Das wahre Geheimnis des Glücks liegt darin, sich wirklich für alle Details des täglichen Lebens zu interessieren.
1834 im Osten Londons geboren, erlebte William Morris eine idyllische und privilegierte Kindheit, in der jene Überzeugungen geprägt wurden, die seine spätere Karriere bestimmen sollten. Als Junge verbrachte Morris viel Zeit im Landhaus seiner Familie in Essex, wo er die umliegende Landschaft erkundete und Werke des Dichters Walter Scott las. Diese Erfahrungen erweckten in ihm eine Wertschätzung für die Natur und die historische Romantik und entwickelte eine starke Meinung hinsichtlich von Architektur und Design. Diese Überzeugungen waren beim 16-jährigen William Morris bereits so stark ausgeprägt, dass dieser sich 1851 weigerte, die dem Industriedesign gewidmete Weltausstellung in London zu besuchen, da er dies als zu unangenehm empfand.

Auch während seines Studiums in Oxford, wo er in dem Maler Edward Burne-Jones einen Freund fürs Leben fand, hielt er an seinen Meinungen fest. Die beiden schlossen sich der Studentengruppe The Brotherhood („Die Bruderschaft“) an, die sich dem mittelalterlichen Rittertum verschrieben hatte. Hier lernten sie die reformatorischen Werke von Thomas Carlyle, Charles Kingsley und John Ruskin kennen, deren Philosophie Arbeitsreformen, gezielte Bildung und Klassengleichheit behandelte. Dieser Kontext beeinflusste Morris’ eigene Kritik am aufstrebenden Industriesystem und dessen „unnatürlichen“ Produkten stark. Morris wurde schnell zu einem Verfechter der Bewahrung des Kunsthandwerks sowie des Umweltschutzes und des Sozialismus.
Lesen Sie auch: Von Neogotik und Ritterromantik - Mittelalterrevival im 19. Jahrhundert

1859 heiratete William Morris das Künstlermodell Jane Burden. Das Ehepaar zog aufs Land, um der Hektik Londons zu entfliehen. Ihr Zuhause wurde Red House, das zugleich ihr kreatives Projekt war. Morris blieb seinen Werten treu und wollte, dass das Haus vollständig von unabhängigen Designern erbaut und eingerichtet wird. Den Auftrag erhielt der Architekt Philip Webb, der ein vom Mittelalter inspiriertes Gebäude entwarf. Gemeinsam mit Künstlerfreunden wurden Möbel, Wanddekorationen und allerlei Haushalts- und Einrichtungsgegenstände hergestellt.
Lesen Sie auch: Rote Haare in der Kunst: Eine feurige Leidenschaft
Es war die Geburtsstunde der Idee eines Handwerksunternehmens für Innenausbau. Das Unternehmen wurde als Morris, Marshall, Faulkner & Co. bekannt und umfasste fast alle Handwerker, die an Red House mitgearbeitet hatten. Das Unternehmen ermöglichte es Morris, seine Liebe zum Design und seinen Anti-Industrialisierungsgeist auszuleben und sogar davon zu profitieren. Das Spezialgebiet waren Wandbehänge und -malereien. Alle Artikel waren selbstverständlich selbst entworfen und wurden von Hand gefertigt.

In den späten 1860er Jahren erhielten Morris, Marshall, Faulkner & Co. Aufträge vom South Kensington Museum, dem heutigen Victoria & Albert Museum, und dem St. James Palace. Diese äußerst prestigeträchtigen Projekte festigten effektiv den Ruf des Unternehmens in der Einrichtungsbranche des viktorianischen Englands und sind glücklicherweise bis heute erhalten.
Zusätzlich zu diesen Projekten begann Morris auch, andere Ventile für seine Leidenschaft und seine Überzeugungen zu erkunden, einschließlich des Schreibens seines epischen Gedichts The Earthly Paradise über die Anti-Industrialisierung. „Das irdische Paradies“ machte Morris zu einem der prominentesten Dichter seiner Zeit und zu einem noch gefragteren Designer.
Lesen Sie auch: Auktionsrekord für 45-GBP-Vase

1875 wurde Morris alleiniger Direktor und das Unternehmen zu Morris & Co., als das wir es heute kennen. Während dieser Zeit begann Morris mit der Entwicklung einer Reihe von bedruckten und gewebten Tapeten, die von englischen Gärten inspiriert waren. Es überrascht nicht, dass Morris historische Verfahren zum Drucken und Färben der Materialien erforschte und verwendete, um seine Produkte „von Grund auf neu“ herzustellen. Sein handwerklicher Entwicklungsprozess wurde zum Markenzeichen seiner Karriere. Morris ließ sich auch weiterhin von der Natur inspirieren und entwarf in den 1870er Jahren einige seiner beliebtesten Muster, darunter Marigold und Chrysanthemum.
Lesen Sie auch: Die Frau hinter einem der bekanntesten Muster der Welt

Als seine Werke immer beliebter wurden, expandierte Morris und eröffnete 1877 ein Geschäft mit sämtlichen der von ihm produzierten Waren in der Londoner Oxford Street. Sein Hauptziel war es, Verbrauchern ein One-Stop-Erlebnis zu bieten, um sie vom Kauf von Massenprodukten abzuhalten.
1881 erwarb Morris eine Textilfabrik, um sein Geschäft weiter auszubauen, während er seinen Produktionsprozess jedoch weiterhin genau im Auge behielt. Sein revolutionärer Schwerpunkt auf sorgfältiger Produktion und natürlicher Inspirationen gilt als Beginn des Arts & Crafts Movements, das sich bis in die 1920er Jahre erstreckte. Die dekorative Kunst stand hier im Mittelpunkt und die handgefertigte Objekte bildeten das Gegengewicht zu den populäreren industriell hergestellten Einrichtungsgegenständen.
Lesen Sie auch: Arts-and-Crafts-Schmuck: Eine reine Form der Kunst

Neben seinen ikonischen Entwürfen war Morris zu seiner Zeit auch für seine politischen Überzeugungen und Schriften bekannt. Er gründete sozialistische Vereine, ging auf Märsche und hielt Reden. Trotz seiner radikalen Überzeugungen hatte er aufgrund seines Status und seines Reichtums nur sehr wenige negative Konsequenzen. Morris konzentrierte sich schließlich mehr auf seine Schriften, die seinem Glauben an Sozialismus und Anti-Industrialismus gewidmet waren. Sein bekanntestes Werk bleibt sein utopischer Roman News From Nowhere von 1890, in dem er eine sozialistische Fantasiegesellschaft erforscht, in der jede Arbeit Spaß macht und kreativ ist. Morris blieb seiner Politik treu und gründete seine eigene Druckerei, um das Buch zu veröffentlichen, und druckte insgesamt sechsundsechzig Exemplare im mittelalterlichen Stil. Das Werk erhielt großen Beifall, ebenso die fein illustrierte Ausgabe der Canterbury Tales von Geoffrey Chaucer. Diese seltene Ausgabe wurde 1896 veröffentlicht, nur wenige Monate vor Morris' Tod.
Lesen Sie auch: Der meistverkaufte Roman aller Zeiten

Auch heute lebt das Vermächtnis von William Morris weiter: Von Kollaborationen mit globalen Modehändlern bis hin zu Kunstdrucken, die bei Amazon verkauft werden, die ikonischen Muster und Drucke, die Morris so sorgfältig kreiert hatte, sind einfach überall anzutreffen. Man kann sich leicht vorstellen, was Morris über die Massenproduktion seiner Werke zu sagen hätte…
Möchten Sie Artikel wie diesen direkt in Ihrem Posteingang entdecken? Dann melden Sie sich noch heute für unseren kostenlosen Newsletter an!
Originale sind weitaus seltener zu haben, auch auf dem Auktionsmarkt. Interessanterweise ist die aktuell teuerste Arbeit von Morris’ eine aus seiner Druckerei Kelmscott Press, genauer gesagt, das letzte Buch, dass dort 1898 gedruckt wurde. Es beinhaltet eine Beschreibung der Ziele Morris’ hinsichtlich der Gründung der Druckerei sowie detaillierte Illustrationen von Morris und Holzschnitte von Edward Burne-Jones. 2020 wurde es bei Christie’s für 40.000 GBP (44.680 Euro) verkauft. Davor war der Wandteppich Tapis Hammersmith, der 2013 bei Sotheby’s für 19.950 Euro den Besitzer gewechselt hatte, Morris’ teuerste Originalarbeit auf dem Auktionsmarkt gewesen.
Diese beeindruckenden Auktionszahlen sind ein Beweis für das Vermächtnis von William Morris, dessen außergewöhnliche Schöpfungen auch heute noch für jeden einen luxuriösen visuellen Zufluchtsort darstellen.
Entdecken Sie weitere Künstlerbiografien im Barnebys Magazin!









