Karl Lagerfeld sagte einmal: „Im 18. Jahrhundert, wenn Sie da Geld hatten, konnten Sie noch was Schönes kaufen. Heute, wenn Sie viel haben, können Sie vor allem was Grauenhaftes kaufen.“ Während an dieser Stelle kein Urteil über den zweiten Teil dieser Aussage gefällt werden soll, möchten wir Sie aber auf das folgende Los hinweisen, das den Wahrheitsgehalt des ersten Teils voll und ganz unterstreicht.
Dabei handelt es sich um eine Kommode des Pariser Ebenisten Pierre Roussel, die den europäischen Geschmack für fernöstliche Motive und ornamentreiches Dekor in der Mitte des 18. Jahrhunderts widerspiegelt. Das zweischübige Eichenmöbel ist mit Schwarzlackplatten ausgestattet, die frontal in Gold eine Flusslandschaft mit Personenstaffage und an den Seiten polychrom gestaltete Arrangements mit Blumen, Vögeln und Schmetterlingen zeigen.

Pierre Roussel, der 1745 seine Meisterprüfung ablegte, zählte zu den angesehensten Ebenisten von Paris, der herausragende Stücke im Louis XV-Stil und dem darauffolgenden Transitionsstil schuf. Auch für Letzteres kommt bei Neumeister ein Beispiel zum Aufruf: eine weitere Kommode, die Pierre Roussel um 1770 schuf. Hier ist die zunehmende Hinwendung zum "gout à la grècque“ zu erkennen, der die Formensprache der Antike aufgriff.
Die beiden Kommoden von Pierre Roussel sind Teil des Katalogs „Kunsthandwerk und Antiquitäten“, mit dem Neumeister am 29. März um 12 Uhr seine kommende Auktionsreihe eröffnet. Doch so sehr wir uns auch in diese beiden wunderbaren Möbelstücke verliebt haben, möchten wir den anderen Highlights, die wir Ihnen im Folgenden vorstellen, zugestehen, dass nicht nur im 18. Jahrhundert schöne Dinge geschaffen wurden.

Ganz sicher trifft das auf dieses Diadem zu, das am 29. März nach der Schmuckofferte im „Noble Sale“ mit Kostbarkeiten aus europäischem Adelsbesitz zum Aufruf kommt. Im vorliegenden Fall handelt es sich bei den Vorbesitzern um das bedeutende Fürstenhaus zu Fürstenberg. Das zauberhafte Blütendiadem wurde um 1890/1900 vermutlich in England aus Gelbgold und Silber geformt und mit rund 596 Diamanten (zus. ca. 17,70 ct) und 21 Türkiscabochons verziert.

Ein weiteres Highlight dieser Offerte ist diese silberne Terrine mit Présentoire, die sich einst im schlesischen Schloss Carlsruhe befand und damit Teil des Besitzes der Württemberger Herzöge war. Das Ensemble wurde 1806/07 vom Augsburger Meister Gustav Friedrich Gerich ausgeführt, der dafür viele verschiedene Silberschmiedetechniken anwandte. Auffallend sind das umlaufende Relief mit Greifen, Vasen und Ranken sowie die vier vollplastisch gearbeiteten Drachen, die einer tragenden Funktion nachkommen.

Am 30. März geht es um 14 Uhr weiter mit dem Katalog „Graphik und Gemälde (15.-20. Jh.)“. Zu den Top-Losen zählt hier das Gemälde Judith mit dem Haupt des Holofernes des österreichischen Barockmalers Peter Strudel, das erst im vergangenen Jahr in einer Tiroler Sammlung wiederentdeckt wurde. Peter Strudel war offizieller Hof- und Kammermaler des Kaiserhauses und leitete in seiner Werkstatt im „Strudelhof“, den er in der Wiener Alservorstadt hatte errichten lassen, eine eigene Kunstakademie, aus der später die Wiener Akademie der Bildenden Künste hervorgehen sollte.
Den Abschluss der Auktionsreihe bildet am 30. März um 16:30 Uhr der Katalog „Moderne und Contemporary Art“, die Werke von Künstlern wie Ernst Ludwig Kirchner, Leo Putz, Gustav Klimt, Emil Nolde und Christian Rohlfs umfasst.

Angeführt wird die Offerte von Lovis Corinths herausragendem Gemälde Unter dem Kronleuchter von 1905, das von Corinths großem Talent zeugt, eine bestimmte Stimmung einzufangen. Das Bild scheint spontan entstanden zu sein, als Corinth im Atelier des Berliner Malers Oskar Moll gemeinsam mit seiner Frau Charlotte und dem befreundeten Maler Robert Richter – die beiden sind die Protagonisten der Szene – dinierte. Saß Lovis Corinth möglicherweise auf dem zurückgeschobenen Stuhl im Vordergrund, auf dem ihn jedoch nichts mehr hielt, als ihn das Verlangen packte, den schönen Abend in einem Gemälde einzufangen?
Die Märzauktionen von Neumeister finden am 29. und 30. März im Kunstauktionshaus in der Barer Straße 37 in München statt. Vorbesichtigungen sind dort vom 23. bis 27. März möglich.
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