„Exquisit“ ist wohl das beste Wort, mit dem sich die Offerte, mit der uns das Münchener Auktionshaus Hampel diesen Monat begeistert, beschreiben lässt. Über 1.100 ausgewählte Lose werden am Donnerstag, den 22. September, ab 10 Uhr zum Aufruf kommen, die Gemälde Alter Meister, des Impressionismus und der Moderne genauso umfassen wie Möbel, Skulpturen, Uhren und Schmuck. Hinzu kommen zwei Sammlungen, von denen eine aus spannenden Erinnerungsstücken an 90 Jahre Fußballgeschichte besteht.

In der eröffnenden Kategorie „Möbel & Einrichtung“ kommt gleich an zweiter Position eines der absoluten Top-Lose des Tages zum Aufruf. Gemeint ist diese bedeutende Louis XIV-Kommode mit Boulle-Marketerie, die den Stempel des Meister-Ebenisten Nicolas Sageot trägt. Sageot arbeitete häufig mit André-Charles Boulle zusammen, der diesen auch hier verwendeten aufwändigen Marketeriestil perfektioniert hatte. Zu ihren Kunden zählte nicht nur der französische Hof und Adel, sondern auch die schwedische Krone und der bayerische Kurfürst Maximilian II.
Die vierschübige Kommode verfügt über vergoldete Details, Zinneinlagen und die für den Boulle-Stil so typischen roten Schildpatt-Intarsien und kombiniert Grotesken mit Chinoiserien zu einem exotisch-fantasievollen Arrangement.

Auf das nächste Highlight stoßen wir gleich in der auf die Möbel folgenden Kategorie „Uhren“ in Gestalt einer vergoldeten Automaten-Turmuhr mit Glockenschlag, Wecker und beweglichen Figuren, die um 1630 vermutlich in Augsburg angefertigt wurde. Die im Aufsatz installierten Figuren werden vom Stundenschlagwerk in Bewegung gesetzt. Sie greifen den antiken Mythos um Aktäon auf, der die Göttin der Jagd, Diana, beim Baden überrascht und von ihr zur Strafe in einen Hirsch verwandelt wird, den schließlich die eigenen Hunden zerfleischen.
Nach „Skulpturen & Kunsthandwerk“ und einer bedeutenden norditalienischen Sammlung kommen in zwei Abschnitten Gemälde Alter Meister zum Aufruf.

Hier muss zunächst auf ein Werk von Pieter Brueghel d. J. hingewiesen werden, dass mit einem Katalogpreis von 800.000-1.200.000 Euro das preislich am höchsten geschätzte Los der Gesamtofferte darstellt. Der Bauernadvokat ist eine der bekanntesten Kompositionen des Malers, von der rund 25 Varianten existieren, die zwischen 1615 und 1630 in Brueghels Werkstatt entstanden. Das vorliegende Werk, das die gut besuchte Stube eines Advokaten zeigt, der sich von der ländlichen Bevölkerung auch schon mal in Naturalien bezahlen lässt, weist neben der Signatur „P. BRUEGHEL“ auch eine teilweise unleserliche Datierung aus den 1620er Jahren auf.

Auch dieses Gemälde von Giovanni Battista Tiepolo, das mit einer interessanten Entstehungsgeschichte punktet, darf keinesfalls unerwähnt bleiben. Es handelt sich um die Vorlage zu einem Gemälde, die Graf Francesco Algarotti, einer der Kunstagenten des sächsischen Kurfürsten und polnischen Königs August III., für seinen Auftraggeber 1743 bei Tiepolo bestellt hatte. Während die übrigen Werke heute erhalten sind und in Museen in Russland, Australien und den USA hängen, ist das fertige Gemälde zu dieser Vorlage verloren gegangen, nachdem Augusts Kunstsammlung nach seinem Tod versteigert werden musste, um die Staatsfinanzen, die durch den Siebjährigen Krieg und Augusts Mäzenatentum stark gelitten hatten, zu sanieren.

Nach bedeutenden Möbeln des 19. Jahrhunderts und Gemälden des 19./20. Jahrhunderts stehen Werke der Impressionisten und modernen Künstler auf dem Programm. Mit vier Arbeiten ist hier Eugène Boudin vertreten. Neben zwei Gemälden, bei denen die Maas bei Dordrecht im Mittelpunkt steht, sowie einem weiteren holländischen Motiv, kommt ein Gemälde mit einer Ansicht der nordfranzösischen Küstengemeinde Saint-Valery-sur-Somme zum Aufruf. Boudin, der einer der bedeutenden Vorläufer des Impressionismus war, stammte aus der normannischen Hafenstadt Honfleur und fand viele seiner Motive in jener Region.

Eine für Auguste Rodin ungewöhnliche sensible Arbeit kommt mit der Bronze Frère et sœur („Bruder und Schwester“) zum Aufruf. Die ersten Modelle dazu entstanden in den 1890er Jahren. Möglicherweise dienten Rodin seine Erinnerungen an den tragischen Verlust seiner Schwester Maria, die 1862 an einer Bauchfellentzündung gestorben war, als Inspirationsquelle. Marias Tod hatte den damals Einundzwanzigjährigen in eine Lebens- und Schaffenskrise gestürzt.
Nachdem ab 15 Uhr unter dem Titel „Living“ weitere dekorative Objekte wie Schmuck, Gemälde, Skulpturen und Kunsthandwerk zum Aufruf kommen, wird der spannende Auktionstag mit der Versteigerung der Fußballmemorabilia-Sammlung beendet.
Die Versteigerungen finden am 22. September im Auktionshaus Hampel, Schellingsstraße 44, in München statt. Vorbesichtigungen sind dort vom 17.-20. September möglich.
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