Joseph Beuys (1921-1986) sorgte nicht nur mit seinen Aktionen für Aufsehen, sondern auch mit seinen Kunsttheorien. Ein zentraler Punkt war für Beuys die konsequente Erweiterung des Begriffes „Kunst“: für ihn konnte alles Kunst und jeder ein Künstler sein.
Die Kunst hat bereits gezeigt, dass sie die Probleme der Menschheit nicht lösen kann. Das ist jedoch nicht ihr Ende, sondern ihr Beginn.
1. Sein Hut war mehr als nur sein Markenzeichen
Denkt man an Joseph Beuys, hat man sofort einen Mann mit Anglerweste und Filzhut vor Augen. Vor allem letzterer war sein absolutes Markenzeichen, ohne das man den Künstler nur selten antraf. Doch war der Hut für ihn mehr als nur ein Markenzeichen. Er hatte auch eine Schutzfunktion für Beuys, der als Bordfunker bei der Luftwaffe im März 1944 abgeschossen worden war (gerne behauptete er später, von Tataren gesund gepflegt worden zu sein, indem sie ihn mit Fett einrieben, um ihn warmzuhalten). Von den Folgen des Absturzes, über den Beuys sagte, man habe ihn dadurch „zurecht geschossen“, blieb er ein Leben lang gezeichnet. Filz wurde auch zu einem seiner bevorzugten Materialien, das für ihn ein isolierendes und schützendes Element darstellte.
2. Er arbeitete mit Heinz Sielmann und am Kölner Dom
Seine Ausbildung zum Bordfunker erhielt Beuys in Posen durch den später als Tierfilme berühmt gewordenen Heinz Sielmann. Als er bereits Student an der Kunstakademie Düsseldorf war, arbeitete Beuys an Sielmanns Filmen über das Wild und die Avifauna der Lüneburger Heide, an der Ems und in Schleswig-Holstein mit.
Beuys war damals, ab 1947, Schüler von Bildhauer Ewald Mataré, dessen Meisterschüler er 1951 wurde. 1948 hatte Mataré den Auftrag für die Gestaltung der Türen des Südportals des Kölner Doms erhalten. Auch Joseph Beuys war an der Ausführung beteiligt und setzte einige Mosaike.
Lesen Sie auch: 10 berühmte Skulpturen der Kunstgeschichte
3. Er machte Werbung für Whisky
Für die documenta 7 in Kassel (1982) plante Beuys mit 7000 Eichen ein Großprojekt, das, wie der Name es bereits erahnen lässt, 7000 Eichen umfasste, die an unterschiedlichen Standorten in der Stadt gepflanzt wurden (was insgesamt fünf Jahre dauerte). Neben jedem Baum wurde ein Basaltblock aufgestellt, wodurch im Laufe der Zeit die Verschiebung der Proportionen dieser „sozialen Plastik“ sichtbar gemacht werden sollten.
Das Projekt war eine der teuersten Kunst-Aktionen seiner Zeit und sollte durch Spenden finanziert werden, wobei man für 500 DM einen der Basaltblöcke kaufte, um diesen gemeinsam mit einer Eiche aufzustellen. Weitere Unterstützung erfolgte durch eine New Yorker Kunststiftung sowie den Verkauf von Kunstwerken, die mit ihm befreundete Künstler, darunter auch Andy Warhol, dafür gespendet hatten. Für weitere Einnahmen sorgte Beuys selbst, indem er in einer Aktion ein Kunstwerk schuf und anschließend für fast 800.000 DM verkaufte. Außerdem flog er nach Japan, wo er Vorträge hielt und Werbung für einen Whisky machte, womit er 400.000 DM verdiente. Insgesamt kostete 7000 Eichen über 4 Millionen DM.
Lesen Sie auch: Andy Warhol: Der Papst des Pop noch immer on top

4. Zwei seiner Kunstwerke wurden nicht als solche erkannt und zerstört
Fett nahm in Beuys’ Werk eine besondere Stellung ein (siehe oben). 1958 begann er damit zu arbeiten und fünf Jahre später entstanden der Fettstuhl und die erste Fettecke, die ihn von da an in verschiedenen Aktionen und Situationen (und auch daheim) begleitete. So auch im Jahr 1982, als er eine Fettecke in seinem Atelier Raum 3 in der Düsseldorfer Akademie installierte. Einige Monate nach Beuys’ Tod im Januar 1986 entfernte der Hausmeister die Fettecke, woraufhin Beuys’ ehemaliger Meisterschüler und Mitarbeiter Johannes Stüttgen Klage einreichte, da Beuys das Werk ihm gewidmet haben soll. Stüttgen erhielt 40.000 DM Schadensersatz und durfte, die sich mittlerweile in einem Eimer befindende Fettecke behalten, die im Jahr 2014 in einer umstrittenen Aktion destilliert wurde.
Lesen Sie auch: Es ist Kunst und es ist weg: 10x Kunstraub in 100 Jahren
Der Hausmeister hatte die Fettecke nicht als Kunstwerk erkannt. Ebensowenig hatten zwei Mitglieder des SPD-Ortsvereins Leverkusen-Alkenrath, der 1973 im Museum Schloss Morsbroich ein Fest feierte, eine von Beuys mit Heftpflastern und Mullbinden versehende Säuglingsbadewanne als eines der dort ausgestellten Kunstwerke identifiziert. Stattdessen säuberten sie sie, um anschließend darin Gläser zu spülen. Dem Leihgeber, Verleger und Kunstsammler Lothar Schirmer, wurde ein Schadensersatz zugesprochen und Beuys stellte das Kunstwerk anhand von Fotografien so gut es ging wieder her.
5. Er war Familienvater
Bei all dem Trubel, den sein Leben als konsequenter Künstler mit sich brachte, war Joseph Beuys auch Familienvater. 1959 heiratete er Eva-Maria Wurmbach, die Kunsterziehung in Düsseldorf studierte. Die ersten beiden gemeinsamen Jahre lebte das Ehepaar in Evas Studentenbude und zog 1961 in die berühmte Atelierwohnung am Drakeplatz in Düsseldorf-Oberkassel. Der große Raum mit einer Fettecke in jeder Ecke war sowohl Wohn- und Arbeitszimmer sowie Spielzimmer für die beiden gemeinsamen Kinder Boien Wenzel (*1961) und Jessyka (*1964), die ihren Vater mit „Beuys“ ansprachen.










