Obwohl skandinavische Möbel heute allgemein als der Inbegriff modernen Designs gelten, sind es vor allem die ikonischen Entwürfe von Hans J. Wegner, die die Titelseiten entsprechender Magazine zieren. Einen gewaltigen Push seines Ruhms gab es 1959 jenseits des Atlantiks, als Ricard Nixon und John F. Kennedy bei ihrer Fernsehdebatte zur Präsidentschaftswahl auf Stühlen Wegners Platz nahmen. Der Wunsch nach diesen Stühlen kam angeblich von Kennedy, der an chronischen Rückenschmerzen litt und diese Stühle als angenehm empfand. Jedenfalls konnte sich Wegner von da an international etablieren und den Kurs des Möbeldesigns für immer verändern.

Hans Wegner wurde 1914 in Tønder, einer kleinen Stadt im heutigen Süden Dänemarks, geboren. Bereits in jungen Jahren wusste er, was er später einmal machen wollte und machte sich schon früh mit den Geheimnissen der Tischlerei vertraut. Im Alter von 24 Jahren schloss Wegner sein Architekturstudium an der Kunstgewerbeschule in Kopenhagen ab.

Anschließend ließ sich Wegner an der Ostküste Jütlands nieder, wo er bis 1943 als Assistent von Erik Møller und Arne Jacobsen Möbel herstellte. Diese Arbeit an der Seite der beiden "Väter des dänsichen Designs" sollte schon bald Früchte tragen, als Wegner die Möglichkeit erhielt, sein Talent beim Entwurf für das neue Rathaus von Århus unter Beweis zu stellen.
Wegner blieb anschließend seinem Anspruch an den Minimalismus treu - was der richtige Weg war, bedenkt man, dass seine besten Entwürfe noch immer produziert und erfolgreich versteigert werden.

Um seinen eigenen Weg ungestört gehen zu können, gründete Wegner 1944 seine eigene Agentur. Bereits damals war ihm bewusst, wie wichtig es war, die richtigen Möbeltischler zu beschäftigen, so wie Meister Johannes Hansen, mit dem Wegner einige seiner Top-entwürfe umsetzte, darunter den Chair 501, auch einfach The Chair genannt, der bei der Kennedy-Nixon.Debatte für Furore sorgte.

Ein weiteres Erfolgsmodell Wegners war The Wishbone Chair (CH 24), ein Modell mit super klaren Linien. Auch dieser Entwurf wird noch immer durch den weltweit agierenden Hersteller Carl Hansen & Sønder gemeinsam mit 20 weiteren Möbelstücken des dänischen Designers hergestellt und verkauft.
Insgesamt hat Hans J. Wegner im Laufe seiner Karriere mehr als 450 Stühel und andere Möbelstücke entworfen, darunter so innovative Modelle wie der Peacock Chair und der Wing Chair sowie die Sessel OX und Papa Bear. Bei jedem Entwurf kombiniere Wegner Modernität, Leichtigkeit und Einfachheit. Dadurch wurde er zweifellos zu einem der bedeutendsten Vertreter des nordischen Deigns und und skandinavischen Stils - gemeinsam mit Finn Juhl, Arne Jacobsen, Paul Henningsen und Børge Mogensen. Dass hohe Qualität ebenfalls ein wichtiger Bestandteil dieser Design-Philosophie ist und war, steht außer Frage.

Im Laufe seiner langen Karriere wurde Hans J. Wegner mehrfahl ausgezeichnet: Er war Ehrenmitglied der Königlich-Dänsichen Akademie der Künste, gewann als erster den Lunningpreis und erhielt den 8. Internationalen Design Award sowie den Großen Preis der Mailand Triennale und die Eckersberg-Medaille. Wegner starb 2007 in alter von 92 Jahren. Viele seiner Entwürfe werden in Museen auf der ganzen Welt ausgestellt, darunter das MoMA in New York und Die Neue Sammlung in München, und werden erfolgreich auf Auktionen angeboten, wo die erzielten Preise teilweise im sechsstelligen Bereich liegen.


