Am 1. Dezember präsentierte das Kölner Auktionshaus Lempertz seinen Evening Sale mit 72 Werken der modernen und zeitgenössischen Kunst. Angeführt wurde die Offerte von Hermann Max Pechsteins Selbstbildnis, liegend, das mit einem Schätzpreis in Höhe von 1,5-2 Millionen Euro zum Aufruf kam. Bieter aus Deutschland und der Schweiz bezeugten ihr Interesse, doch schließlich erhielt ein deutscher Privatsammler den Zuschlag, als der Hammer bei 3.036.000 Euro fiel. Inklusive Aufgeld liegt das Ergebnis bei 3.182.840 Euro, was dem zweithöchsten Preis entspricht, der jemals für ein Werk Pechsteins auf dem Auktionsmarkt gezahlt wurde.
Selbstbildnis, liegend ist ein frühes Hauptwerk und das bedeutendste Selbstporträt Pechsteins. Es ist zudem eines der ersten Beispiele für dessen Hinwendung zu einem von leuchtenden Farben bestimmten expressionistischen Stil, der den Höhepunkt seines Schaffens kennzeichnete.
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Das Gemälde entstand 1909 und ist von Pechsteins Eindrücken, die er in jenem Jahr während seines ersten Sommeraufenthalts in Nidden an der Kurischen Nehrung gesammelt hatte, geprägt. Mit gebräunter Haut und von der Sonne gebleichtem Haar malte er sich in der Kleidung der Ostseefischer, die ihm im Sommer wiederholt als Motiv gedient hatten – sogar ein Backenbart und eine Pfeife fehlen nicht.
Für sein Selbstbildnis wählte Pechstein, der seit 1906 Mitglied der Künstlergruppe „Brücke“ war, eine eher ungewöhnliche Position, die jedoch gleichzeitig den Malprozess an sich symbolisierte. So stellte sich Pechstein beim Entstehen des Gemäldes dar, mit der die Farben des Gemäldes aufgreifenden Palette in der einen und den auf die gerade noch erkennbare Leinwand treffenden Pinsel in der anderen Hand. Sein konzentrierter und selbstbewusster Blick ist auf etwas außerhalb des Bildes gerichtet, vermutlich auf einen Spiegel. Sein Körper bildet die Verbindung zwischen Palette und Leinwand – gewissermaßen wie eine Brücke.
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Selbstbildnis, liegend, Pechsteins erstes malerisches Selbstporträt, sollte eigentlich bereits im Juni bei Lempertz versteigert werden, musste aber kurzfristig zurückgezogen werden, nachdem das Gemälde am Tag der Auktion ins Lost Art-Register aufgenommen wurde. Dies geschah aufgrund des Antrags der Erben des ehemaligen Besitzers des Gemäldes. Der jüdische Internist Dr. med. Walter Blank hatte ab 1920 in Köln eine Sammlung mit expressionistischer Kunst aufgebaut, der auch Pechsteins bedeutendes Werk angehörte. Dieses verkaufte der im Jahr zuvor verwitwete Dr. Blank 1936 und emigrierte mit seinen beiden Söhnen nach Antwerpen. 1938 starb Dr. Walter Blank in Barcelona.
Die Kunsthaus Lempertz KG hatte bereits vorab der Juni-Auktion die Provenienz und Eigentumsrechtes des Gemäldes einer genauen Prüfung unterzogen, die die Einstufung aufgrund früherer Einigungen als Raubkunst ausschloss. Durch die Vermittlung des Auktionshauses zwischen Erben und Einlieferer konnte Pechsteins Meisterwerk nun ohne Einschränkungen versteigert werden.
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