Welcher Kunst- und Antiquitäten-Fan träumt nicht davon, eine bemerkenswerte Entdeckung zu machen und diese dann mit einem ordentlichen Gewinn weiterzuverkaufen? Einem Sammler von Schallplatten und Midcentury-Möbeln ist diesen Sommer genau das passiert, als er in Michigan eine Haushaltsauflösung besuchte und an der Wand eines dunklen Flurs ein Gemälde mit Muscheln entdeckte, dessen Signatur ihn dazu brachte, es zu erwerben – für gerade einmal 30 US-Dollar.
Die Signatur lautete „Abercrombie“, ergänzt durch die Datierung „’51“. Dies brachte den Sammler auf die Spur von Gertrude Abercrombie (1909-1977), einer an der Schule des Art Institute of Chicago und der American Academy of Art ausgebildeten Malerin, die sich dem Surrealismus verschrieben hatte. Abercrombies Karriere als freischaffende Künstlerin begann 1932, ihre Hauptschaffenszeit war in den 1940er und 1950er Jahren. Neben der Malerei begeisterte sie sich für Jazz und war mit vielen Musikern ihrer Wahlheimatstadt Chicago befreundet.
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Wie es der Zufall wollte, machte die Wanderausstellung „Gertrude Abercrombie: The Whole World Is a Mystery“ im Sommer Station im Milwaukee Art Museum. Dort stieß der Entdecker auf einen Zeitungsausschnitt aus einer Ausgabe der Chicago Tribune von 1952, das neben seinem Gemälde auch die Originalmuscheln zeigte, die als Motiv gedient hatten. Schließlich wurde die Authentizität des Gemäldes von der führenden Abercrombie-Expertin Dr. Susan Weininger bestätigt.

Das Gemälde war im Jahr 1951 entstanden und zeigt Muscheln aus dem Besitz von Robert Merriam, einem Stadtrat des Chicagoer Stadtteils Hyde Park. Hyde Park befindet sich südlich des Stadtzentrums am Ufer des Michigan Sees und ist Standort der University of Chicago. Gertrude Abercrombie lebte und arbeitete in diesem akademisch geprägten Umfeld. Das vorliegende Gemälde, das als wichtiger Vorläufer ihrer späteren Muschelbilder gewertet werden darf, wurde 1952 und 1953 in Einzelausstellungen gezeigt. Die Künstlerin schenkte es Dr. John Reynolds aus Kalamazoo, Michigan und es blieb bis zu seiner Wiederentdeckung in diesem Sommer im Besitz von dessen Familie.
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Der Wiederentdecker entschied sich nun, das Gemälde zu verkaufen und wandte sich dafür an das Auktionshaus Freeman’s, das nicht nur ein Sponsor der Ausstellung in Milwaukee gewesen war, sondern auch eines der führenden Auktionshäuser für die Kunst von Gertrude Abercrombie ist. Bereits die dort vorgenommene Schätzung für die Auktion am 1. Oktober übertraf die 30 US-Dollar, für die Alderman Merriam's Shells erworben worden war, um Längen und lag bei 150.000-250.000 US-Dollar.

Der Startpreis in der Auktion lag bei 80.000 US-Dollar, die jedoch schnell in Vergessenheit gerieten, als fünf Telefon- und zahlreiche Onlinebieter die Gebote in die Höhe trieben. Der Hammer fiel schließlich bei 1.060.000 US-Dollar. Dies war das erste Mal, dass ein Werk von Gertrude Abercrombie einen Hammerpreis von über 1 Million US-Dollar für sich verbuchen konnte. Inklusive Käuferaufgeld beläuft sich die Verkaufssumme auf 1.352.600 US-Dollar, was einem neuen Auktionsrekord für die amerikanische Surrealistin entspricht.
Dazu Zack Wirsum, Senior Vice President, Head of Department, Post War & Contemporary Art bei Freeman’s: „Kein Märchen wäre komplett ohne ein Happy End, und der Verkauf von Gertrude Abercrombies Werk Alderman Merriam's Shells zu einem neuen Auktionsrekord ist ein solches Bilderbuch-Ende par excellence. So sehr wir uns auch freuen, den Rekordpreis für eine Künstlerin erzielt zu haben, die wir schon lange fördern, so sehr freuen wir uns auch für unseren aufmerksamen Einlieferer, der dieses Meisterwerk davor bewahrt hat, für immer in Vergessenheit zu geraten. Ich liebe es, wenn guten Menschen Gutes widerfährt und sich eine Geschichte in der Realität genau so entfaltet, wie wir sie uns ausgemalt haben.“
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In den letzten Jahren haben Werke von Gertrude Abercrombie kontinuierlich neue Rekorde für ihre Schöpferin erzielt: 2021 versteigerte Sotheby’s Giraffe (1954) für 365.400 US-Dollar; 2022 folgte The Dinosaur (1964) bei Freeman’s für 387.500 US-Dollar und 2024 The Magician (1956) – ebenfalls bei Freeman’s – für 469.900 US-Dollar. 2024 war Bonhams an der Reihe und versteigerte Silo at Aledo (1953) für 864.100 US-Dollar, bevor Sotheby’s 2025 erstmals die Millionengrenze überschritt und Message for Mercy (1950) für 1.016.000 US-Dollar verkaufte.
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