Am 2. März verstarb Ulay (eigentlich Frank Uwe Laysiepen) in Ljubljana, seine Wahlheimat seit mehr als zehn Jahren. In Erinnerung bleibt er als Provokateur und Pionier, dessen Kreativität die Kunstszene des 20. Jahrhunderts prägte. Seite an Seite mit seiner damaligen Lebensgefährtin Marina Abramović wurde die Performance-Kunst zu einem Teil seines Lebens.
Geboren am 30. November 1943 in Solingen als Sohn eines Nationalsozialisten, belastete ihn diese Herkunft so sehr, dass er schließlich auf seinen Namen und seine Staatangehörigkeit und gint Ende der 1960er Jahre nach Amsterdam, wo er sich für die Gegenkulturbewegung Provo interessierte. Ulay begann sich mit analoger Fotografie zu beschäftigen, anhand derer er die Konzepte von Körper von Körper und Identität untersuchte.

Am 30. November 1976, seinem 33. Geburtstag, lernte er die Frau kennen, die sein Leben und seine Kunst für immer verändern sollte: Marina Abramović. Sie trafen an jenem Tag in der Galerie de Appel in Amsterdam und sofort herrschte zwischen eine künstlerisches Verbundenheit, die sich schließlich zu einer Liebesgeschichte weiterentwickeln sollte.
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Zwischen 1976 und 1988 waren Ulay und Marina, manchmal im wahrsten Sinne des Wortes, unzertrennlich. Sie reisten durch Europa und kommunizierten durch ihre Performanceprojekte miteinander, aber auch mit Außenstehenden, woraus der Name Relation Work entstand. Sie erforschten die Grenzen der Geschlechterrollen genauso wie körperliche und mentale Belastbarkeit.
"Die künstlerische Ambiguität des Paares war etwas Einzigartiges, was dazu führte, dass die beiden heute fast Kultstatus als Künstler haben", sagt Pontus Silfverstolpe, Mitgründer von Barnebys.
Manche Paare kaufen Töpfe und Pfannen, wenn sie zusammenziehen. Ulay und ich begannen zu planen, wie wir gemeinsam Kunst machen könnten.
Infolgedessen kamen berühmte Performances zustande wie AAA-AAA über die Kraft des Schreiens, Breathing in / Breathing out (1977), eine Analyse der Dualität und Abhängigkeit von Liebenden, Imponderabilia in der Galleria d’Arte Moderna in Bologna, für die die beiden Künstler einander gegenüber in einem engen Türrahmen Aufstellung nahmen und die Besucher so zwangen, sich eng an ihnen vorbeischieben zu müssen, Relation in Time, wofür sie sich mit ihren Haaren aneinander banden sowie Nightsea Crossing, für die sie sich, so lange wie möglich schweigend, einander gegenüber auf einen Holztisch setzten.
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Auch die Trennung des Künstlerpaares wurde 1988 in einer Performance thematisiert: Für The Lovers trafen sich Ulay und Marina, aus jeweils der anderen Richtung kommend, auf der Mitte der Chinesischen Mauer und verabschiedeten sich voneinander. Nach der Trennung kam es zu einem jahrelangen Rechtsstreit über die Verwaltung der Urheberrechte der gemeinsamen Arbeit.
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Ulay kehrte zu seiner ersten Leidenschaft zurück, der Fotografie. Er mied konsumistische "Pop"-Themen und beschäftigte sich stattdessen mit Marginalisierung und Nationalismus. 2005 widmete er sich einem Projekt zum Thema Wasser, hob dieses als Grundelement des Lebens und in all seiner Schönheit hervor, konzentrierte sich aber gleichzeitig auf das Problem der immer knapper werdenden Trinkwasserressourcen. Die Arbeit gipfelte im Earth Water Catalogue, einer Online-Datenbank, in der Beiträge von Künstlern aus aller Welt zusammengetragen wurden, die ihre Wertschätzung und ihren Respekt für Wasser miteinander vereint. 2016 präsentierte die Schirn Kunsthalle in Frankfurt am Main mit der Einzelausstellung Ulay Life-Sized die erste große Retrospektive des Künstlers.

2010 trafen Marina Abramović und Ulay erneut bei Marinas berühmter Performance The Artist is Present im MoMA in New York aufeinander. Ulay war einer der vielen unterschiedlichen Menschen, die sich Abramović dabei jeden Tag still gegenübersetzten. Sie hielten sich an den Händen, während das Publikum dieses einzigartige Wiedersehen verfolgte und feierte.
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"Die Performance The Artist is Present war eine der stärksten und emotional aufgeladenen Kunstwerke, die in den 2000er Jahren geschaffen wurden", sagt Silfverstolpe. "Dank des digitalen Zeitalters bleibt es weiterhin verfügbar und zählt heute eine der meist gesehenen Performances der Welt."
Im folgenden Jahr wurde bei Ulay Krebs diagnostiziert. Mit Project Cancer, einem Dokumentarfilm von Damian Kozole aus dem Jahr 2013, gelang es ihm, seine Diagnose in Kunst umzuwandeln: Ulay zeichnet die wichtigsten Stationen seines Lebens nach und trifft Freunde zum letzten Abschied. Am 2. März 2020 starb Ulay schließlich im Alter von 76 Jahren in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana, die in den letzten 10 Jahren seine Wahlheimat gewesen war.

