oft im Namen des jeweiligen Herrscherhauses, denn Porzellan war nicht nur ein Kunst- sondern auch ein Prestigeobjekt, das gerne als wertvolles und repräsentatives Geschenk diente.

Detail einer Meissener Pracht-Deckelvasen mit Vogelkäfig und Schneeballblüten aus dem 19. Jahrhundert nach einem Modell von Johann Joachim Kändler um 1760. Zusammen mit einem Pendant wurde die Vase 2016 für 247.000 Euro versteigert | Foto: © Dorotheum

Handwerk mit Tradition

Das Porzellan aus Meißen hat bis heute seine hohe Qualität und sein ihm innewohnendes Prestige erhalten können. Trotz diverser Rückschläge im Laufe seiner Geschichte, was Formensprache und Verkaufszahlen betrifft, hat es die Manufaktur es immer wieder geschafft, sich neu zu erfinden. So geschehen zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als der Jugendstil mit seinen leichten Dekors Einzug in Meißen hielt.

Blick in die Fertigung der Manufaktur Meissen im Jahr 1899 | Foto: Global Blue

Auch heute noch wird das Meissener Porzellan traditionell von Hand geformt und bemalt. Um all die geforderten Technologien beherrschen zu können, ist eine dreijährige Ausbildungszeit erforderlich. Auch bedarf es einer langen Berufserfahrung, um der breiten Palette, die die Manufaktur im Angebot hat, gerecht werden zu können. Beherrscht werden müssen sowohl die klassischen Rokokodesigns der ersten Blütezeit im 18. Jahrhundert wie auch die modernen Serien und limitierten Objekte. Trotz oder gerade wegen der geforderten Kenntnisse gehört eine Arbeitsstelle in der Manufaktur  in Meißen zu den gefragtesten für Porzellandekorateure.

Kleine Terrine aus dem Schwanenservice, das 1737-42 für den sächsischen Premierminister Heinrich Graf von Brühl angefertigt wurde | Foto: © Lempertz

Klassisch und modern

Die breite Palette hochqualitativer und zeitloser Designs ist es, die Meissner Porzellan so anziehen für Sammler und Porzellanliebhaber macht. Besonders begehrt und kostbar sind natürlich jene Objekte, die im 18. Jahrhundert nach Modellen von Porzellankünstlern wie Johann Joachim Kändler geformt wurden. Viele dieser frühen Stücke, Vasen, Service und Figuren, wurden im Auftrag vom sächsischen Kurfürsten selbst, Mitgliedern seiner Familie oder hohen Hof- und Staatsbeamten in Auftrag gegeben.

Meissener Service mit dem berühmten blauen Zwiebelmuster | Foto: © Christie's

Ein frühes Design, dass bereits 1730 in Meißen entwickelt wurde, ist das blaue Zwiebelmusterdekor. Es wurde nach chinesischen Vorbildern gestaltet und erinnert an das blaudekorierte Porzellan der Ming-Dynastie (1368-1644). Das Dekor wurde später von anderen Manufakturen ins Sortiment aufgenommen. In Meißen gehört es zu den ältesten, die auch heute noch hergestellt werden.

Weitere begehrte Sammlerobjekte stammen aus der neuen Blütezeit Meißens zur Zeit des Jugendstils. Bei den nach ihrem Erschaffer Konrad Hentschel benannten "Hentschel-Kinder" handelt es sich um eine Serie von 12 Kleinfiguren, die, bezaubernd in der Formensprache jener Epoche gestaltet, kleine Szenen aus dem Kinderalltag zeigen. Auch sie werden noch heute produziert, Originale aus der Zeit um 1900 haben einen hohen Sammlerwert.

Hentschel-Kind "Kind mit Puppe", Entwurf Konrad Hentschel 1904 | Foto: © Historia

Für all jene, die beim Kauf eines Services nicht auf historisches Design setzen, auf Qualität und Handwerkskunst aber nicht verzichten möchten, hat die Manufaktur Meißen moderne Serien im Angebot, darunter Stripes, Royale Blossom und Swords Luxury Gold.

Die Kehrseite

Um des unverwechselbarsten Kennzeichens des Meissener Porzellans ansichtig zu werden, ist es vonnöten, selbiges einmal auf den Kopf zu stellen: Die weltbekannte Schwertermarke.

Die Idee, die Stücke aus Meißen mit einer Marke zu versehen, kam nach der Gründung der Manufaktur in Wien auf, da Fälschungen nun nicht mehr auszuschließen waren. Die größte Sicherheit bot schließlich das 1720 eingeführte Unterglasurverfahren für den Farbauftrag.

Die Meissener Marken im Wandel der Zeit | Foto: © meissen.com

Die berühmten gekreuzten Schwerter waren jedoch nicht von Anfang an dabei. Die erste Marke bildeten die ineinander verschlungen Buchstaben A und R, was "Augustus Rex" bedeutet und auf den Gründer der Manufaktur, August den Starken, in dessen Funktion als König von Polen hin. 1723 wurden dann erstmals die Schwerter verwendet, nicht allein, sondern unter der Buchstabenfolge K.P.M., die für „Königlich-Polnische und Kurfürstlich-Sächsische Porzellanmanufaktur“ stand. Ab 1763 traten sie schließlich ihre "Alleinherrschaft" an, seit 1972 werden sie durch den Schriftzug "Meissen" ergänzt.

Zum Schluss

...bleibt festzuhalten, dass Porzellan aus der Meissner Manufaktur eine hervorragende Wahl darstellt, wenn man seinen Alltag durch qualitätsvolle und hochdekorative Kunstobjekte verschönern möchte - gerade so wie von Picasso gefordert.

Entdecken Sie Meissen bei Barnebys!

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