1875 übernahm die Familie Hanstein die Leitung des dreißig Jahre zuvor gegründeten Auktionshauses Lempertz und hat die Zügel dort auch heute noch fest in der Hand, womit Lempertz das älteste Auktionshaus der Welt ist, das sich in Familienbesitz befindet. Wir haben mit Isabel Apiarius-Hanstein, Co-CEO und Expertin für zeitgenössische Kunst, gesprochen, die die nächste Generation des traditions- und erfolgreichen Unternehmens repräsentiert.
Barnebys: Isabel, Sie entstammen einer Familie, deren Mitglieder allesamt Experten des Kunstmarkts sind, und Sie wurden kürzlich neben Ihrem Vater zum Co-CEO von Lempertz ernannt. Wie gehen Sie an diese Rolle und die Zusammenarbeit mit Ihrer Familie heran?
Isabel Apiarius-Hanstein: Ich war schon seit vielen Jahren als Gesellschafterin bei Lempertz, bevor ich in der Abteilung für zeitgenössische Kunst operativ tätig wurde. Das gab mir die Möglichkeit, das Familienbusiness von zwei verschiedenen Perspektiven kennenzulernen – von innen und von außen. Abgesehen davon, ist das Geschäft schon seit ich denken kann, ein wichtiger Teil meines Lebens.
Die Zusammenarbeit mit meinem Vater gibt mir Selbstvertrauen, da ich seine unendliche Erfahrung aufnehmen und nutzen kann, um sowohl wichtige als auch alltägliche Entscheidungen treffen zu können. Alles in allem macht mir die Art und Weise, wie wir das Unternehmen als Co-Geschäftsführer leiten, wirklich Spaß.
Auf welche Entwicklungen, die Sie bei Lempertz einführen konnten, freuen Sie sich am meisten?
Unsere neueste Publikation À Jour macht mich ich sehr stolz und ich bin begeistert davon. Dieser digitale und gedruckte Newsletter informiert unsere Kunden über die Highlights der kommenden Auktionen in der nächsten Saison. Er weckt die Neugier und spricht gleichzeitig jüngere Kunden an.
Lempertz ist das älteste Auktionshaus der Welt, das sich noch in Familienbesitz befindet. Glauben Sie, dass sich dies angesichts der fortschreitenden Konsolidierung in der Branche jemals ändern wird, oder betrachten Sie dies als einen Ihrer größten Vorteile?
Ich bin hier, um zu bleiben!

Bevor Sie zu Lempertz kamen, waren Sie als Händlerin und Sammlerin auf dem Primärmarkt tätig. Verraten Sie uns, welche Art von Kunst Sie selbst besonders anzieht?
Die Arbeit auf dem Primärmarkt hat mir sehr viel Spaß gemacht, vor allem die Interaktion mit den Künstlern. Es ist wichtig, junge Künstler zu unterstützen. Deswegen interessiere ich mich wahrscheinlich auch so sehr für junge, zeitgenössische Kunst.
Sie entstammen einer Familie von Experten auf dem Auktionsmarkt. Hat das auch Einfluss auf Ihre eigene Sammeltätigkeit?
Ja, auf jeden Fall. Dadurch wird mir der Werdegang eines Künstlers noch bewusster. So wie ich aufgewachsen bin, konnte ich so viel Kunst erleben und so viele Künstler kennenlernen. Das halte ich wirklich für ein Privileg.
Der Sekundärmarkt ist einem ständigen Wandel unterlegen und extrem wettbewerbsintensiv. Welche herausragenden Trends haben Sie in den letzten Jahren beobachtet?
Zeitgenössische Kunst ist nun schon seit vielen Jahre im Fokus. Es gibt jedoch auch eine Art Drang in Kunst zu “investieren“, der zum Teil aus verschiedenen globalen Gründen wie der Pandemie, dem andauernden Krieg und der allgemeinen wirtschaftlichen Lage noch stärker wird. Kunst war schon immer ein Wert, der über die Zeit Bestand hat.
Vor Kurzem haben Sie die 59. Biennale in Venedig besucht. Welchen Pavillon und welchen Künstler würden Sie dieses Jahr empfehlen?
Für mich gibt es dieses Jahr zwei absolute Highlights auf der Biennale von Venedig: Sandra Vasquez de la Horra im Arsenale und Francis Alys im belgischen Pavillon.
Im vergangenen Jahr war Deutschland einer der am schnellsten wachsenden Märkte für Barnebys mit einem Anstieg der monatlichen Besucherzahlen von 60 Prozent. Haben sich deutsche Käufer schon immer für Auktionen interessiert oder hat sich das Verhalten in letzter Zeit geändert?
Der deutsche Markt ist traditionell sehr stark. Aufgrund der Digitalisierung der Auktionshäuser war der Umsatzrückgang während der Pandemie nicht so groß. Das Gegenteil ist der Fall, der Markt ist stärker als je zuvor.
In unserem Trendbericht für 2021 haben wir ein besonders starkes Interesse von Millennial-Käufern festgestellt. Sehen Sie diese Trends auch bei Lempertz?
Ja, das kann ich nur bestätigen.
Basierend auf Ihren Erkenntnissen und Erfahrungen auf dem Auktionsmarkt: Welchen Rat würden Sie jemanden geben, der zum ersten Mal bei einer Auktion kaufen möchte?
Ziehen Sie los und sprechen Sie mit den Experten. Lassen Sie sich erklären, was ein Objekt besonders interessant macht. Kaufen Sie nur, was Ihnen wirklich gefällt und bitte: Genießen Sie es einfach.
Wir danken Frau Isabel Apiarius-Hanstein für das Gespräch und wünschen ihr und dem Auktionshaus Lempertz weiterhin viel Erfolg!

