Gerade erst wurde eine seltene Erstausgabe der „Kinder- und Haus-Märchen“ in Köln für einen neuen Rekordpreis versteigert, da sorgen die Brüder Grimm erneut für Schlagzeilen. In diesem Fall jedoch nicht an der Ufern des Rheins, sondern an denen der Warthe im polnischen Poznań/Posen.
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In der Bibliothek der dortigen Adam-Mickiewicz-Universität (AMU) stießen Professorin Eliza Pieciul-Karmińska und Bibliothekarin Renata Wilgosiewicz-Skutecka nach einer sechsmonatigen Recherche im vergangenen Jahr auf 27 Bücher, die einst Teil der Privatbibliothek der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm gewesen waren. Dieser neuen Entdeckung war eine frühere vorausgegangen, bei der 2002 insgesamt sechs Bände aus ehemals Grimm’schen Besitz in der Inkunablensammlung der Universitätsbibliothek aufgespürt worden waren. Der jetzige Fund setzt sich ebenfalls aus Inkunablen, also Büchern aus der Frühzeit des Buchdrucks, sowie alten Drucken und Büchern aus der Zeit der berühmten „Märchen-Brüder“ zusammen.
Jacob (1785-1863) und Wilhelm Grimm (1786-1859) waren in erster Linie Volkskundler und Sprachwissenschaftler, die im Laufe ihrer langjährigen gemeinsamen Forschung eine äußerst umfangreiche Privatbibliothek mit rund 8.000 Bänden aus verschiedenen Epochen zusammengetragen hatten. Nach dem Tod Wilhelm Grimms überließ dessen Sohn die Sammlung seines Vaters und seines Onkels der Bibliothek der Humboldt-Universität in Berlin. Dort befinden sich noch heute die meisten dieser Bücher, jedoch nicht alle.
Wie die 27 wiederentdeckten Bände nach Posen gelangten, dafür kommen verschiedene Möglichkeiten in Frage. Einige könnten zu jenen Schenkungen gehören, die die Humboldt-Universität im späten 19. Jahrhundert der damaligen Kaiser-Wilhelm-Universität in Posen machte. Andere kamen gegen Ende des Zweiten Weltkriegs hinzu, als man in Berlin bedeutende Bestände aus Angst vor Luftangriffen auslagerte. Auch nach Kriegsende trafen noch Büchersendungen aus Berlin ein.
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„Der Fund hat einen enormen wissenschaftlichen, materiellen und kulturellen Wert“, erklärt Prof. Eliza Pieciul-Karmińska, die Forscherin an der AMU und Übersetzerin der Grimmschen Märchen ins Polnische ist.
Tatsächlich sind die Bücher aus der Privatbibliothek von Jacob und Wilhelm Grimm eine wichtige Quelle zur Arbeitsweise der beiden Brüder, da sie die Bände mit handschriftlichen Notizen versahen, die sie für ihre Forschung nutzten. Doch sogar ohne dieses „Extra“ sind einige der 27 wiederentdeckten Bücher sehr wertvoll, wie beispielsweise eine Erstausgabe des Schelmenromans Der abenteuerliche Simplicissimus von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen aus dem Jahr 1669.
Die Bücher werden nun digitalisiert und damit der Öffentlichkeit und weiteren Erforschung zugänglich gemacht. Und vielleicht kommen schon bald weitere spannende Wiederentdeckungen hinzu.
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