Im Gespräch mit Lasse H. Andersen...

...der im Alter von 13 Jahren begann, Möbel von Hans J. Wegner zu sammeln und so zum Experten für dänisches Mid-Century-Design wurde. Diese Sammlung konnte Andersen nun erfolgreich bei Bukowskis versteigern.

Im Gespräch mit Lasse H. Andersen...

Ende August wurden bei Bukowskis 140 Objekte der Wegner-Sammlung von Lasse H. Andersen online versteigert. Die Begeisterung für die Entwürfe des dänischen Designers Hans J. Wegner erfasste Andersen 1993 im zarten Alter von 13 Jahren vor einem Schaufenster in Helsingör. Zwei Stunden lang musste seine Familie mit ihm damals im Regen ausharren, bis das Antiquitätengeschäft seine Türen öffnete und Lasse endlich mit Wegners Heart Chairs auf Tuchfühlung gehen konnte (seine Mutter hielt ihn tatsächlich für ein wenig verrückt). Gleich nach Ende der Onlineauktion nahm sich Andersen die Zeit mit uns zu sprechen - und vor allem über dänisches Möbeldesign zu philosophieren.

Lasse H. Andersen feiert die erfolgreiche Versteigerung seiner Wegner-Sammlung | Foto: privat
Lasse H. Andersen feiert die erfolgreiche Versteigerung seiner Wegner-Sammlung | Foto: privat

Wie fühlst du dich jetzt?

Die Auktion war brillant. Ich weiß nicht, wie oft ich im Laufe der Jahre versucht habe, mir vorzustellen, wie das sein würde. Meine Zusammenarbeit mit Bukowskis hat alle Erwartungen erfüllt. Seit ich sammle, war es mein Ziel, ein Museum mit dänischem Design zu schaffen. Jetzt war es eine Auktion, bei der ich die Gelegenheit hatte, die Geschichte von Hans J. Wegner zu erzählen. Ich bin sehr sehr zufrieden und sehr sehr stolz.

Dieser Papierkorb von Hans J. Wegner war 1993 das erste Stück des Designers, das Lasse H- Andersen bei einer Auktion erwarb | Foto: Bukowskis
Dieser Papierkorb von Hans J. Wegner war 1993 das erste Stück des Designers, das Lasse H- Andersen bei einer Auktion erwarb | Foto: Bukowskis

Denkst du, dass du als Sammler vielleicht ein wenig verrückt bist?

Vielleicht? Mein erster Wegner war ein Y Chair, den ich geschenkt bekam. Das erste, was ich mir selbst gekauft habe, waren der Papierkorb, der jetzt ebenfalls bei der Auktion versteigert wurde. Vielleicht es diese Zutat, die den Prozentsatz über der Bewertung erhöhte - es beweist, dass Kontexte und Sammlungen eine Anziehungskraft haben. Zu entdecken, dass man ein Sammler ist, ist etwas Besonderes. Es ist schwer zu erklären, aber dort, im Regen in Helsingör, habe ich mich verliebt. Mein Cousin, der DJ ist, hatte das gleiche Gefühl, als er zum ersten Mal Nirvanas Smells like teen spirit hörte. Es war eine Tür, die sich öffnete und ich freue mich, mein Interesse und all diese erstaunlichen Geschichten mit anderen zu teilen.

"Ich habe mich in Möbel verliebt. Mein Cousin, der DJ ist, hatte das gleiche Gefühl, als er zum ersten Mal Nirvanas Smells like teen spirit hörte. Es war eine Tür, die sich öffnete."

Haben deine Eltern dein Interesse geteilt?

Sie waren definitiv interessiert. Ein wichtiger Teil meines Sammelns war, die Entwicklung der Beziehung zwischen meinem Vater und mir. Wir haben gemeinsam gekauft, restauriert und sind an die seltsamsten Orte gereist. Meine Sammlung hat uns definitiv näher zusammen gebracht. In der Auktion wurde auch eine spezielle Außenleuchte von Wegner versteigert, von denen ich insgesamt 19 Stück gesammelt habe. 18 von ihnen sind im Museum in Wegners Geburtsort Tønder ausgestellt. Mein Vater war daran von Anfang an beteiligt und hat miterlebt, wie die Sammlung von einem Hobby zu etwas gewachsen ist, das ich gerne mit anderen teile.

Jonatan Jahn, Experte für Design und modernes Kunsthandwerk bei Bukowskis und Sammler Lasse H. Andersen
Jonatan Jahn, Experte für Design und modernes Kunsthandwerk bei Bukowskis und Sammler Lasse H. Andersen

Gibt es ein öffentliches Interesse?

Vielleicht war diese Art des Verkaufs der richtige Weg, es zu wecken? Die Objekte sind jetzt in schwedischen Privatsammlungen und in Sammlungen in Japan und Amerika. Ich bin Ich bin super froh, dass wir es online gemacht haben, es war ein Marketingerfolg. Es hat den Geschichten und der Sammlung Flügel verliehen und auf der ganzen Welt bekannt gemacht. Im Frühjahr werde ich drei Sammlungen in meinem Online-Museum präsentieren, das in Kürze an den Start gehen wird. Jeder geht heute im Internet auf diese Suche, wo Informationen einfach zugänglich sind. Bei meinen Nachforschungen habe ich mit Leuten gesprochen, die mit Designern und deren Familien zusammen gearbeitet haben. Auf diesem Weg entdeckt man Geschichten und Zusammenhänge, die einem sonst entgangen wären. Das Interesse ist groß und ich denke, wir in Skandinavien sollten uns noch besser darum kümmern: Auf höherer Ebene Treffpunkte und Museen schaffen, die den Tourismus ankurbeln und den Absatz neu hergestellter Werke steigern. Genauso sicher bin ich mir, dass ein Interesse an privaten Sammlern besteht - allein die Geschichten, die ich über einige dänische Designer ans Tageslicht befördert habe, wären ohne meine Bemühungen nicht erzählt worden. Wie viele solcher unerzählten Geschichten gibt es wohl auf der ganzen Welt?

Vermisst du die verkauften Stücke bereits?

Sogar mehr als erwartet. Sie waren meine Kinder. Seit meiner Jugend haben mich die Möbel begleitet. Aber nun ist es so, als wären sie erwachsen geworden und hätten ihr Elternhaus verlassen. Ich werde sie vermissen. Ein Sammler in Japan schickte eine SMS, in der er mir mitteilte, dass er eines der Objekte gekauft habe. Es fühlt sich gut an zu wissen, wo sie hinkommen und ich bin zufrieden mit der Storyline, die ich gemeinsam mit Bukowskis entwickelt hatte. Ich freue mich schon darauf, auf die eine oder andere Weise noch mehr Designgeschichte zu schreiben.

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