Ein acht Jahre dauernder Restitutionsfall wurde am 26. August abgeschlossen. Das im Stedelijk Museum in Amsterdam ausgestellte Gemälde Bild mit Häusern von Wassily Kandinsky wird an die Erben der ehemaligen jüdischen Besitzer zurückgeben. Dies entschied nun die Stadt Amsterdam, Eigentümerin des expressionistischen Werks.
Das Gemälde Kandinskys aus dem Jahr 1909 war im Oktober 1940 im Amsterdamer Auktionshaus Frederik Muller & Co. versteigert worden. Käufer war der damalige Leiter des Stedelijk Museums, David Röell. Während der Auktionskatalog lediglich „Besitz L., Amsterdam“ als Eigentümer nannte, förderten die späteren Nachforschungen des Museums die Namen der einstigen Besitzer zutage.

Bild mit Häusern war 1923 vom niederländisch-jüdischen Fabrikanten Emanuel Albert Lewenstein erworben worden. Bei seinem Tod im Jahr 1930 vermachte er es seiner Witwe Hedwig Lewenstein-Weijermann. Zum Zeitpunkt der Versteigerung war Hedwig Lewenstein-Weijermann bereits seit drei Jahren tot und das Bild war in den Besitz ihrer beiden Kinder Robert und Wilhelmine übergegangen. Wie und unter welchen Umständen das Gemälde in die Auktion gelangte, blieb jedoch unklar. Der verdacht einer Enteignung oder Zwangsversteigerung lag nah, nachdem die Niederlande seit Mai 1940 durch das nationalsozialistische Deutschland besetzt waren.
Aus diesem Grund wandten sich die Lewenstein-Erben, das Stedelijk Museum und die Stadt Amsterdam 2013 an das niederländische Restitutionskomitee, das den Fall näher untersuchen sollte. Das Komitee veröffentlichte 2018 schließlich das Ergebnis seiner Untersuchungen: das Gemälde könne im Museum bleiben, da sich kein Fehlverhalten seitens Museums nachweisen lasse, auch wenn ein Zusammenhang mit Repressalien durch die Nazis nicht vollkommen ausgeschlossen werden könne. Zudem sei das Interesse das Interesse der Museums und der Öffentlichkeit an dem Gemälde höher zu bewerten, als das der einstigen Besitzerfamilie.
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Die Erben zogen daraufhin vor Gericht, das im Dezember 2020 die Entscheidung des Komitees bestätigte. Das war jedoch noch nicht das Ende der Geschichte, denn nun entschied die Stadt Amsterdam selbst, Kandinskys Bild mit Häusern an die Erben der einstigen Besitzer zurückzugeben, um den Opfern des Zweiten Weltkriegs Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.

Ein beinahe identischer Resitutionsfall liegt seit 2015 dem Städtischen Lenbachhaus in München vor. Das dort seit 1972 ausgestellte Kandinsky-Gemälde Das bunte Leben von 1907 befand sich ebenfalls im Besitz der Lewensteins, bevor es 1940 in derselben Auktion wie Bild mit Häusern versteigert wurde. Eine Entscheidung steht hier noch aus, könnten aber durch die Ereignisse in Amsterdam möglicherweise nicht mehr lange auf sich warte lassen. Der Fall wird aktuell von der Limbach-Kommission geprüft.
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