Vor einem Jahr versteigerte das Auktionshaus Neumeister in München Kunstschätze aus dem Besitz der Wittelsbacher, die zum Inventar des ungarischen Schlosses Nádasdy gehört hatten. Am 30. März findet mit „Hidden Treasures. Schätze aus dem Hause Württemberg“ ein ganz ähnliches Event statt, das jedoch weitaus umfangreicher sein wird.
Die Sonderauktion wird fast 500 Lose umfassen, die das Auktionshaus Neumeister im Herbst letzten Jahres erreichten. Die Sichtung der zahllosen Holzkisten erwies sich als wahre Entdeckungsreise, denn viele von ihnen waren seit Jahrzehnten nicht geöffnet worden.
Zum Vorschein kamen Antiquitäten, Gemälde, vielfältige Tafelzier aus Silber, Glas und Porzellan sowie weitere Objekte, die von der rund 200 Jahre umfassenden Geschichte einer Seitenlinie des Hauses Württemberg im oberschlesischen Carlsruhe (heute Pokój in Polen) erzählen.
Mitte des 18. Jahrhunderts verliebte sich der Herzog Carl Christian Erdmann von Württemberg-Oels in ein Waldgebiet auf dem er ein Jagdschloss errichtete, das bald zur dauerhaften Residenz seiner Familie, die seit 100 Jahren als Herzöge von Oels über ein kleines Gebiet in Schlesien herrschten, wurde. Das Schloss, nach seinem Erbauer Carlsruhe genannt, blieb auch im Besitz der Württemberger, als es das Herzogtum Oels schon nicht mehr gab.
1925 wurde mit Herzog Ferdinand von Württemberg der letzte Erbe von Carlsruhe im Schloss geboren. Als er sechs Jahre alt war, zog er mit seiner Familie in das Stammland der Württemberger. Schloss Carlsruhe wurde schließlich 1945 von der vorrückenden Roten Armee zerstört. Das Inventar war jedoch bereits zuvor in Sicherheit gebracht worden, sodass es später in den Besitz von Ferdinand, der sich Zeit seines Lebens für eine Annäherung von Polen und Deutschland einsetzte, übergehen konnte. Jetzt, knapp eineinhalb Jahre nach Ferdinands Tod, wird dieser Schatz in München versteigert.
Die Lose gehören zu verschiedenen Themenbereichen, die Einblick in das herrschaftliche, aber auch kunstsinnige Leben in Carlsruhe gewähren. Ein umfangreiches Angebot an Porzellanservicen, Kristallkaraffen und Tafelsilber ist da schon beinahe obligatorisch.

Zum Aufruf kommen zahlreiche von Breslauer Silberschmieden gefertigte Stücke, darunter dieses Paar klassizistische Deckelterrinen mit Untersatz, das um 1800 vom Meister Johann Christian Jancke dem Jüngeren ausgeführt wurde.

Weitere Highlights, die von bedeutenden Ebenisten geschaffen wurden, gibt es unter den Möbeln der Offerte zu entdecken. So wurde dieses Arbeitstischchen aus furniertem Vogelaugenahorn um 1790 in der Werkstatt von David Roentgen geschaffen, der 1772 die Leitung selbiger von seinem Vater Abraham Roentgen übernommen hatte.

Von Roentgens württembergischen Kollegen Johannes Klinckerfuß, der auch Aufträge für den Hof in Stuttgart ausführte, stammt dieses Nachttischchen aus furniertem Mahagoni, das kolorierte Punktstiche nach Vorlagen von Angelika Kauffmann und Benjamin West zieren.

Doch wäre ein adliges Haus nicht vollständig, ohne die Porträts der Ahnen an den Wänden. Hier muss zuvorderst auf das 1820 von Joseph Stieler ausgeführte Porträt der österreichischen Erzherzogin Henriette Alexandrine von Österreich hingewiesen werden. Die geborene Prinzessin von Nassau-Weilburg hatte fünf Jahre zuvor den Feldherrn Karl von Österreich-Teschen geheiratet. Durch Erbfolge kam das Bildnis schließlich in den Besitz der Württemberger, was sich anhand der Etiketten auf der Rückseite nachvollziehen lässt.

Ein weiteres Damenporträt der Auktion ist dieses, dass Karoline von Nassau-Saarbrücken zeigt, die durch Heirat Herzogin von Pfalz-Zweibrücken wurde und ihr Reich nach dem Tod ihres Mannes für ihren noch unmündigen erstgeborenen Sohn regierte. Gemalt wurde das Bildnis von Johann Heinrich Tischbein dem Älteren, der einer der gefragtesten Porträtmaler seiner Zeit war.
Mit der Auktion „Hidden Treasures. Schätze aus dem Hause Württemberg“ ist der März im Hause Neumeister aber noch lange nicht zu Ende. Am letzten Tag des Monats findet die Frühjahrsauktion statt, in der Kunsthandwerk und Antiquitäten, Schmuck, Graphik und Gemälde (15.-20. Jh.) sowie Klassische Moderne, Post War & Zeitgenössische Kunst zum Aufruf kommen.

Mit vier Arbeiten ist auch Carl Spitzweg in der Auktion vertreten, darunter das in Öl ausgeführte Werk Der Antiquar. Mit dem für Spitzweg typischen Augenzwinkern, mit der er seine Umwelt und vor allem seine Mitmenschen porträtierte, lässt er den bereits älteren Antiquar so sehr in seine Lektüre versinken, dass dieser die modisch gekleidete junge Dame in seiner Nähe gar nicht bemerkt.
Die Auktionen finden im Auktionshaus Neumeister, Barer Straße 37, in München statt. Vorbesichtigungen sind dort vom 24. bis 28. März möglich.
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