Seit nunmehr 25 Jahren begeistert das Kunstauktionshaus Schlosser Sammler und Freunde der Kunst gleichermaßen. Die Geschichte des Hauses begann 1997 in der Frankenmetropole Nürnberg und setzte sich ab 2005 im wunderschönen Bamberg fort. Dort wird nun mit der 90. Auktion, die am 25. und 26. November stattfindet, das Jubiläum gebührend gefeiert.

Am ersten Tag der Jubiläumsauktion kommen Meisterwerke der Europäischen Malerei, der Plastik und des Kunsthandwerks zum Aufruf, der zweite Tag widmet sich dann wiederum den Bereichen Kunst und Antiquitäten. Ein Highlight der insgesamt 1115 Lose umfassenden Auktion ist sicherlich dieses Madonnenbild aus dem 16. Jahrhundert. Zu sehen ist eine liebliche Muttergottes, die mit zarten Händen den Jesusknaben hält. Dieser sitzt vor ihr, scheinbar auf einem Tisch, und spielt mit dem Schleier seiner Mutter. Das helle Tuch ist schon fast von ihren blonden Locken gerutscht und windet sich in wogenden Wellen um das lächelnde Kind. Zugeschrieben wird das Ölgemälde dem Umkreis des flämischen Malers Jan Gossaert (um 1478-1532), der auch unter dem Namen Jan Mabuse bekannt war. Dieser Meister der niederländischen Renaissance schuf um 1520 das Motiv des mit dem Schleier spielenden Jesuskindes. Das Sujet wurde so beliebt, dass es auch von anderen Malern übernommen wurde.

Um 1800 entstand dieser prachtvolle und überaus dekorative Tafelaufsatz. Drei zarte Karyatiden mit gewölbten, nackten Oberkörpern, tragen eine dunkelgrüne Malachitschalte. Schon im Altertum wurde der Malachit aufgrund seiner intensiven Farbe geschätzt. Bei diesem wertvollen Stück verbindet sich das tiefe Grün der Schale aufs Prächtigste mit dem Gold ihrer Trägerinnen. Die erotischen Damen wurden nämlich ebenso wie der flache Rundfuß des Aufsatzes aus feuervergoldeter Bronze geschaffen. Das Modell im klassizistischen Stil stammt von dem französischen Bildhauer Pierre-Phillipe Thomire (1751-1843), der in Paris arbeitete und für seine raffinierten Bronzeobjekte bekannt war.

Überaus berührend ist diese fast ein Meter hohe Holzfigur des Heiligen Sebastians. Sein Körper wurde von Pfeilen durchbohrt, der Schmerz ist bestimmt unerträglich. Und doch ist sein Gesichtsausdruck friedlich. Die fein geschnitzte Figur des Märtyrers, der bereits seit dem vierten Jahrhundert verehrt wird, entstand um 1500 und stammt aus dem Umkreis oder sogar der Werkstatt des bekannten Bildhauers und Bildschnitzers Tilman Riemenschneider (um 1460-1531). Riemenschneider verbrachte einen Großteil seines Lebens im fränkischen Würzburg, wo er es zu großem Ansehen und Wohlstand brachte. Er schuf hauptsächlich Bildwerke mit religiösem Inhalt, die vom Klerus aber auch reichen Bürgern in Auftrag gegeben wurden.

Weitaus verspielter zeigt sich dagegen dieses bezaubernde Figurenpaar aus feinstem Meissner Porzellan. Dargestellt sind ein Gärtner und eine Gärtnerin. Ihre Körperhaltung ist anmutig, fast tänzerisch, als würden sie sich in einem zärtlichen Liebesreigen aufeinander zu bewegen. Die Porzellanfiguren sind überaus fein bemalt – von den rosigen Wangen bis hin zu den edlen Schühchen. Ihre Kleidung ist detailreich und liebevoll gestaltet, fast meint man die Röcke der Dame rascheln zu hören. Der Entwurf für diese beiden Schönheiten aus dem 19. Jahrhundert entstand bereits im Jahr 1767 und stammt passenderweise von Johann Carl Schönheit (1730-1805). Der Bildhauer und Porzellanmodelleur arbeitete bereits seit seinem 11. Lebensjahr für die Meissner Porzellanmanufaktur.

Durch ihre leuchtenden Farben besticht diese Vase aus der Glasserie „Oriente“ des italienischen Designers Dino Martens (1894-1970). Er entwarf sie für das in Murano ansässige Unternehmen Aureliano Toso, das bis heute Glasobjekte und Lampen herstellt. Martens arbeitete dort bis 1960 als künstlerischer Leiter. Die Vase mit ihrem langen, trichterförmigen Hals besteht eigentlich aus farblosen Glas und erhält ihre auffällige Farbigkeit durch opake Kröseleinschmelzungen und die sogenannten Murrinen – eine aufwendige Technik der Herstellung vor derart vielfarbigen Glas. Schaut man genauer in das strahlende Farbenmeer, erkennt man sogar die Darstellung eines abstrakten Gesichts.

Schlicht in ihrer Form wirkt dagegen diese Holztruhe aus dem 16. Jahrhundert. Außergewöhnlich ist jedoch ihre reiche Verzierung. Das gut erhaltene Renaissance-Möbel aus dem italienischen Etschtal weist herrliche Flachschnitzereien auf, die sowohl Ornamente als auch Figuren darstellen. Es ist eine wahre Freude, hier genauer hinzuschauen! Der Deckel ist mit Schwarzlotmalerei verziert, die teilweise religiöse Motive zu erkennen gibt. Meist wurde diese Malerei auf Glas oder Keramik ausgeführt, seltener auf Möbeln. Die Bezeichnung Lot geht dabei auf die Verwendung von Blei zurück.
Die Jubiläumsauktion findet am 25. und 26. November im Kunstauktionshaus Schlosser, Karolinenstraße 11, in Bamberg statt. Beginn am ersten Tag ist um 15 Uhr, am zweiten bereits um 11 Uhr. Vorbesichtigungen sind vom 19. bis 24. November im Auktionshaus möglich.
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