Ausschließlich online versteigert das Auktionshaus Hermann Historica vom 20. bis 24. Juni über 3.300 historische Schätze, die aus den unterschiedlichsten Epochen und Regionen stammen. Während vier der insgesamt fünf Onlineauktionen Waffen und Militaria gewidmet sind, darf am ersten Auktionstag auf eine 815 Lose starke Offerte mit Kunst und Antiquitäten mitgeboten werden, die auch Antiken und Asiatika umfasst. Vier Highlights dieses wundervoll bestückten Katalogs möchten wir Ihnen im Folgenden näher vorstellen.

Zunächst begeben wir uns auf das Gebiet der Provinzialrömischen Archäologie. An einigen ihrer zahlreichen Außenposten verwendeten die Römer „Gesichtsurnen“ wie dieses intakte Stück aus dem 1.-3. Jahrhundert. Gesichtsurnen waren bereits vereinzelt seit dem Neolithikum bekannt und wurden später auch von den Etruskern verwendet. Bei den Römern dienten sie als rituelle Gefäße für die Hausaltäre oder als Gefäße für die bei ihnen üblichen Brandbestattungen. Die stilisierten Gesichter der Urnen hatten vermutlich einen Unheil abwendenden Zweck. Das vorliegende Exemplar, das mit drei plastischen Gesichtern und einem Henkel ausgestattet ist, kommt mit einem Startpreis in Höhe von 400 Euro zum Aufruf.

Ebenfalls römisch und aus etwa demselben Zeitraum stammt diese bronzene Karyatide, die durch den Korb auf ihrem Kopf als sogenannte „Kanephore“ (Korbträgerin) identifiziert werden kann. Als Karyatiden wurden in der griechischen Architektur Frauenfiguren bezeichnet, die anstelle von Säulen als tragende Elemente Verwendung fanden. Ein bekanntes Bespiel sind die Karyatiden der Korenhalle des Erechtheions auf der Akropolis in Athen. Das Material und die geringe Größe weisen im vorliegenden Fall darauf hin, dass diese Karyatide einst als Strebe für ein Möbelstück oder ein Gerät diente. Heute dient sie, modern auf einen Steinsockel montiert, als dekoratives Element, deren Schönheit die fehlenden Füße keinen Abbruch tun.
Schönheit ist auch genau das richtige Stichwort, um die genaue Identität der Dargestellten zu beschreiben. Es ist Venus bzw. Aphrodite, die gemäß der antiken Mythologie von Paris zur schönsten Göttin gewählt wurde. Die im vorliegenden Fall gewählte Ikonographie identifiziert sie als „Venus Anadyomene“, also als die soeben dem Meer, entstiegene Venus, die sich ihre nassen Haare auswringt. Wer diese Göttin der Liebe sein Eigen nennen möchte, muss dafür mindestens 800 Euro investieren.

Mehrere Jahrhunderte und viele Kilometer trennen die bronzene Venus von dieser bezaubernden Teekanne aus Porzellan, die Ende des 19. Jahrhunderts in China, wo damals die Qing-Dynastie herrschte, hergestellt wurde. Der Startpreis lieg bei 1.200 Euro.
Die Qing-Dynastie herrschte seit 1644 über China und erlebte damit auch die Erfindung des europäischen Porzellans im frühen 18. Jahrhundert mit. Damit standen die großen Importeure aus „Fernwest“ plötzlich auf eigenen Füßen, doch Porzellan aus China blieb nach wie vor begehrt und wurde von den Ostindienkompagnien massenhaft verschifft. Die chinesischen Porzellanhersteller bemühten sich nun jedoch verstärkt, für die Exportware den europäischen Geschmack zu treffen. Sehr beliebt war das auf Rosatönen basierende famille rose-Dekor, mit dem auch die vorliegende Kanne und ihr Deckel verziert sind. Umgeben von polychromer Bemalung auf goldenem Grund sind in mehreren Kartuschen figürliche Szenen sowie Blüten, Schmetterlinge und Vögel abgebildet.

Etwas jünger als die Teekanne aus China ist dieses silberne Kaffeeservice, das Anfang des 20. Jahrhunderts von Tiffany & Co. ausgeführt wurde, wie eine entsprechende Gravur auf der Unterseite verrät. Das Service besteht aus einer Kaffeekanne mit dunklem Holzgriff, einem Sahnegießer, einer Zuckerdose mit Deckel sowie einer weiteren Fußschale. Das verwendete Steringsilber wurde in einem antikisierenden Stil ausgeformt und mit reliefiertem Banddekor und feinem Blatt- und Blütenwerk verziert. Für das schöne Service in gutem Zustand sind mindestens 2.000 Euro gefordert.
Vom 20. bis 24. Juni findet täglich eine Onlineauktion statt. Versteigerungsbeginn ist jeweils um 10 Uhr. Vorbesichtigungen sind vom 15. bis 18. Juni im Auktionshaus Hermann Historica, Bretonischen Ring 3, in Grasbrunn bei München möglich.
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