Am 23. Februar wurde im Auktionshaus Freeman's in Philadelphia ein Gemälde verkauft, das nicht nur drei Persönlichkeiten der Wiener Moderne vereint, sondern auch einen doppelten Rekord erzielen konnte.
Weißes Interieur wurde 1905 von Carl Moll, einem der Mitbegründer der Wiener Secession acht Jahre zuvor, in Öl auf eine ca. 1 x 1 m messende Leinwand gemalt. Ein schlichter Titel für ein im Grunde auch schlichtes Motiv, das jedoch viel zu erzählen hat.
Mit dem Gemälde nimmt Moll den Betrachter nämlich mit auf einen Besuch in eines der modernsten Wohnzimmer Wiens zu jener Zeit: das Wohnzimmer von Berta Zuckerkandl-Szeps (1864-1945), einer einflussreichen Salonnière, Journalistin, Kunstkritikern und unerschrockene Unterstützerin der Wiener Avantgarde jener Zeit.

Berta konnte als Tochter des Zeitungsverlegers Moritz Szeps bereits in ihrer Jugend Verbindungen zu allen Teilen der Gesellschaft knüpfen. Nach ihrer Vermählung mit dem angesehen Anatom Emil Zuckerkandl führte sie einen Salon, in dem sich namhafte Persönlichkeiten aus Politik, Medizin, Musik, Literatur und Kunst, darunter auch Gustav Klimt, Otto Wagner und Josef Hoffmann, trafen.
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Der Architekt und Designer Josef Hoffmann (1870-1956), ebenfalls ein Mitbegründer der Wiener Secession, war es auch, der das abgebildete Wohnzimmer entworfen hatte – ein Musterbeispiel für die Abkehr Hoffmann und der gesamten Secession von dem alten, überladenen Stil, der im späten 19. Jahrhunderts vorgeherrscht hatte, zu den klaren Linien des Jugendstils, die hier durch die Farbe Weiß in ihrer Schlichtheit noch betont werden.

Der Bildausschnitt und der Umstand, dass die Hausherrin, einen Blumenstrauß in einer Vase arrangierend, dem Betrachter den Rücken zugewandt hat, gibt dem Gemälde einen leicht voyeuristischen Charakter, erinnert aber auch ein wenig an ein Foto aus einer Homestory in einem heutigen Architektur-Magazin.
Neben dem Interieur von Hofmann dienen auch die asiatischen Kunstgegenstände auf den Regalen im Vordergrund als Identifizierungshilfe, denn Berta und Emil Zuckerkandl besaßen eine berühmte Asiatika-Sammlung. Auch damit waren sie damals absolut en vogue, wurde Europa ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von einer Japonismus-Welle überrollt, die großen Einfluss auf die Moderne hatte.
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Weißes Interieur wurde noch im Jahr seines Entstehens auf der Zweiten Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes in Berlin gezeigt, bevor es 1906 Teil der Ausstellung Wiener Werkstätte im Folkwang Museum in Essen war. Nachdem es 1908 auf der Kunstschau Wien ausgestellt worden war, verschwand es aus der Öffentlichkeit.
Um 1920 gelange es in den Besitz jener Frankfurter Familie, deren Nachfahren, seit den 1970er Jahren in Kalifornien ansässig, es jetzt bei Freeman's versteigern ließen. Angeboten mit einem Schätzpreis von 300.000-500.000 USD lockte Carl Molls Gemälde zwölf Bieter aus Österreich, Deutschland und den USA an. Am Ende wurde der Kampf zwischen zwei Interessenten aus Österreich und den USA ausgetragen, den der amerikanische Bieter mit einem Preis von 4.756.000 USD (inkl. Aufgeld) für sich entscheiden konnte. Weißes Interieur soll nun als Leihgabe im New Yorker Museum Neue Galerie ausgestellt werden.
Der erzielte Preis stellt nicht nur einen neuen Rekordpreis für Carl Moll, sondern auch für das 1805 gegründete Auktionshaus dar.
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