Mitte der 1950er Jahren taten sich in Paris zwei Frauen zusammen, um Kunst zu sammeln, die von der (Fach-)Welt zu jenem Zeitpunkt noch recht stiefmütterlich behandelt wurde: die Galeristin Katia Granoff und Jeanne Schlumberger, Witwe des 1953 verstorbenen Marcel Schlumberger, einem Mitglied der bedeutenden Industriellenfamilie Schlumberger. Geld, Geschmack und das Gespür für Innovation trafen hier aufeinander, um in den folgenden 30 Jahren eine bemerkenswerte Sammlung aufzubauen. Dabei hatten es Schlumberger und Granoff nicht auf die etablierten Werke jener Zeit abgesehen, sondern auf jene Arbeiten, die den weiteren Verlauf der Kunstgeschichte beeinflusst, dafür aber noch keinerlei Anerkennung bekommen hatten. Nach dem Tod Jeanne Schlumbergers im Jahr 1983 verblieb ihre Sammlung im Besitz der Familie. Nun werden jedoch 28 bemerkenswerte Werke, die teilweise seit mehr als 40 Jahren oder sogar noch nie öffentlich zu sehen gewesen waren, bei Sotheby’s Paris versteigert. Die Gesamtschätzung liegt bei über 40 Millionen Euro.
Dazu Thomas Bompard, Co-Head of Modern and Contemporary Art, Sotheby’s France: „Großartige Sammlungen basieren auf Geschmack. Die vielleicht bedeutendsten jedoch gründen auf Überzeugung. Die Geschichte der Sammlung Schlumberger ist letztlich die Geschichte eines Blicks, der mehr sah als der anderer. Jeanne Schlumberger und Katia Granoff erkannten die radikale Genialität dieser Werke zu einer Zeit, als viele sie noch übersahen. Die eine sammelte, die andere setzte sich leidenschaftlich für die Kunst ein – beide vertrauten auf ihren Instinkt, auch als die Welt sich bereits ein Urteil gebildet zu haben schien. Wenn dieser Schatz des Impressionismus nun erstmals auf den Markt kommt, geschieht dies als Vermächtnis zweier Frauen, die das Schicksal der Künstler, an die sie glaubten, maßgeblich geprägt haben. So wie Jeanne Schlumberger und Katia Granoff dazu beitrugen, die Geschichte des Impressionismus neu zu schreiben, wird Le Temps Retrouvé ein wegweisendes Kapitel für Sotheby’s Paris, für den Kunstmarkt und für eine neue Generation von Sammlern markieren.“
Als Highlight der Auktion „La Collection Schlumberger. Le Temps retrouvé“, die am 22. Oktober stattfinden wird, kommt Claude Monets großformatiges Gemälde Iris (1924-25) zum Aufruf – ein Meisterwerk aus den letzten Lebensjahren des großen Künstlers. Die Iris-Gemälde bilden eine Werkgruppe, an der Monet 1914-17 und dann nochmal 1924-25 arbeitete. Das vorliegende Exemplar ist das bedeutendste unter ihnen und zudem das größte in Privatbesitz. Granoff hatte es 1958 mit Unterstützung Schlumbergers, die es schließlich in ihre Sammlung integrierte, als Teil des Atelierbestands Monets von Michel Monet, dem Sohn des Künstlers, erworben. Die beiden Frauen erkannten im Spätwerk Claude Monets den Auftakt zur Moderne und zur Abstraktion. Das bedeutende Gemälde wird auf 22-30 Millionen Euro geschätzt.
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Neben weiteren Werken Monets kommen Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern wie Paul Cézanne, Gustave Moreau, Camille Claudel und Pierre Bonnard zum Aufruf.
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![PARIS, FRANKREICH – 17. September: Eine Wandtafel bei Sotheby’s kündigt die Ausstellung „Le Temps Retrouvé, La Collection Schlumberger“ an [...] Die Sammlung [...] hat einen geschätzten Gesamtwert von 40 bis 60 Millionen Euro. Das Highlight der Auktion ist Claude Monets monumentales Werk „Iris“ (1924–25) [...] dessen Wert auf 22 bis 30 Millionen Euro geschätzt wird. Die Versteigerung ist für den 22. Oktober 2026 angesetzt. (Foto von Marc Piasecki/Getty Images) (Detail)](https://images.prismic.io/barnebys/0dliuDrtkbnsGT6h_SchlumbergerTitel.png?auto=format,compress)
