Am 22. und 23. Juni öffnet Cambi Casa d’aste die Pforten seiner Mailänder Niederlassung in der Via San Marco 22 und bittet zur Auktion. Im Mittelpunkt steht dabei das 20. Jahrhundert, vertreten durch die Kataloge „Italienisches Glas und Keramik des 20. Jahrhunderts“ und „Fine Design“. Los geht es am 22. Juni mit der Glas- und Keramikofferte.

Als Top-Los ist hier diese außergewöhnliche kegelförmige Vase zu nennen, die von Fulvio Bianconi entworfen und von Venini ausgeführt wurde (Schätzpreis 30.000-40.000 Euro). Besonders gelungen ist hier das polychrome Dekor, durch dessen Gestaltung je nach Betrachtungswinkel unterschiedliche Farbeffekte erzielt werden. Bianconi war nicht der einzige Künstler oder designer, der für Venini entwarf. Auch Gio Ponti, Carlo Scarpa und Tyra Lundgren sowie später Ettore Sottsass und Tapio Wirkkala stellten ihr Talent der bedeutenden Glasmanufaktur zur Verfügung.

Ein weiteres besonderes Objekt von Venini ist diese von Tomaso Buzzi entworfene Vase mit asymmetrischer Öffnung aus der Serie Turchese e nero, die 1932 auf der XVIII. Biennale von Venedig präsentiert worden war und nur sehr selten auf dem Auktionsmarkt zu finden ist (Schätzpreis 25.000-30.000 Euro). Als Inspirationsquelle diente Buzzi ein persischer Silberkrug aus dem 10./11. Jahrhundert, der 1931 im Londoner Burlington House ausgestellt wurde und den Buzzi vermutlich in der von Ugo Ojetti gegründeten Kunstzeitschrift Dedalo gesehen hatte.

Ein weiteres Highlight des Katalogs ist die unglaubliche Vase von Benvenuto Barovier. Sie ist eines der seltenen Beispiele, bei denen die verschiedenen Techniken, mit denen die Barovier-Cousins zu Beginn des 20. Jahrhunderts experimentierten, deutlich zu erkennen sind (Schätzpreis 25.000-30.000 Euro). Die Gestaltung, die mehr an fernöstliches Porzellan denn an Murano-Glas erinnert, besteht vollständig aus einem Mosaik aus polychromen Fliesen auf einem lackrot leuchtenden Grund, der eindeutig von chinesischer Kunst inspiriert ist. Vor diesem fast homogenen Hintergrund heben sich die Blüten und Zweige so deutlich ab, dass sie wie ein Gemälde erscheinen.
Nicht unerwähnt bleiben dürfen auch die Majolika-Figur Jungfrau mit Ziege von Enrico Mazzolani (Schätzpreis 1.500-2.000 Euro) und eine große mundgeblasene Vase von Vittorio Zecchin (Schätzpreis 2.500-3.000 Euro).

Am 23. Juni wird der mit Spannung erwartete Cambi-Katalog „Fine Design“ versteigert, der Entwürfe bedeutender internationaler und italiensicher Designer vereint. Zu den interessantesten Losen gehört hier das Sofa Bazaar von Superstudio, eine Konstruktion aus Polyesterharz, doppelt gebogenen Glasfasern und Bezügen aus Acrylgewebe (Schätzpreis: 40.000-60.000 Euro). Seine visionäre Form machen Bazaar sowohl zu einer Wohnskulptur als auch zu einem Konversationsstück.

Ein weiteres bedeutendes Stück ist dieser seltene beleuchtete Spiegel (Modell 2044) mit breitem Rand aus Glas und Messing von Max Ingrand (Schätzpreis 20.000-30.000 Euro). Des Weiteren finden wir im Katalog zwei außergewöhnliche Stücke von Lichtdesigner Ingo Maurer, der ab 1966 Designs entwarf, die die Liebe zum Schönen mit einer tiefen Leidenschaft für technologische Lösungen vereinten.

Das außergewöhnlichste Los der Auktion ist Maurers Leuchtskulptur Golden Ribbon aus zwei handgeformten, vergoldeten Metallplatten (Schätzpreis 40.000-50.000 Euro). Jedes Golden Ribbon wurde mit einer Form und einem Schnitt hergestellt, weshalb jedes Exemplar der limitierten Auflage ein Unikat darstellt. Das vorliegende Exemplar war als Privatauftrag in Portofino angefertigt worden und misst ca. neun Meter. Die von Gold und Luxus inspirierte Skulptur in Form eines riesigen schwebenden Bandes, bewegt sich unabhängig on der Physik im Raum. Vielmehr erscheint sie natürlich und leicht und vermittelt so perfekt die Idee der Energie.

Alles andere als langweilig ist auch die in limitierter Auflage produzierte Deckenleuchte Porca Miseria! aus Metall und glasiertem Porzellan (Schätzpreis 40.000-50.000 Euro). Seinen ungewöhnlichen Namen, der sich mit „Heilige Sch*“ übersetzen lässt, hat das Objekt einem italienischen Besucher der Präsentation der Produktionsversion im Jahr 1994 zu verdanken. Er fand das komplexe Gebilde offenbar so erstaunlich, dass ihm ein herzhaftes „Porca Miseria“ entfuhr.
Abschließend möchten wir Sie auch noch auf den seltenen Couchtisch Cubo Tondo aus der Plurimi-Serie von Gabriella Crespi hinweisen (Schätzpreis 15.000-20.000 Euro). Das Stück aus lackiertem Holz und Messing ist ein perfektes Beispiel für den raffinierten, ja beinahe prophetischen Stil, mit dem Crespi ihrer Version einer Verbindung von Design und Mode Ausdruck verlieh. Für die aus einem aristokratischen Umfeld stammende Designerin hatten die Wahl bester Materialien, innovative Linien und hohe Handwerkskunst oberste Priorität.

