In der Offerte mit Design und zeitgenössischer Kunst, die Bukowskis Dependance in Helsinki vom 9.-25. Oktober versteigert, treffen Sie auf die berühmtesten Namen der finnischen Design- und Kunstszene. Ein Keramikrelief von Rut Bryk ist dort genauso zu finden, wie eine Tierfigur von Michael Schilkin und der Teppich Barcelona von Maija Kansanen – um nur einige Highlights zu nennen. Den Geschichte hinter diesen Objekten sind wir einmal nachgegangen.

Rut Bryk (1916-1999) zählt zu den bedeutendsten Keramikkünstlern Finnlands. Im Alter von 20 Jahren begann sie ihr Kunststudium an der 2010 nach Alvar Aalto benannten Hochschule für Kunst, Design und Architektur in Helsinki. Nach ihrem Abschluss nahm Bryk an diversen Wettbewerben teil, bei denen ihre Kunst ausgestellt wurde. Bei einer dieser Gelegenheiten wurden Mitarbeiter der Keramikfabrik Arabia auf die vielversprechende junge Künstlerin aufmerksam. 1942 erhielt sie eine Stelle bei Arabia, ohne von Keramik auch nur die geringste Ahnung zu haben. Sie arbeitete mit Birger Kaipiainen zusammen, der ihr Vorgesetzter wurde. Schon bald konnte sie in ihrer künstlerischen Gestaltung unabhängig und schuf in den späten 1940er und 1950 Jahren Figuren, darunter auch Tierfiguren, bei denen die Farbe im Mittelpunkt stand. Im Laufe der 1960er Jahre wurde sie zunehmend abstrakter und der Einsatz von Farbe verringert sich. Ihre glänzenden Oberflächen wurden dreidimensional. In den 1970er Jahren begann Bryk schließlich an Reliefs zu arbeiten. Diese waren abstrakt und skulptural und bestanden aus tausenden von Keramikfliesen.

1991 verließ Rut Bryk Arabia. Aus jenem Jahr stammt das Wandrelief Jäävirta ("Eisstrom"), das sie für Talluden, die offizielle Residenz des finnischen Präsidenten Mauno Koivisto, schuf. Das Meisterwerk diente dort als Raumteiler, der die offiziellen Räume von den privaten trennte. Das Relief besteht aus Alkupilvet, Tunturi, Kuilu und Jäävirta, alles voneinander unabhängige Kunstwerke, die zusammengefügt ein Ganzes ergeben. Drei Jahre benötigte Bryk, um das enorme Werk auszuführen, das aus tausenden Fliesen besteht. Bei Bukowskis haben Sie nun die Gelegenheit, eine vorbereitende Arbeit zu Jäävirta zu ersteigern.

Rut Brys Mentor und Kollege Birger Kaipiainen (1915-1988) begann 1937 für Arabia zu arbeiten. Kaipiainens farbenfrohe Kreationen waren sehr erfolgreich. In den 50 Jahren, die er für Arabia arbeitete, schuf er alles vom Wandrelief über Skulpturen bis hin zu Speiseservicen. AM bekanntesten ist er jedoch für seine dekorativen Teller, deren Motive meist Vögel, Früchte und Blumen darstellen. Doch inspirierte ihn nicht nur die Natur, sondern auch die Kunst der italienischen Renaissance, die religiöse Kunst aus Byzanz sowie die traumhafte Welt des Marc Chagall. Kaipiainen ist zweifellos einer von Finnlands bekanntesten Künstlern. Seine Zeitgenossen nannten ihn auch den "Meister der Keramik".

Ein weiterer Künstler, der in Verbindung zu Rut Bryk stand, war Tapio Wirkkala (1915-1985). Zunächst waren sie Kollegen – Bryk schuf Muster, die Wirkkalas Porzellanobjekte aufgriffen – und dann für 40 Jahre ein Ehepaar. Wirkkalas Œuvre ist gekennzeichnet durch ein zeitloses und originelles Design. Er arbeitete sowohl mit Glas und Porzellan, als auch mit Holz, Metall und Plastik und bevorzugte einfache Formen, die zu schaffen jedoch viel Arbeit erforderte. Er war der Ansicht, dass es die größte Herausforderung für einen Designer sei, klare und sich zurücknehmende Linien zu schaffen. Durch dieses Konzert wurde er das Gesicht der finnischen Moderne und sein Name ein Begriff in ganz Europa. In einer Biografiensammlung über berühmte Finnen in der finnischen Nationalbibliothek bezeichnet das industrielle Design der Nachkriegszeit in Finnland als "Wirkkala-Ära".

Der Auktionskatalog beinhaltet auch Wirkkalas ungewöhnliche Vogelskulptur aus Bronze und Glas, die er 1975 für Kultakeskus entworfen hat, sowie eine handgemachte Silberschale von 1968.

Architekt und Designer Alvar Aalto (1898-1976) hat einfach alles in Form gebracht: Möbel und Glasobjekte, Stoffe und Lampen. Inspiriert von der finnischen Landschaft, entwarf er funktionale Möbelstücke und Häuser. Seine Möbel kennzeichnen organische Formen und gewellte Linien, was auch auf die von ihm entworfenen Häuser zutrifft, wie die private Villa Mairea oder das Sanatorium in Paimio. Aalto war einer der weltweiten Pioniere in Sachen organische Moderne und glaubte fest daran, dass Möbel auf die Bedürfnisse ihrer Nutzer zugeschnitten sein müssen. Bei Bukowskis kommt seine Lampe A704 aus weiß bemaltem Metall und schwarzem Leder zum Aufruf, die er in der 1950er Jahren für Valaistustyö entworfen hat.

Ein weiteres Highlight der Offerte stammt aus den kundigen Händen des finnischen Keramikers Michael Schilkin (1900-1962), der im russischen Trubino zur Welt kam, 1921 jedoch nach Finnland flüchtete. Drei Jahre nach seiner Ankunft in dem skandinavischen Land, begann er an der Universität für Kunst, Design und Architektur in Helsinki zu studieren. 1927 machte er seinen Abschluss, musste jedoch zunächst als LKW-Fahrer arbeiten. Seine Leidenschaft blieb jedoch die Kunst. So wie es auch Rut Bryk passierte, wurde Arabia auf seine Arbeit aufmerksam, genauer gesagt Kurt Ekholm, der damalige künstlerische Leiter der Porzellanabteilung. Zusammen mit Rut Bryk, Tapio Wirkkala und Birger Kaipiainen arbeitete Schilkin in der Fabrik. Am Anfang seiner Karriere beschäftigte er sich viel mit biblischen Motiven, wechselte dann jedoch zu dem Thema, für das er heute am bekanntesten ist: Tierfiguren. Aus Ton schuf er wilde Tiere wie Löwen, Bären und Heuschrecken, die er in erdigen Tönen glasierte. 1937, dem Jahr, in dem er anfing für Arabia zu arbeiten, erhielt er auch die finnische Staatsbürgerschaft. Dadurch war es ihm möglich, das Land bei der Weltausstellung in Paris zu repräsentieren, wo er mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurde. Schilkins Œuvre wandelte sich von einem expressiven und stilistischen Design zu einem dem Kubismus angelehnten Stil, den er in den 1950er Jahren auf einer Reise nach Südamerika für sich entdeckte.

Wenn es um textile Kunst geht, darf der Name Maija Kansanen-Størseth (1887-1957) nicht ungenannt bleiben. Auch sie studierte in Helsinki und wandte sich wie viele ihrer Wegbegleiterinnen der textilen Kunst zu. In den 1930er Jahren war textile Kunst hochangesehen und zählte zu den fortgeschrittenen Gebieten in der Kunstindustrie. In Finnland hatte sie ihre Wurzeln in der Volkskunst, weshalb sie dort ein besonders hohes Ansehen hatte. Als sich der Funktionalismus in den 1930er Jahren in der finnischen Kunstindustrie immer mehr auszubreiten begann, blieb das auf internationaler Ebene nicht unbemerkt. Bei Bukowskis wird nun Maija Kansanen-Størseths Teppich Barcelona angeboten, mit dem sie 1929 den Großen Preis der Weltausstellung in Barcelona gewann. Der Teppich zeigt eine Mischung aus modernen und traditionellen Motiven, was typisch war für die Textilkunst jener Epoche. Ausgeführt wurde Barcelona in den 1930er Jahren bei Aaltosen Mattokutomo in Kiika, eine Weberei, die auch die Teppiche der anderen führenden Textilkünstler Finnlands herstellte.
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