Im Rahmen des Forschungsprojekts Antiken-Rezeption und späthumanistisch aufgeklärte Kennerschaft: Georg Friedrich Brandes als Sammler von Drucken der Offizin des Venezianers Aldus Manutius nimmt ein Team unter der Leitung des Germanisten Professor Dr. Detlef Haberland seit Oktober 2020 die 263 Aldinen der Landesbibliothek im niedersächsischen Oldenburg erstmals genauer unter die Lupe. Dabei ist ihnen ein ganz besonderer Schatz in die Hände gefallen.
Aldinen, so werden die Erzeugnisse des venezianischen Buchdruckers Aldus Manutius (1449-1515) genannt, der besonders für das Drucken griechischer Texte der Antike berühmt war, wodurch er einen wichtigen Beitrag zur Wiederentdeckung der griechischen Literatur in der Renaissance und für den Humanismus leistete.

Auch im von Venedig weit entfernten Nürnberg widmeten sich Gelehrte den humanistischen Strömungen ihrer Zeit. Einer von ihnen war Willibald Pirckheimer (1470-1530), der sich griechische Bücher kommen ließ, um sie ins Lateinische zu übersetzen, genauer gesagt „zwischen 1502 und 1505“, wie Professor Dr. Haberland in einer Pressemitteilung der Landesbibliothek erklärt, weshalb er es für wahrscheinlich hält, dass auch das Buch mit der interessanten Entdeckung in dieser Zeit von Pirckheimer bei Aldus Manutius erworben wurde.
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Zu Pirckheimers Freundes- und Bekanntenkreis gehörte auch Albrecht Dürer (1471-1528), der die Titelseiten von Pirckheimers Büchern mit Illustrationen versah, darunter die Aldine, die nun in Oldenburg untersucht wurde. Die darin enthaltene ca. 16 x 6,5 cm messende, polychrome Miniatur zeigt zwei auf Delfinen reitende Putten, die ein Wappen flankieren – Pirckheimers Wappen. Nach Pirckheimers Tod verkauften seine Erben dessen Büchersammlung im Jahr 1634. 14 Bände, darunter das Oldenburger Dürer-Exemplar, deren Gestaltung damals explizit beschrieben wurde, gingen an einen holländischen Sammler.

Anschließend verliert sich die Spur der Aldine, bis sie Mitte des 18. Jahrhunderts in der Bibliothek des Amsterdamer Geistlichen Hieronymus de Wilhelm wieder auftauchte, wie die jüngsten Forschungen ergaben. 1769 wurde sie in Den Haag vom hannoverschen Beamten Georg Friedrich Brandes (1719-1791) ersteigert. Nach Brandes’ Tod kaufte Herzog Peter Friedrich Ludwig von Oldenburg dessen Sammlung, aus der die meisten der Oldenburger Aldinen stammen, und ließ sie in die neue öffentliche Bibliothek bringen, aus der die heutige Landesbibliothek hervorgegangen ist.
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Die endgültige kunsthistorische Untersuchung der wiederentdeckten Miniatur muss noch vorgenommen werden, doch sprechen die Zeichen sehr stark dafür, dass es sich um ein Werk des großen Albrecht Dürer handelt.
Wer die Dürer-Miniatur einmal mit eigenen Augen sehen möchte, hat in der aktuellen Ausstellung Buchschätze der venezianischen Renaissance aus der Offizin des Aldus Manutius der Landesbibliothek Oldenburg die Gelegenheit dazu. Bis Ausstellung ist noch bis zum 16. Juli und dann nochmals vom 15. September bis 15. Oktober zugänglich.



