Als studierter Betriebswirt, Diamantengutachter und öffentlich bestellter und vereidigter Versteigerer war Ferdinand Eppli bestens gerüstet, als er 2013 Mitglied der Geschäftsleitung des von seinem Vater gegründeten Auktionshauses in Stuttgart wurde. Seitdem arbeitet man dort generationsübergreifend daran, das Renommee des erfolgreichen Unternehmens weiter auszubauen.
Barnebys: Herr Eppli, Ihr Vater hat vor über 40 Jahren mit einem kleinen Geschäft angefangen, das auf den An- und Verkauf von antikem Schmuck spezialisiert war. Sind Sie bereits in jungen Jahren mit dem Beruf in Kontakt gekommen?
Ferdinand Eppli: Ja, ich bin tatsächlich sehr früh mit dem Auktionswesen und der Juwelierbranche in Berührung gekommen. Bereits als Schüler und Student habe ich in den Ferien und an den Wochenenden im elterlichen Betrieb mitgeholfen. Mit Anfang 20 habe ich, noch während meines Studiums, meine erste Auktion durchgeführt und war zur damaligen Zeit der jüngste Auktionator Deutschlands.
Heute ist Eppli eines der größten Auktionshäuser Süddeutschlands. Welche Meilensteine haben seinen Weg im Laufe der Jahre markiert?
Eppli hat bereits vor ca. 20 Jahren als eines der ersten Auktionshäuser die Kategorie Designerhandtaschen, -mode und -accessoires mit ins Sortiment aufgenommen. Neben dem Auktionshaus in Stuttgart Mitte und der Auktionshalle in der Nähe des Stuttgarter Flughafens, wurde dann ein eigenes Auktionshaus und Ladengeschäft im historischen Königsbau auf der Stuttgarter Königstraße speziell für diese Kategorie eröffnet.

In den Jahren 2016 und 2017 konnten wir uns dann endgültig als Marktführer in diesem Segment positionieren, indem wir Europas wohl größte Hermès-Handtaschensammlung mit insgesamt 120 Stück versteigern durften. Diese Auktion wurde von Kamerateams, Journalisten und Bietern aus der ganzen Welt begleitet.
Ein weiterer Meilenstein, die zu unserer Bekanntheit beigetragen hat, war eine Serie an Reportagen, die von Spiegel TV produziert wurden und noch werden. Drei Folgen der Sendung, die unseren Arbeitsalltag filmisch begleitet, liefen auf Sat1 und sechs weitere im PayTV.
Auf welche Ihrer Entwicklungen bei Eppli sind Sie besonders stolz?
Besonders stolz bin ich auf die Entwicklung unserer Uhrenabteilung, die auf einen Jahresumsatz von knapp 8 Millionen Euro angewachsen ist. Damit gehören wir zu Deutschlands umsatzstärksten Auktionshäusern im Bereich Vintage- und Luxusuhren.

Eppli ist ein Familienunternehmen, das Sie gemeinsam mit Ihrer Schwester Katharina, Ihrem Vater Franz und Ihrer Mutter Gabriele leiten. Welche Herausforderungen und Vorteile bringt es mit sich, wenn man so eng zusammenarbeitet?
Die Zusammenarbeit mit der Familie ist nicht immer einfach, da sich familiäre und geschäftliche Themen nicht immer trennen lassen. Das Unternehmen sitzt beim gemeinsamen Essen immer mit am Tisch. Allerdings gibt es in einem Familienunternehmen wie unserem auch vier Personen, die das Unternehmen behandeln wie ein Familienmitglied und sich tagtäglich dafür einsetzen, nicht nur gegenwärtig gute Zahlen aufweisen zu können, sondern vor allen Dingen den langfristigen Erfolg zu sichern. Das gibt es in dieser Form nur in inhabergeführten Unternehmen.

Der Sekundärmarkt unterliegt einem ständigen Wandel und es herrscht eine große Konkurrenz. Welche Trends sind Ihnen in den vergangenen Jahren besonders aufgefallen?
Die Trends auf dem Sekundärmarkt sind ganz klar Luxusprodukte der großen Marken. Die Bereiche Schmuck, Uhren und Handtaschen haben in den vergangenen Jahren enorm an Bedeutung gewonnen.
Im vergangenen Jahr war Deutschland mit einem Anstieg der monatlichen Besucherzahl um 60% einer der am schnellsten wachsenden Märkte bei Barnebys. Haben sich deutsche Käufer schon immer für Auktionen interessiert oder gab es kürzlich einen Wandel in ihrem Verhalten?
Nein, deutsche Käufer waren bisher eher skeptisch, was Auktionen angeht. Viele Menschen kennen diese Verkaufsform nur aus den Medien und waren der Meinung, dass es hier immer um Millionen-Objekte geht. In Frankreich, England und den USA haben Auktionen eher Tradition und gehören zur Verkaufslandschaft dazu.

Meiner Meinung nach gibt es für diesen Wandel auf dem deutschen Markt zwei Gründe: Der Pre-Owned-Boom, geprägt durch das Nachhaltigkeitsbewusstsein der jüngeren Generation und die Pandemie, die dazu geführt hat, dass das Mitbieten auf Hybrid- oder Onlineauktionen während mehrerer Lockdowns etwas Abwechslung gebracht hat.
In unserem Trend Report für 2022 ist uns besonders das steigende Interesse der Millennial-Käufer aufgefallen. Konnten Sie diese Entwicklung auch bei Eppli feststellen?
Ja, diesen Trend können wir zu 100 % bestätigen. Gerade unsere Kategorien Designerhandtaschen und Luxusuhren bringen uns ein neues Klientel von jungen Käufern mit hohem Markenbewusstsein.
Verteilt auf drei Auktionshäuser mit unterschiedlichen Schwerpunkten, wird der Hammer bei Eppli viermal im Monat geschwungen. Welchen Rat würden Sie jemandem geben, der zum ersten Mal auf einer Auktion etwas kaufen möchte?
Wenn Sie zum ersten Mal auf einer Auktion mitbieten und ein Objekt wirklich haben möchten, zögern Sie nicht zu sehr beim Bieten. Ihre Gegenbieter auf Auktionen sind oft Händler, die die Objekte später zum doppelten Preis weiterverkaufen. Somit ist der Preis auch dann noch attraktiv, wenn Sie das letzte Gebot des Händlers überboten haben.

Im September stehen bei Ihnen erneut die Best Of Auktionen auf dem Programm. Können Sie uns etwas darüber erzählen?
In den Monaten März und September (ab 2023 April und Oktober) stehen bei Eppli traditionsgemäß vier Best Of Auktionen in den Kategorien Schmuck & Edelsteine, Luxus- & Vintage-Uhren, Designermode & -accessoires, Kunst & Antiquitäten sowie Münzen, Briefmarken & Historika an. Wie der Name schon andeutet, handelt es sich bei den Exponaten, die hier angeboten werden, um das Beste, Hochwertigste, Kurioseste und Interessanteste, was in den Monaten seit der letzten Best Of Auktion bei Eppli eingeliefert wurde.
Diese Auktionen werden regelmäßig von Bietern aus der ganzen Welt persönlich oder per Live-Bid verfolgt und von Journalisten und der Presse begleitet. Eine Rarität, die im September herauszuheben ist, ist ein höchst seltenes Jugendstil-Ensemble aus einem Tablett einer Kanne und Bechern aus Edelkupfer und Edelmessing, das einmal Graf Ferdinand von Zeppelin gehört hat. Die Provenienz ist lückenlos überliefert und bestens dokumentiert.
Und zum Schluss: Was hält die Zukunft für Eppli bereit?
Unser Ziel ist es, unsere Marktposition als führendes Auktionshaus und führender Juwelier für Pre-Owned Schmuck, Uhren, Designermode, -handtaschen und -accessoires in Deutschland weiter auszubauen.
Wir danken Herrn Ferdinand Eppli für das Gespräch und wünschen ihm und dem Auktionshaus Eppli weiterhin viel Erfolg!



