Die auf der Insel Sulawesi entdeckte Jagdszene belegt mit ihren halb menschlichen, halb tierischen Figuren die Existenz einer erfolgreichen künstlerischen Kultur sowie die Anfänge einer Religion vor 44.000 Jahren. Archäologen halten es für die älteste narrative Darstellung der Welt.
Laut einer am 11. Dezember in der Zeitschrift Nature veröffentlichten Studie erstreckt sich das Werk über eine Breite von 4,5 Metern und zeigt sechs Säugetiere (Wildschweine und Zwergbüffel), die von mit Seilen und Speeren bewaffneten Jägern verfolgt werden. Die Figuren, aus denen sich die Gruppe der Jäger zusammensetzt, die als "Therianthropen" bezeichnet werden, sind mit dem Körper eines Menschen, aber mit dem Kopf eines Tieres dargestellt.
Das Forscherteam der Griffith University im australischen Brisbane hat die Wandmalerei mit einer sehr präzisen radiometrischen Methode datiert, bei der Uran-Thorium zum Einsatz kam.

"Ich habe so etwas noch nie gesehen. Ich meine, wir haben Hunderte von Felsmalereien in dieser Gegend gesehen, aber wir haben noch nie so etwas wie eine Jagdszene gesehen", sagte Adam Brumm, Archäologe an der Griffith University.
Das Werk stammt aus der Altsteinzeit und ist "mindestens 43.900 Jahre alt". Forscher haben es als "die älteste Jagdszene in der prähistorischen Kunst" beschrieben. Ein weiterer wichtiger Punkt: Es handelt sich um eine Erzählung, was noch nie bei einem Werk aus dieser Zeit beobachtet wurde, und laut Forschern handelt es sich sogar um "das älteste figurative Kunstwerk der Welt". Andere prähistorische Darstellungen, die an europäischen Fundstätten entdeckt wurden und zwischen 14.000 und 21.000 datieren, galten früher als die ältesten narrativen Werke der Geschichte.
"Es ist das erste Mal, dass eine so detaillierte Erzählung aus einer so weit zurückliegenden Epoche identifiziert wurde", sagt das Team. Die mit rotem Pigment gezeichneten gertenschlanken Jäger wurden vereinfacht und sehr stilisiert dargestellt. Laut Adam Brumm könnten diese therianthropischen Figuren die Fähigkeit des Menschen demonstrieren, "Dinge zu begreifen, die es in der Natur nicht gibt, ein Grundkonzept, das der modernen Religion zugrunde liegt". Diese hybriden Wesen sind vielleicht Ausdruck einer "Spiritualität, die auf einer besonderen Bindung zwischen Mensch und Tier beruht".

Auch wenn die Forscher der Griffith University den narrativen Aspekt der Arbeit in ihrer Studie hervorheben, sind einige ihrer Kollegen davon noch nicht überzeugt: Einige Fachleute bezweifeln immer noch, dass das Bild eine einzige und einzigartige "Szene" beinhaltet, und legen nahe, dass die Felsmalerei das Ergebnis einer Reihe von Bildern ist, die über mehrere tausend Jahre gemalt wurden. Paul Pettitt, Archäologe und Experte für Höhlenmalerei an der Universität von Durham in Großbritannien, sagt, die Existenz einer einzigen Szene sei "fraglich".
Die monochrome Malerei wurde 2017 an den Wänden einer Höhle bei Leang Bulu Sipong auf der Insel Sulawesi in verwittertem Zustand entdeckt. Die von den Forschern angewandte Datierungsmethode ermöglichte die Bestimmung eines Mindestalters, weil sie "genau auf jene mineralische Konkretionen datiert, die sich auf natürliche Weise auf der Farbe bilden". Die Entdeckung stellt die Idee in Frage, dass in Europa die Anfänge der Felsmalerei beheimatet sind, und beweist, dass die Komponenten einer fortgeschrittenen künstlerischen Kultur und der figurativen Kunst bereits vor 44.000 Jahren in Indonesien existierten.
Archäologen haben auf den Zustand der Höhlenwände hingewiesen, die sich in einem fortgeschrittenen Zustand des Verfalls befinden.
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