Barnebys: Herr Schrade, 2004 initiierten Sie gemeinsam mit der Karlsruher Messe- und Kongress GmbH die art KARLSRUHE. Welche Idee steckte dahinter?
Ewald Karl Schrade: Als wir die Messe gründeten, gab es zwar neben Köln und Basel noch zwei weitere im deutschen Sprachraum, nämlich in Berlin und Frankfurt, doch im Sammlerland Baden-Württemberg fehlte ein Markt. Dabei war es mir von Anfang an wichtig, die Klassische Moderne und die Gegenwartskunst gemeinsam zu berücksichtigen und in den Dialog zu setzen. Ohne Geschichte keine Zukunft, so die Devise.

Was gibt es auf der Messe alles zu sehen? Welche Epochen oder Kunstgattungen sind vertreten?
Wir zeigen Kunst aus rund 120 Jahren, von Lovis Corinth über Pablo Picasso bis zu Otto Dix, von Ernst Ludwig Kirchner über Cy Twombly bis zu Gerhard Richter.

Auch allerjüngste Positionen sind vertreten. Vom Expressionismus über Pop Art, Informel und ZERO-Bewegung bis zum Werk von Gegenwartskünstlern, die jeder Sammler kennt, also beispielsweise Miriam Cahn, Katharina Grosse, Karin Kneffel, Neo Rauch und Anselm Reyle: Über 1.500 Namen sind dank der 210 Ausstellern aus 15 Ländern registriert.

Sie selbst sind schon lange als Galerist tätig. War die Gründung einer solchen Messe und die Arbeit als Kurator ein lang gehegter Wunsch oder eine Art Ergänzung zu Ihrem sonstigen Betätigungsfeld?
Ohne Messe-Teilnahmen ist eine erfolgreiche Galerie-Arbeit heutzutage kaum möglich. Diese Entwicklung zeichnete sich bereits früh ab. Als ich 1971, also vor knapp fünf Jahrzehnten, meine Galerie eröffnete, war ich sofort bereit, auch auszuschwärmen und anderorts, ob später in Basel oder in Köln, für meine Künstler aktiv zu werden. Eine Ergänzung zur üblichen Arbeit am Standort.

Herr Schrade, Sie sind mit Ihrer Galerie Schloss Mochental bei der art KARLSRUHE vertreten. Womit reisen Sie zur Messe an?
Ich werde in diesem Jahr, wie immer in Halle 2, Bilder und Skulpturen von einem Dutzend Künstler zeigen, darunter Maler der Konkreten Kunst wie Lothar Quinte und Antonio Marra, aber auch expressiv orientierte wie Klaus Fußmann und Bernd Zimmer. Aus der folgenden Generation werden Marion Eichmann und Christopher Lehmpfuhl vertreten sein. Und auf dem Skulpturenplatz gibt es Arbeiten von Jörg Wiele zu sehen.
Gibt es noch andere Galerien, auf deren Präsentation Sie sich besonders freuen?
Ja, natürlich. Ich freue mich auf alle anderen 209 Galerien, auf meine Kollegen, die solche Messe-Termine natürlich ebenfalls gerne zum Anlass nehmen, den Austausch in der Branche zu pflegen. Denn es verbinden uns schließlich viele Probleme, von der Mehrwertsteuer bis zu jüngsten gesetzlichen Regelungen, die den Kunsthandel in Deutschland belasten.

Es sind nicht nur Galerien und Händler auf der art KARLSRUHE vertreten, sondern auch Museen. Welche sind das und wie präsentieren sie sich?
In der Halle 1 der Messe Karlsruhe bieten wir alljährlich die sogenannte Museumsmeile, wo etliche öffentliche und private Sammlungen sowie Kunsthallen mit Informationsständen für ihre Häuser und Aktivitäten werben, darunter die Kunsthalle Mannheim, das Kunstmuseum Stuttgart, die Staatsgalerie Stuttgart, das Weltkulturerbe Völklinger Hütte sowie die Museen aus Basel und aus Straßburg. Selbstverständlich ist auch das ZKM beteiligt, das Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe.

Ein weiterer Teil der Messe sind die One-Artists-Shows. Was hat es damit auf sich und worauf darf man sich in diesem Jahr freuen?
Die beliebten One-Artists-Shows geben der art KARLSRUHE als Messe eine besondere Anmutung; sie dienen vor allem aber auch der Kunstvermittlung. Anhand umfangreicherer Präsentationen der einzelnen Künstler können die Aussteller besser kommunizieren, welche Botschaften im Werk stecken. Das Spektrum reicht in diesem Jahr von Francis Bacon über Daniel Spoerri bis zu Dietmar Brixy.

Auf der art KARLSRUHE werden mehrere Preise vergeben. Um welche handelt es sich?
Insgesamt werden während der Messetage drei Kunstpreise überreicht. Dank der L-Bank gibt es den mit 20.000 Euro dotierten Loth-Skulpturenpreis: Ein auf den Skulpturenplätzen ausstellender Galerist und der dort vertretene Künstler werden gemeinsam geehrt.

Nach diesem Verfahren wird von einer hochkarätig besetzten Jury auch der art-KARLSRUHE-Preis vergeben: Er würdigt die Arbeit eines Galeristen-Künstler-Duos im Rahmen der One-Artist-Shows. Das Preisgeld, immerhin 15.000 Euro, von Land und Stadt gestiftet, dient dem Erwerb von Kunstwerken für die art KARLSRUHE-Collection, beheimatet in der Städtischen Galerie in Karlsruhe.

Und schließlich kommt wieder der Hans Platschek Preis zur Verteilung, begleitet von einer Sonderschau. Als Einzel-Juror war diesmal Alexander Klar, der neue Direktor der Hamburger Kunsthalle, für die Platschek Stiftung tätig.
Wie sieht das Rahmenprogramm der Messe aus, und was wird Besuchern alles geboten?
Wir haben erneut eine große Sonderausstellung vorbereitet, diesmal der Stiftung und Sammlung des weltbekannten Siebdruckers und Sammlers Hans-Peter Haas gewidmet. Er hat mit vielen bedeutenden Künstlern zusammengearbeitet, von Salvador Dali bis Max Ernst, von Christo bis Victor Vasarely.

Obendrein zeigen wir bereits zum vierten Mal eine Übersichtsschau zur Druckgrafik, die auch jüngeren Sammlern die Chance gibt, preisgünstig den eigenen Zugang zur Kunst zu finden. Nicht zuletzt gehört zum Rahmenprogramm das traditionelle ARTIMA art meeting, eine zweitägige Diskussionsveranstaltung, in diesem Jahr dem Thema Skulptur und Kunst im öffentlichen Raum gewidmet.

Wie viel Zeit empfehlen Sie unseren interessierten Lesern, für einen Besuch bei der art KARLSRUHE einzuplanen?
Natürlich könnte jeder Besucher, der während der gesamten Messedauer vom 13. bis 16. Februar anwesend wäre, bis zur letzten Öffnungsstunde ständig etwas Neues entdecken. Denn es werden Tausende von Arbeiten ausgestellt und angeboten.

Weil wir die vier Hallen aber strukturiert haben und man sich auf der Website der Messe auf den Besuch gezielt vorbereiten kann, lässt sich der individuelle Messe-Rundgang auch an einem Tag bewältigen. Will man sich auch den kulturellen Angeboten in der Stadt widmen, müssen es schon zwei Tage sein.

Wir danken Herrn Ewald Karl Schrade für das Gespräch und wünschen ihm und allen anderen teilnehmenden Ausstellern eine erfolgreiche art KARLSRUHE 2020. Die internationale Messe für Klassische Moderne und Gegenwartskunst ist vom 13.-16. Februar in den Hallen der Messe Karlsruhe für interessierte Besucher geöffnet. Alle weiteren Informationen finden Sie hier.



